Bilbao kann sein Geld nicht ausgeben

Die Basken haben viel Geld und sind abstiegsbedroht, aber ihre Clubphilosophie verbietet Transfers im grossen Stil.

Ist ein Stück Identität im Baskenland: Athletic Bilbao.

Ist ein Stück Identität im Baskenland: Athletic Bilbao. Bild: Keystone

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Athletic Bilbao hat ein sonderbares Problem. Der Club hat sehr, sehr viel Geld auf dem Bankkonto, kann es aber nicht auf dem Transfermarkt einsetzen. Die Basken spielen eine kümmerliche Saison mit bereits dem zweiten Trainer, sie sind Siebzehnter, zwei Punkte trennen sie vom Abstiegsplatz, auf dem Konto liegen rund 200 Millionen Euro.

Doch für stärkende Transfers steht Bilbao die Vereinsphilosophie im Weg. Die besagt, dass nur Basken im Club spielen dürfen. Heisst: Die Auswahl an möglichen Verstärkungen ist beschränkt – und die sportliche Zukunft immer mehr ein Risiko.

Bilbao bezahlt die Romantik mit Niederlagen, in dieser Saison mit besonders vielen.

In Bilbao haben die Menschen bislang stets mit Stolz von der regionalen Auswahl gesprochen. Das führt bei den Anhängern zu Sätzen wie «Lieber verliere ich Spiele als unsere Identität». Man bezahlt die Romantik mit Niederlagen, in dieser Saison mit besonders vielen. Ungewohnt für den Traditionsclub, noch nie ist er abgestiegen. Etwas, das in Spanien nur der FC Barcelona und Real Madrid von sich sagen können.

Ungewöhnliche Situationen bedürfen ungewöhnlicher Aktionen. So hat kürzlich Sportchef Rafael Alkorta offiziell die Transferziele benannt: «Wir sind interessiert an Javi Martinez, Ibai Gomez, Ander Herrera, Fernando Llorente.» Alles Basken, alles Abgänge vergangener Jahre. Doch kommen solche Stars zurück in die fussballerische Provinz, in der Europa-League-Spiele und Cupfinals zu den Höhepunkten gehören? Wenigstens Gomez tuts.

Um die Selbstbeschränkung auf dem Transfermarkt zu kompensieren, hat Bilbao in den vergangenen Jahren anderweitig investiert. Die Nachwuchsabteilung und das Scouting gehören zu den besten in Spanien. Zudem hat der Verein, um nicht ganz den Anschluss zu verlieren, aber auch, um nicht als rassistisch zu gelten, die Aufnahmeregeln gelockert, Stück für Stück. Heute gilt: Wer im Baskenland fussballerisch ausgebildet wurde, darffür Athletic spielen, egal welche Nationalität er hat.

Der Grund für den Reichtum

Bilbaos Reichtum hat mit seiner Stellung zu tun, auf dem Transfermarkt, aber auch vor Spaniens Bildschirmen. Nur vier Vereine haben vergangenes Jahr mehr Fernsehgelder bekommen. Die Spiele von Bilbao gehören zu den meistgeschauten im Land, das schlägt sich direkt auf die TV-Einnahmen nieder.

Und da sind die Transfereinnahmen. Der Verein schreibt bei seinen Spielern hohe Ablösesummen in die Verträge – in der Hoffnung, dass sie nie bezahlt werden. Doch manchmal wirkt die Abschreckung nicht, manchmal werden die Summen tatsächlich bezahlt, wie im Sommer beim Abgang von Torhüter Kepa zu Chelsea für 80 Millionen Euro. Wenn ein europäischer Grossclub Interesse zeigt, dann schwinden Loyalität und Prinzipientreue.

Bilbao bekommt viel Geld für seine Fussballer. Doch im Gegenzug muss der Club auch mehr für sie bezahlen. Jeder Verein, der von den Basken wegen eines Spielers angefragt wird, weiss, wie beschränkt deren Möglichkeiten auf dem Transfermarkt sind – und treibt darum den Preis in die Höhe. Zuletzt gesehen beim Transfer von PSG-Spieler Yuri Berchiche. 24 Millionen Euro zahlte Bilbao im Sommer für den Verteidiger, der ein Jahr zuvor noch für 8 Millionen von Sociedad nach Paris wechselte.

Um den Spielern zudem die Versuchung eines Wechsels zu nehmen, überweist der Club überdurchschnittlich hohe Löhne. 4 Millionen Euro betrage der Durchschnittslohn in der ersten Mannschaft, erzählte Josu Urrutia kürzlich der «New York Times». Der Mann war bis Ende 2018 Clubpräsident.

Gute Nachrichten gibt es trotzdem. Der 26-jährige Iker Muniain hat vor Weihnachten verlängert, obwohl sich immer wieder namhafte Vereine für ihn interessieren. In seinem neuen Vertrag gibt es keine festgeschriebene Ablösesumme. Er will bleiben.

Erstellt: 12.01.2019, 10:30 Uhr

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