Als zwischen den Yakins und Gross noch die Fetzen flogen

Murat Yakin (36) trifft am Sonntag erstmals als Trainer auf seinen Lehrmeister Christian Gross (56). Der Basler sagt gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet, was er für den Zürcher empfindet.

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Yakins FC Luzern empfängt zum zweiten Spiel in der neuen Swisspor-Arena Christian Gross mit den Young Boys. Yakin und Gross haben gemeinsam unheimlich viel für den Schweizer Fussball gemacht. «Ich denke, das kann man durchaus so sehen», sagt Yakin. Er habe während zehn Jahren unter Christian Gross als Spieler bei GC wie auch beim FC Basel eine wunderbare Zeit erleben dürfen. «Wir haben alle Titel gewonnen und uns insgesamt dreimal für die Champions League qualifiziert», hat Yakin die magischen Nächte in der Champions League noch absolut präsent. Die beiden verbindet auch heute noch gegenseitiger Respekt, Hochachtung und Wertschätzung.

Wenn Yakin von Gross spricht, dann gerät er geradezu ins Schwärmen. «Christian ist ein leidenschaftlicher Trainer, ein absoluter Vollprofi. Er lebt während 24 Stunden für seinen Beruf», sagt Yakin. Gross habe den Fussball unter der Haut. Er sei total erfolgsorientiert und vermittle diese Winnermentalität auch seinen Spielern. Gross sei konsequent in seiner Arbeit und fordere von sich selbst, aber auch von seinen Spielern extrem viel. «Er ordnet alles dem Erfolg unter», sagt Yakin. Die Gruppe und der Kollektivgedanke hätten bei Gross oberste Priorität. «Er hat die grosse Gabe, dass er aus jedem Spieler das Maximum herauskitzeln kann», sagt Yakin. Gross sei auch ein grossartiger Psychologe und ein glänzender Motivator.

Die Datenbank im Gehirn angelegt

In der gemeinsamen Zeit seien aber auch schon mal die Fetzen geflogen. «Christian hat es aber immer geschätzt, wenn ein Spieler seine Meinung eingebracht hat», sagt Yakin. Es habe dabei auch Differenzen in taktischen Dingen gegeben. In solch heissen Debatten hatte Murat stets einen, der ihm den Rücken stärkte. Denn auch sein Bruder Hakan, heute Captain beim FC Luzern, spielte unter Gross in Basel. «Gross ist jedoch kein Hardliner oder Diktator, wie viele vielleicht vermuten», sagt Yakin. Er könne sehr wohl auch genau zuhören. «Wir haben uns dann im Sinne der Sache und des Erfolgs stets wieder zusammengerauft und schliesslich geeinigt», sagt Yakin. «Christian ist absolut authentisch und überzeugt mit Argumenten», sagt er. Man habe gemeinsam eine konstruktive und hohe Gesprächskultur entwickelt.

Auch in der Vorbereitung auf ein Spiel sei Gross ein absoluter Spitzentrainer. «Er weiss über jeden Spieler des Gegners genau und im Detail Bescheid», sagt Yakin. Gross habe in seinem Gehirn eine regelrechte Datenbank angelegt. Deshalb seien Gross und seine Mannschaften der Konkurrenz oft einen Schritt voraus. «Vor allem auch gedanklich im Spiel. Die Teams von Gross gehen hoch konzentriert ans Werk.»

Yakin schätzt an Gross auch die menschliche Seite. «Er hat einen feinen Charakter und durchaus auch sensible Züge», sagt Yakin. Er habe den Kontakt zu seinem Lehrmeister, wie Yakin sagt, nie abgebrochen. «Ich habe ihn in Stuttgart besucht», sagt Yakin. Gross habe ihm einen Einblick in seine Arbeit beim VfB Stuttgart gewährt.

Yakin betont aber, er wolle in seiner Arbeit keine Kopie von Christian Gross werden. «Ich habe als Spieler sehr gute, aber auch weniger gute Trainer gehabt», sagt Yakin. Als positive Beispiele nennt er neben Gross auch den heutigen deutschen Nationaltrainer Jogi Löw oder den Holländer Leo Beenhaker. Als weniger gutes Beispiel nennt er den Deutschen Winnie Schäfer. «Die guten wie auch die schlechten Trainer haben mir unheimlich viele Informationen für meine Karriere geliefert», sagt Yakin. Und diesen enormen Erfahrungsschatz möchte er nutzen und einsetzen.

Für Yakin wird es sehr spannend sein zu sehen, wie sein Lehrmeister ihm taktisch am Sonntag begegnet. Gross hatte in den erfolgreichen Basler Zeiten ja auch Luzerns Captain Hakan Yakin unter seinen Fittichen. «Christian kennt Haki natürlich in- und auswendig», sagt Murat. «Gross wird sich etwas Spezielles einfallen lassen», ist er überzeugt. Es würde aber auch nicht verwundern, wenn Murat Yakin versuchen würde, seinen Lehrmeister mit einer grossen taktischen oder personellen Überraschung auszutricksen. Es wird mit Garantie ein Spiel auf höchstem taktischen Niveau.

Erstellt: 05.08.2011, 12:41 Uhr

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