Basels alter neuer Massstab

Der Erfolg gegen Liverpool zeigt, was im FCB steckt. Egal, wer gerade der Trainer ist.

Erfolgreicher FCB: Die Mannschaft bedankt sich nach dem Sieg über Liverpool bei ihren Fans. Foto: Keystone

Erfolgreicher FCB: Die Mannschaft bedankt sich nach dem Sieg über Liverpool bei ihren Fans. Foto: Keystone

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Georg Heitz sitzt auch an diesem Abend da, wo er bei Heimspielen immer sitzt. Auf der Pressetribüne, neben dem immer gleichen Stumpen rauchenden Alt- Journalisten. Basels Sportchef ist angespannt, natürlich, es geht auch um ein bedeutungsvolles Spiel in der Champions League. Die Gefühle unterdrückt er, nur einmal zuckt er kurz hoch und klatscht mit seinem Nachbarn ab.

Das macht er bei einem dieser ­Momente, die in der Schweiz nirgends intensiver sind als an einem Europacup­abend in Basel, als gegen eine grosse Mannschaft, besser: gegen eine Mannschaft mit grossem Namen, als gegen einen Gast aus England. Es ist ein Gefühlsausbruch von 36'000 mehrheitlich Basler Zuschauern, als wäre der St. Jakob-Park schon fast der Celtic Park in Glasgow. Marco Streller redet von einer «Explosion»: auf den Rängen, aber auch bei ihm.

Er ist verantwortlich dafür mit seinem Tor in der 52. Minute, das Heitz kurz zucken lässt und dem FCB schliesslich einen weiteren beachtenswerten Triumph einträgt. Im Stil des Torjägers trifft der 33-Jährige aus drei Metern. Und er stellt das 1:0 in einen grösseren Zusammenhang, bei dem auch der Trainer eine Rolle spielt.

Paulo Sousa ist dieser Trainer, dem schon recht am Zeug geflickt worden ist. Mit seinen Rotationen hat er selbst dazu beigetragen, mit seiner Politik, das Team unter der Woche abzuschotten und Interviews zu reglementieren, mit seinen Ansichten von Fussball, die wegen seiner zuweilen ziemlich ausschweifenden und belanglosen Ausführungen nur schwer verständlich sind. Er tüftelt auch gegen Liverpool an der Aufstellung herum, wechselt mutig, als er den früh verletzten Linksverteidiger ­Safari (Muskelfaserriss) durch den rechten Flügelstürmer Gonzalez ersetzt. Und gewinnt.

«Das hilft uns und dem Trainer», sagt Streller deshalb. Er weiss, solche Siege können von dauerhafter Wirkung sein. Eine Garantie dafür gibt es aber nicht. Und gegen englische Mannschaften hat, angefangen bei den Zeiten unter Christian Gross, noch jeder Basler Trainer seine herausragenden Resultate erzielt, auch Thorsten Fink, Heiko Vogel und erst recht Murat Yakin. Sousa hat mit diesem 1:0 also noch nichts Besonderes erreicht.

Rasgrad, die Gefahr

Die Bewährungsproben werden Sousa und die Spieler erst noch bestehen müssen. Und sie kommen schnell. Da ist zum Beispiel der tückische Gang schon am Samstag nach St. Gallen. Oder da sind am 22. Oktober und 4. November in der Champions League die beiden nächsten Spiele gegen Ludogorez Rasgrad. Die Bulgaren tönen nicht nach Liverpool und sind nicht Liverpool, aber sie denken auch nicht wie Liverpool, das sich am Mittwoch nicht vom Eindruck frei machen kann, die Aufgabe nicht hundertprozentig ernst genommen zu haben und deshalb schwer enttäuschen.

«Ich weiss nicht, ob es so gewesen ist», sagt Fabian Frei, «und wenn, dann ist mir das egal.» Dafür ist er gewarnt, wenn es um Rasgrad geht. Denn da denkt er sofort an Steaua Bukarest. Das war ein Gegner ähnlichen Kalibers vor einem Jahr, als der FCB gegen Chelsea zweimal gewann, gegen die Rumänen aber zweimal nur 1:1 spielte und deshalb die Achtelfinals verpasste. Frei hofft deshalb auf einen Lerneffekt und gibt als Motto schon einmal aus: «Wir müssen cool bleiben.»

Der FCB zeigt am Mittwoch wieder einmal, was ihm international zuzutrauen ist. Und bestätigt zugleich, dass es eben doch noch immer etwas anderes ist, gegen Liverpool zu spielen als gegen Vaduz oder Thun, die vor den Engländern im St. Jakob-Park vorbeischauten und einen schlecht disponierten Favoriten schlecht aussehen liessen. Gegen ­Liverpool kämpft der FCB bis zum Letzten und arbeitet sich nahezu ohne Durchhänger durchs Spiel. Frei sagt jetzt: «Das wird unser Massstab sein.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.10.2014, 21:41 Uhr

FCB: Verfahren eröffnet

Die Uefa hat gegen den FC Basel ein Disziplinarverfahren eingeleitet. In der 26. Minute landete ein Gegenstand aus den Basler Fanreihen auf dem Spielfeld. Es soll sich um eine Batterie handeln, was die Uefa aber nicht bestätigte. Die Disziplinarkommission wird sich am 16. Oktober mit dem Fall beschäftigen. Seit den Ausschreitungen der Fans vor einem halben Jahr in Salzburg ist der FC Basel mit einem «Geisterspiel» auf Bewährung belegt. (Si)

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