«Bayern wird Meister, Dortmund gewinnt die Champions League»

Der frühere Basel-Trainer Thorsten Fink hat den Hamburger SV wieder auf Kurs gebracht. Er spricht über Ziele, seinen Ex-Club, Dortmund, die Bayern, Shaqiri und Xhaka.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Thorsten Fink, Sie haben aus dem Abstiegskandidaten HSV eine konkurrenzfähige Mannschaft geformt. Wie ist Ihnen das gelungen?
Wir haben uns, unter anderem mit dem holländischen Nationalspieler Rafael van der Vaart, gezielt verstärkt. Wir haben viel und hart gearbeitet. Die Mannschaft setzt meine Ideen und meine Philosophie inzwischen hervorragend um. Ich bin mit der Entwicklung sehr zufrieden. Es kommt gar nicht darauf an, ob man immer die Spiele gewinnt. Wichtig ist für mich einzig die Art und Weise, wie wir Fussball spielen.

Sie haben mit Ihrem Team Meister Dortmund in dieser Saison bereits zwei herbe Niederlagen zugefügt.
Man darf dabei nicht vergessen, dass wir gegen den amtierenden Meister beim 3:2 zu Hause und beim 4:1 am Samstag in Dortmund insgesamt sieben Tore erzielt haben.

Wie war das möglich?
Wir haben frech und mutig nach vorne gespielt. Das entspricht meiner Philosophie und meiner Auffassung von modernem Fussball. Die Dortmunder waren richtiggehend perplex, dass wir in ihrem eigenen Stadion so couragiert aufgetreten sind. Das hat sie aus dem Konzept gebracht. Sie wurden nervös und haben dann jene Fehler gemacht, die wir mit unserem aggressiven Spiel provozieren.

Dortmunds Torjäger Lewandowski wird mit den Bayern in Verbindung gebracht. Denken Sie, dass diese Spekulationen den BVB etwas destabilisiert haben?
Nein, überhaupt nicht. Lewandowski hat trotz seines Platzverweises ein gutes Spiel gemacht und Dortmund prompt mit 1:0 in Führung gebracht. Wie gesagt, wir haben nicht mehr zugelassen und wirklich sehr gut gespielt.

Sie sind in Dortmund geboren. Wie fühlt man sich als waschechter Dortmunder, wenn man dem BVB möglicherweise den Titel vermiest hat? Gab es Reaktionen?
Natürlich habe ich viele Freunde in Dortmund, die sich gemeldet haben. Doch alle meine Freunde fühlen, leiden und freuen sich mit mir, auch wenn ich mit dem HSV gegen Dortmund gewinne.

Sie haben den Bayern im Titelrennen mit den zwei Siegen über Dortmund Schützenhilfe geleistet. Als ehemaliger Spieler der Bayern haben Sie sicherlich Komplimente und ein Dankeschön aus München erhalten?
Nein, da hat sich keiner gemeldet. Damit habe ich aber auch nicht gerechnet. Die Bayern sind sich in diesem Jahr absolut sicher, dass sie auch ohne unsere Schützenhilfe die Meisterschaft holen. Sie sind extrem selbstbewusst und treten auch so dominant auf.

Für Sie ist die Meisterschaft in der Bundesliga also gelaufen?
Die Münchner haben 15 Punkte Vorsprung, Es wäre fatal, wenn sie den Titel jetzt noch aus der Hand geben würden. Nein, das wird nicht passieren.

Die Bayern haben in der letzten Saison sämtliche Titel verspielt. Was läuft jetzt besser?
Sie haben sich in der Breite klug verstärkt. Obwohl im Kader viele hochkarätige Internationale aus verschiedenen Nationen stehen, funktioniert das Teamwork hervorragend. Das ist das grosse Verdienst von Trainer Jupp Heynckes, dessen System perfekt zu den Spielern passt.

Was ist für den HSV in dieser Saison noch möglich?
Wir dürfen nicht, wie in der letzten Saison, etwas mit dem Abstieg zu tun haben. Wir wollen uns im Mittelfeld etablieren und uns letztendlich unter den Top 10 klassieren.

