Barcelona musste gleich dreimal bei ihr anfragen

Spektakulärer Wechsel: Ana Maria Crnogorcevic erzählt, wie der Transfer zum FC Barcelona ablief – und wieso sie sich wohl ein neues Hobby suchen muss.

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Da steht sie also, mit breitem Grinsen im Gesicht, der Daumen ist nach oben gestreckt. Direkt dahinter: Das Logo des FC Barcelona. Ana Maria Crnogorcevic lächelt in die Kamera – so, wie es vor ihr schon zahlreiche grosse Fussballerinnen und Fussballer taten. Beispielsweise Lieke Martens, Weltfussballerin 2017. Oder Diego Armando Maradona. Oder Johan Cruyff. Oder Ronaldinho. Seit Mittwoch hat die Rekordtorschützin des Schweizer Nationalteams mit all diesen Grössen des Sports etwas gemeinsam: das Barça-Shirt zu tragen.

Ein spektakulärer Wechsel – für viele, ausser Crnogorcevic selber: «Für mich kam der Transfer nicht so überraschend.» Der Champions-League-Finalist vom Vorjahr hatte sich schon länger um Crnogorcevic bemüht, die erste Kontaktaufnahme ist rund ein Jahr her. Schon damals hätte sie im Januar wechseln sollen, da war die 29-Jährige allerdings noch bei Portland unter Vertrag. Dann versuchten es die Katalanen im Sommer nochmals, wieder erfolglos. Doch als Crnogorcevics Engagement in den USA diesen Oktober schliesslich endete, war der Zeitpunkt gekommen. Und die Chemie mit Sportdirektor Markel Zubizarreta, Sohn des legendären Barça-Goalies Andoni, stimmte sofort. Gewohnt nüchtern sagt sie dazu: «Sehr schön, dass das jetzt geklappt hat.»

«Die Trainingsanlage ist riesig, ich habe noch längst nicht alles gesehen.»
Ana Maria Crnogorcevic

Also flog die 29-jährige Berner Oberländerin am Dienstagabend in die katalanische Metropole und durchlief am Mittwoch den medizinischen Check, der einen Marathon von acht Untersuchungen beinhaltete. Ohnehin ist bei Barça alles grösser, als es Crnogorcevic kennt: «Die Trainingsanlage ist riesig, ich habe noch längst nicht alles gesehen.» In der Ciutat Esportiva Joan Gamper, benannt nach dem Schweizer Vereinsgründer Hans Gamper, trainiert auch das Männerteam um Superstar Lionel Messi. Sehr wahrscheinlich, dass sich da die Wege mal kreuzen werden.

Ob sie sich dann mit dem Argentinier unterhalten kann? «Muy bien», sei ihr Spanisch, sagt Crnogorcevic und lacht: «Es ist eine der Sprachen, die ich kaum spreche.» Der Verein stellt ihr allerdings einen Sprachlehrer zur Verfügung. Zwei bis drei Lektionen von je anderthalb Stunden wird sie pro Woche in den Unterricht gehen. So bleibt auch weniger Zeit, ihr grosses Hobby, das sie in den USA entdeckt hat, zu vermissen: das Töpfern. Ohnehin will sie sich zuerst richtig einleben: «Dann gibt es vielleicht doch eine Möglichkeit – oder ich muss mir etwas anderes suchen.» Sehr wahrscheinlich hat sie dafür in Barcelona genug Zeit, denn obwohl der Vertrag offiziell bis Saisonende läuft, dürfte die Champions-League-Siegerin von 2015 länger bleiben – beide Seiten haben eine Option auf Verlängerung bis Sommer 2021.


Video: Schweiz gegen die USA – Crnogorcevic verrät, wer sich wo besser schlägt

(Video: Fabian Sanginés)


Bei den Männern das Höchste, bei den Frauen mit Potenzial

Zumindest Crnogorcevic scheint nicht schnellstmöglich wieder weg zu wollen. Zu sehr schwärmt sie von den neuen Dimensionen bei Barça. Nicht einmal so sehr aus sportlicher Sicht, denn immerhin spielte sie einst beim FFC Frankfurt, damals eines der besten Teams Europas. Davon sind sie bei Barça noch ein Stück weit entfernt, auch wenn die Katalaninnen im Vorjahr den Champions-League-Final erreichten. Doch in den nächsten Jahren soll der Rückstand ganz nach oben, den die 1:4-Niederlage gegen Lyon aufzeigte, geschlossen werden. Auch in Sachen Zuschauer kann die Frauenabteilung des FC Barcelona noch zulegen: Ins Estadi Johan Cruyff passen 6000 Leute, ausverkauft ist aber selbst dieses Kleinstadion nur selten.

Aber es ist die Ausstrahlung des Vereins, der über allem steht, was sie in ihrer Karriere erlebt hat. War für sie schon der Hamburger SV eine grosse Nummer, von 2009 bis 2011 ihr erster Verein im Ausland, so ist Barcelona noch einmal um einiges grösser. «Im Männerfussball ist Barça natürlich das Höchste», sagt sie, was erklärt, dass sie jetzt viel mehr Nachrichten von Freunden und Bekannten erhält als bei ihren vorherigen Wechseln.

Weil das Transferfenster geschlossen ist, darf die Thunerin erst im Januar für Barça spielen, deshalb hat sie jetzt noch ein paar freie Tage, ehe sie am Dienstag erstmals mit ihren neuen Teamkolleginnen trainiert. Spätestens dann wird es für sie real: Sie trägt das gleiche Trikot wie einst Maradona, Cruyff und Ronaldinho.


Dritte Halbzeit – der Tamedia Fussball-Podcast

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Erstellt: 06.12.2019, 12:01 Uhr

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