Allein gegen die Fifa

Whistleblowerin Phaedra Almajid hat der Fifa-Ethikkommission brisante Informationen über die WM-Vergabe an Katar übermittelt. Ihr Leben hat sich dadurch radikal verändert.

«Ich musste erzählen, was ich mitbekommen hatte»: Phaedra Almajid im Interview mit dem Sender Sky News.

«Ich musste erzählen, was ich mitbekommen hatte»: Phaedra Almajid im Interview mit dem Sender Sky News. Bild: Screenshot Sky News

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Der Kampf für die Wahrheit hat Phaedra Almajid zweimal Pech gebracht. Das erste Mal vor vier Jahren. Nach der WM-Vergabe bezichtigte die Mitarbeiterin des katarischen Bewerbungskomitees ihren Arbeitgeber öffentlich der Korruption und kündigte.

Wenig später distanzierte sich Almajid in einer eidesstattlichen Versicherung von den Vorwürfen. Auf einer eigens eingerichteten Webseite schrieb die Amerikanerin: «Ich habe gelogen». Häme und Kritik prasselten auf sie ein, ihre Glaubwürdigkeit war zerstört. Kurz darauf stand das FBI vor ihrer Tür, wie sie dem TV-Sender Sky News jetzt erzählte. Ihre Sicherheit sei in Gefahr, sagten die Beamten.

(Video: Youtube/Sky News)

Wichtiges Insiderwissen

Seit vergangener Woche steht Almajid erneut im Fokus der Öffentlichkeit. Diesmal wegen des Berichts der Fifa-Ethikkommission, der die WM-Bewerbungen von Katar und Russland unter die Lupe genommen hat. Der Weltfussballverband hatte den amerikanischen Staatsanwalt Michael Garcia und den deutschen Richter Hans-Joachim Eckert 2013 mit der Untersuchung betraut. In der Hoffnung, die Fifa von allen Vorwürfen reinwaschen zu können.

Almajids Insiderwissen war für Garcia von grösster Bedeutung. Als er 2013 mit seinen Recherchen begann, sagte sie erneut aus. Die Ex-Medienberaterin wiederholte nicht nur ihre Korruptionsvorwürfe gegen Katar. Sie gab auch die Gründe ihres bizarr anmutenden Rückzugs bekannt: ihr Arbeitgeber hatte mit einer Millionenklage gedroht. Sie habe keinen Rechtsbeistand gehabt, sei «allein gewesen, bei dem Versuch, mich zu wehren», sagte Almajid im Sky-Interview. Ihr sei damals nichts anderes übrig geblieben, als zurückzurudern. Auch, um ihre zwei Kinder zu schützen.

«Paranoia, Angst und Drohungen»

Nach dem Fifa-Bericht fühlt sich die Whistleblowerin gedemütigt: Eckert habe ihre Aussagen als unzuverlässig dargestellt, sie als unglaubwürdig diskreditiert, klagt sie in einem Brief. «Zwei Frauen, die mutig genug waren, etwas zu sagen, werden bewusst verunglimpft», so Almajid gegenüber der britischen «Mail on Sunday». Dagegen hat sie zusammen mit einer weiteren Informantin offiziell Beschwerde eingelegt.

Auch, weil die Ermittler ihr für die Informationen Diskretion zugesagt und sich nicht daran gehalten haben. Die Zusicherung war entscheidend dafür, dass sie trotz der Sorge um ihre Kinder überhaupt aussagte. Zwar habe Eckert sie in seinem Bericht nicht namentlich erwähnt. Doch aufgrund ihrer Aussagen von 2011 sei es den Medien ein Leichtes gewesen, sie zu identifizieren. Jetzt fürchtet Almajid erneut um ihre Sicherheit. «Paranoia, Angst und Drohungen» bestimmen ihr Leben, sagte sie der BBC. Drei Jahre, nachdem alles bereits einmal aus den Fugen geriet, fühlt die Amerikanerin sich erneut allein gelassen.

Ein einsamer Kampf

Bereut sie es, ausgesagt zu haben? Wenn es um die Fifa geht, müsse man sich auf eine Kreuzigung vorbereiten, glaubt sie inzwischen, «wieder und immer wieder». «Aber ich musste erzählen, was ich gesehen hatte.» Seit ihr Name wieder in der Presse auftaucht, steht Almajid erneut unter dem Schutz des FBI.

Katar beruft sich auf die Redlichkeit der WM-Bewerbung und verweigert jeglichen weiteren Kommentar zu den Anschuldigungen. Auch Fifa-Richter Eckert weist jede Schuld von sich. Für den Mut, Informationen weiterzugeben, sei sie verraten und verleumdet worden, sagt Almajid.

Erstellt: 21.11.2014, 20:01 Uhr

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