Was trauen Sie den Bayern, Dortmund und Schalke in der Champions League zu?
Die Dortmunder sind für mich der Topfavorit schlechthin auf den Titel in der Königsklasse. Die Mannschaft hat enormes Potenzial. Natürlich haben die Dortmunder mit Barcelona und den Bayern zwei grosse Konkurrenten. Trotzdem sagt mir mein Gefühl, dass Dortmund die Champions League gewinnt.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung von Xherdan Shaqiri bei den Bayern?
Dass er sich gleich in seinem ersten halben Jahr so schnell und nahtlos einfügt, hätte ich nicht unbedingt erwartet. Er ist unbekümmert, frech, fröhlich, mutig und versprüht Spass. Das kommt in München gut an. Aber er muss dranbleiben. Wer sich bei den Bayern durchsetzen will, muss auch gegen die ganz grossen Stars ankämpfen. Sonst geht er unter.

Xherdan Shaqiri und Granit Xhaka waren Ihre Entdeckungen beim FC Basel. Sie haben die beiden zu Nationalspielern geformt. Doch Xhaka konnte sich bisher bei Borussia Mönchengladbach nicht durchsetzen. Spielt er in Ihren Überlegungen erneut eine Rolle?
Ich hätte Xhaka gerne in meiner Mannschaft gesehen. Doch er hat sich anders entschieden, und das muss man akzeptieren. Zurzeit haben wir auf dieser Position keinen Handlungsbedarf.

Xhaka ist für Sie also definitiv kein Thema mehr.
Das würde ich nicht so sagen. Vielleicht gibt es auf dieser Position bei uns wieder einmal Handlungsbedarf. Dann müsste man die Situation neu überdenken und beurteilen.

Was würden Sie Granit Xhaka raten?
Er muss seinen Weg konsequent weitergehen und hart an sich arbeiten. Er muss den Widerständen trotzen und standhalten. Nur das bringt ihn in seiner Entwicklung letztendlich weiter. Er hat grosse Qualitäten. Und diese werden sich zwangsläufig auch in der Bundesliga durchsetzen.

Verfolgen Sie den Schweizer Fussball überhaupt noch?
Selbstverständlich. Ich war am Sonntag bei Freunden, die das Spiel zwischen Basel und Sion am Fernseher empfangen konnten.

Wie lautet Ihr Kommentar?
Für das erste Spiel nach der langen Winterpause war die Partie echt gut.

Was hat Ihnen gefehlt?
Vom Tempo her hätte es etwas besser laufen können. Doch der FC Basel hat letztendlich verdient gewonnen. Das hat mich sehr gefreut. Ich freue mich übrigens immer, wenn der FC Basel erfolgreich ist.

Haben Sie noch Kontakt zu ihrem ehemaligen Assistenztrainer Heiko Vogel, der vor seiner Entlassung Ihr Nachfolger beim FC Basel war?
Nein, wir haben zurzeit keinen Kontakt. Aber ich habe hier in Hamburg auch enorm viel zu tun. Im Leben kommt es halt auch mal vor, dass sich die Wege trennen.

Erstellt: 12.02.2013, 12:02 Uhr

Artikel zum Thema

Fink und der HSV in ungeahnten Höhen

Der Hamburger SV geht in Augsburg als glücklicher Sieger vom Platz. Dank des 2:0-Erfolgs klettert die Mannschaft von Trainer Thorsten Fink vorerst auf den 4. Platz. Mehr...

News & Gerüchte: Xhakas Problem mit Favre

Die Fussball-Kurznews vom 6. November: +++ Fink begnadigt prügelnden Profi +++ Malaga und Porto reicht ein Punkt +++ Elfmeterpunkt-Dieb verklagt +++ Mehr...

Favres harter Kurs mit Xhaka bringt Hitzfeld in Not

Analyse Die Aktien des Baslers Granit Xhaka befinden sich in Deutschland weiter im Sinkflug. Hat er in Mönchengladbach trotz Vertrag bis 2017 überhaupt noch eine Chance? Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blogs

Geldblog So geht Altersvorsorge für Selbstständige

Mamablog Haben Sie Ihr Kleinkind aufgeklärt?

Die Welt in Bildern

Animalische Athletik: Ein Tiertrainer im Zoo von Sanaa, Jemen, reizt eine Löwin so sehr, dass sie wortwörtlich die Wände hochgeht. (Januar 2020)
(Bild: Mohamed al-Sayaghi) Mehr...