Als der angezählte Ludovic Magnin auf tutti ging

Der FC Zürich erlebt ungeahnte Höhenflüge – und muss sich erst daran gewöhnen. Etwa am Samstag im Spiel gegen Xamax.

Plötzlich randvoll mit Selbstvertrauen: Ludovic Magnin und sein FCZ.

Plötzlich randvoll mit Selbstvertrauen: Ludovic Magnin und sein FCZ. Bild: Ennio Leanza/Keystone

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Lucien Favre und Ludovic Magnin verbindet ein spezielles Band, das weiss man, über ihre gegenseitigen Sympathien und Telefongespräche wurden schon ganze Artikel geschrieben, stets war Favre Mentor und Magnin Lehrling. Nun hat sich die Welt einige Male gedreht und mit ihr auch das Ansehen der beiden an ihren Arbeitsorten. Favre, lange Zeit Zauberer und Erfolgstrainer, ist angezählt. Magnin, wochenlang Rumpelstilzchen und Verlierer, erlebt ungeahnte Glücksmomente als Trainer. So wird er gefragt, was er denn nun seinem Kollegen rate, in diesen mässig erfolgreichen Tagen. «Auf tutti gehen. Auf die Offensive setzen», antwortet er und schiebt nach: «So habe ich es gemacht.»

Auch Magnin war vor Wochen angezählt, eine seltsame Spannung durchfuhr den FCZ, die Clubleitung war kurz angebunden, gar nervös, eine Entlassung Magnins war plötzlich nicht mehr undenkbar. Der 40-Jährige sass in jenen Tagen mit seinem Trainerteam zusammen und kam zum Schluss: Jetzt auf tutti.

Motivation mit Farben

Seither spielt der 17-jährige Becir Omeragic in der Abwehr. Seither besteht der Maschinenraum des Mittelfelds aus den Eigengewächsen Simon Sohm (18 Jahre) und Toni Domgjoni (21). Und seither läuft es dem FCZ. Weil Stürmer Blaz Kramer zeigen kann, weshalb man ihn Stürmer nennt (er schiesst Tore). Weil die offensiven Mittelfeldspieler wie Marco Schönbächler und Antonio Marchesano offenbaren, weshalb Fussball auch Spass machen kann (sie verstehen es als kreatives Spiel). Und weil Magnins Mannschaft plötzlich randvoll ist mit Selbstvertrauen.

Magnin möchte die Euphorie im Team bremsen («zu viel davon ist nicht gut»).

Das macht die Arbeit angenehmer, auch für Trainer Magnin. Im Training wird plötzlich gelacht. Man schaut zusammen auf die Resultate der letzten fünf Spiele und sieht dort keinen roten Fleck. Nur Grün für Siege (viermal) und Weiss für Unentschieden (einmal). «Fünfmal Grün ist das Ziel», sagt Magnin.

Dafür muss seine Mannschaft heute Abend Xamax bezwingen – angesichts jüngster Resultate ist das ein realistisches Ziel. Findet auch Magnin und macht dabei erstmals Bekanntschaft mit einer gewissen Quadratur des Kreises. Er möchte die Euphorie im Team bremsen («zu viel davon ist nicht gut») und sie zugleich nicht abwürgen («sie tut gut»).

Ob gegen Xamax der wiedergenesene Mimoun Mahi aufläuft, ist unklar. Sicher ist jedoch, dass der FCZ mit Trauerflor spielt – im Gedenken an Köbi Kuhn.

Erstellt: 30.11.2019, 15:07 Uhr

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