Das kann nur der Anfang sein

Die Trennung von Alex Miescher als Generalsekretär ist der erste Schritt, die Fussballverbandskrise aufzuarbeiten. Aber das reicht nicht.

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Am Ende des Communiqués steht noch: Peter Gilliéron danke Alex Miescher im Namen des Schweizerischen Fussballverbandes für die hohe Professionalität und die sehr gute Zusammenarbeit.

Der Generalsekretär selbst darf in den wenigen Zeilen behaupten: Das sei für ihn ein guter Zeitpunkt, um beruflich neue Wege zu gehen.

Es sind die Worte zum Abschied Mieschers beim SFV, der als Rücktritt angepriesen wird. Der Euphemismus soll es Miescher erlauben, öffentlich das Gesicht einigermassen zu wahren und nicht als entlassen dazustehen. In Wahrheit ist er zu seinem Entscheid gedrängt worden.

Das forsche Doppelbürger-Interview

Es ist das abrupte Ende einer Funktionärslaufbahn beim SFV, die am 1. Dezember 2009 begann. Miescher kam als früherer Militärberufspilot und als früherer Captain der Nationalmannschaft im Schwimmen, der drei Jahre lang auch Direktor des Schwimmverbandes war. Im Fussball war der FDP-Lokalpolitiker im Gemeinderat von Biberist der Unbekannte. Als Generalsekretär folgte er auf Peter Gilliéron, der die Wahl zum Verbandspräsidenten geschafft hatte.

Miescher, gross gewachsen, auch mit 49 noch von sportlicher Statur, fehlte es nie an selbstbewusstem Auftreten. Ihm gefiel die Rolle des Repräsentanten des Schweizer Fussballs. Er konnte reden, er tat es gut und gerne. Nur einmal tat er es zu forsch: Das Interview, das am 6. Juli, drei Tage nach dem Ausscheiden der Schweizer an der WM, in dieser Zeitung und der NZZ erschien, das hat ihn schliesslich den Job gekostet.

Er wollte es geben und schickte dafür den Medienchef vor, um Interviewpartner zu organisieren. Miescher thematisierte darin etwas, was ihn schon länger beschäftigt hat, und brachte es in einer Frage auf den Punkt: «Wollen wir Doppelbürger?» Er löste damit einen Sturm aus, von dem sich der ganze Verband bis heute nicht erholt hat. Sein Abschied verhindert nun wenigstens beim nächsten Zusammenzug des Nationalteams am 3. September eine schwierige Konfrontation zwischen ihm und Spielern wie Granit Xhaka, für die seine Aussagen schwer verdaulich waren.

Aber mit der Trennung von ihm ist nichts wirklich vorbei, nichts ausgestanden. Sie ist nur ein Schritt auf dem langen Weg, wieder zur Ruhe zu finden, zur Glaubwürdigkeit. Es braucht mehr, damit der Verband wieder ernst genommen wird. Es geht um weitere Namen: um Gilliéron, um Claudio Sulser, Vladimir Petkovic und Marco von Ah.

Heusler als möglichen Nachfolger

Alle haben sie mit ihren Fehlhandlungen und ihrem Fehlverhalten zu dieser Situation beigetragen. Gilliéron, indem er den Verband nicht richtig geführt hat; Sulser, indem er als Delegierter des Nationalteams den Coach nicht unter Kontrolle gebracht hat; Petkovic, indem er sich jeder Führung verweigert hat; und Von Ah, indem er unter anderem und ebenso wie Gilliéron die Sprengkraft von Mieschers Interview nicht erkannte und es durchgehen liess.

Gilliéron ist bis 2019 im Amt gewählt. 66 wird er dann, es wäre ein gutes Alter, um einem Nachfolger Platz zu machen. Vielleicht kommt er selbst zu dieser Erkenntnis. Zur Bilanz seiner gesamten Arbeit als Generalsekretär und als Präsident gehören neun Teilnahmen an WM- und EM-Endrunden, zu seinem Erbe gehört diese aktuelle Krise, wie sie der Verband noch nie erlebt hat.

Dass Bernhard Heusler nun als möglicher Nachfolger genannt wird, liegt nahe. Heusler, derzeit selbst Mitglied des Zentralvorstandes, wäre nach seinen langen erfolgreichen Jahren beim FC Basel prädestiniert für das Amt. Wie Kommunikation funktioniert, besonders in der Krise, gerade das braucht ihm keiner zu erklären.

Sulser kriegt eine zweite Chance, sich als Delegierter zu bewähren. Die ersten zwei Jahre als Nachfolger von Peter Stadelmann hat er lediglich genutzt, um eine Nähe zu Petkovic aufzubauen. Aber er hat sie nicht genutzt, um eine kritische sportliche Analyse zu betreiben und Petkovic so weit zu kontrollieren, dass der ihn zum Beispiel darüber informiert, wenn er mit einem Spieler wie Valon Behrami Fragen zur Zukunft bespricht. Sulser muss sich ändern, sein Problem ist, dass er von Spielern und Staff-Mitgliedern offenbar als Gesprächspartner nicht richtig ernst genommen wird.

Petkovic ist der Nächste im Umzug der Schuldigen. Wie unbedarft seine Kommunikation ist, hat sich am Montag im Fall Behrami gezeigt. Welch ein Herrenleben er führt, ist jetzt wieder klar geworden. So wie Sulser Führungsstärke zeigen soll, so muss Petkovic die Bereitschaft zeigen, sich führen zu lassen. Bleibt er stur und weiterhin beratungsresistent, ist das schlecht für ihn. Der Verband ist gut beraten, in diesem Punkt nicht mehr lange zuzuschauen. Es gibt eine Handvoll Spieler, die sich aufmüpfig gibt und genug hat von Petkovics sauertöpfischer Art abseits des Platzes. Mit Miescher ist nun der einzige Mann weg, der bisher gewagt hat, dem Trainer auch einmal zu widersprechen.

Von Ah mag das kleinste Rädchen sein. Aber er ist nicht das unwichtigste, weil alles, was in den letzten Wochen schief gelaufen und schlecht gewesen ist, unter Öffentlichkeitsarbeit läuft. Dafür ist er als Leiter Kommunikation und Medien zuständig. Dass er vorderhand weitermachen darf, gefällt im Verbandshaus in Muri BE nicht allen.

Erstellt: 10.08.2018, 16:06 Uhr

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