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«Bayerns Provokationen machen Dortmund nur noch aggressiver»

Am 25. Mai steigt in London der Final der Champions League zwischen Bayern München und Borussia Dortmund. Zwischen den Clubs herrscht bereits eine giftige Atmosphäre.

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Die Initialzündung für den aggressiven Ton war die Bekanntgabe des Millionen-Transfers von Mario Götze. Der 20-jährige deutsche Nationalspieler macht von einer Ausstiegsklausel in seinem Vertrag Gebrauch und wechselt für 37 Millionen Euro von Dortmund zu den Bayern. Die Dortmunder Chefetage ist darüber erbost, weil sie von der Meldung auf dem linken Fuss erwischt und von den Bayern nicht vorinformiert wurde. Deshalb liess BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke am vergangenen Samstag das traditionelle Mittagessen vor den Spielen zwischen Dortmund und Bayern platzen. «Es hätte schon viel früher Redebedarf gegeben», begründete er die Absage an den Gast aus München.

Dortmund streicht die Ausstiegsklauseln

Dortmund hat offenbar seine Lektion aus dem Fall Mario Götze gelernt und zieht die Konsequenzen. Watzke kündigte bereits an, dass in Zukunft in den Verträgen der Spieler keine Ausstiegsklauseln mehr möglich sind. Aber weshalb hat Götze in seinem neuen Vertrag überhaupt eine Ausstiegsklausel erhalten? Watzke erklärt: «Hätten wir Mario Götze keine Ausstiegsklausel erlaubt, hätte er seinen Vertrag nicht verlängert und wäre für weniger oder zum Nulltarif gegangen.» Die Erfolge der letzten Jahre führten jetzt aber dazu, dass sich der Club nicht mehr kleinreden müsse. «Nach zwei Meisterschaften, einem Double und dem Erreichen des Champions-League-Endspiels haben wir als Borussia Dortmund jetzt einen Status, dass wir von jedem Spieler erwarten, sich ohne Wenn und Aber an diesen Club zu binden.»

Wie auch immer: Das Endspiel der Champions League ist schon voll lanciert. Am vergangenen Samstag wäre es fast zur ersten Eskalation gekommen. Nach dem Platzverweis gegen Bayerns Brasilianer Rafinha, der eine Tätlichkeit begangen hatte, gerieten sich Dortmunds Trainer Jürgen Klopp und Bayern-Sportdirektor Matthias Sammer in die Haare. Es kam Nase an Nase zu einem heftigen Disput, den Sammer ausgelöst hatte. Die beiden Hitzköpfe versuchten im Nachhinein den Zwischenfall zwar herunterzuspielen, aber vergessen ist er ganz bestimmt nicht.

Die Bayern machen sich keinen Gefallen

Bayerns Präsident Uli Hoeness, zurzeit in eine Steueraffäre verwickelt, ist für seine Provokationen bekannt. Vor der Auslosung für die Halbfinals der Champions League wünschte er sich Borussia Dortmund, weil der BVB nicht so stark sei wie Real Madrid oder Barcelona. Hoeness stichelte: «Wir wollen ins Endspiel und Dortmund wäre der Gegner, gegen den wir die meisten Chancen hätten.» In der «Welt» konterte Watzke: «Die vergangenen Jahre haben ja gezeigt, dass wir gegen die Münchner durchaus das eine oder andere Spiel gewinnen können. Da sollte sich Uli Hoeness also nicht zu sicher fühlen», sagte er.

«Das könnte sich für die Bayern als kontraproduktiv erweisen»

«Ich befürchte, die Bayern machen sich im Hinblick auf den Champions-League-Final keinen Gefallen, wenn sie die Dortmunder provozieren. Jegliche Provokationen könnten sich für die Münchner als kontraproduktiv erweisen. Sie machen den BVB nur noch heisser und aggressiver. Dass Dortmunds Trainer Jürgen Klopp ein Motivationskünstler ist, sollte eigentlich auch in München bekannt sein», sagt Deutschland-Kenner Jörg Stiel gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Dortmund sei nach der verpassten Titelverteidigung und dem Ausscheiden aus dem Pokal schon genug gereizt.

Der ehemalige Torhüter und Captain von Borussia Mönchengladbach glaubt, dass es bis zum Endspiel durchaus zu weiteren Provokationen kommen könnte. «Klappern gehört zum Handwerk», bemüht Stiel ein altes deutsches Sprichwort. «Auch die Medien, vor allem der Boulevard, werden dafür sorgen, dass bis zum Endspiel noch manche Schlagzeile geliefert wird. Die kleinste Story wird aufgeblasen, ausgeschlachtet und zu einem Reizthema gemacht. Auch Dortmunds Stürmer Robert Lewandowski werde vor dem Endspiel mit Garantie noch einmal mit den Bayern in Verbindung gebracht. «Ich kann mir gut vorstellen, dass es in dieser vergifteten Atmosphäre zu weiteren Spannungen kommt.»

«Die Deutschen interessiert nur das Endspiel»

Im Übrigen denkt Stiel, dass das Endspiel im Londoner Wembley zwischen den beiden deutschen Clubs generell das Hauptthema in Deutschland sei. «Die Steueraffäre um Uli Hoeness, Plagiatsvorwürfe, an wen sie auch immer gerichtet sind, die Wirtschaftskrise und andere Geschichten sind zurzeit in Deutschland nicht das Hauptthema. Die Menschen sprechen vorwiegend von Dortmund und Bayern. Alles andere rückt in den Hintergrund.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.05.2013, 11:30 Uhr

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