Blatter reicht Strafanzeige ein

Wegen «möglichen Fehlverhaltens einzelner Personen» im Zusammenhang mit der Vergabe der WM 2018 und 2022 an Russland und Katar hat die Fifa Strafanzeige eingereicht.

Diese Vergabe soll genauer untersucht werden: Fifa-Präsident Sepp Blatter verkündet, dass Katar 2022 die WM austragen wird. (2. Dezember 2010)

Diese Vergabe soll genauer untersucht werden: Fifa-Präsident Sepp Blatter verkündet, dass Katar 2022 die WM austragen wird. (2. Dezember 2010) Bild: Walter Bieri/Keystone

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In der Korruptionsaffäre um die Vergabe der Fussball-WM 2018 und 2022 hat der Weltfussballverband Fifa Strafanzeige bei der Bundesanwaltschaft in Bern erstattet. Die Anzeige richtet sich gegen mögliches Fehlverhalten von Einzelpersonen, wie die Fifa mitteilte. Namen wurden nicht genannt.

Hintergrund ist der Bericht von Fifa-Chefermittler Michael Garcia zur Vergabe der Fussballweltmeisterschaften an Russland 2018 und an Katar 2022 vor vier Jahren. Damals hatte insbesondere die Wahl von Katar überrascht. Das ölreiche Emirat ist weder ein Schwergewicht in der Sportart, noch ist es mit Temperaturen von weit über 40 Grad für ein Turnier im Sommer geeignet.

Aufgrund der wachsenden öffentlichen Kritik beauftragte die Fifa im Jahr 2012 Garcia mit einer Untersuchung zu den Vorwürfen, es könne zu Korruption und Absprachen gekommen sein. Bei der Untersuchung seien Verdachtsmomente aufgetaucht, «dass in einzelnen Fällen internationale Verschiebungen von Vermögenswerten mit Berührungspunkten zur Schweiz stattgefunden haben», hiess in der Fifa-Mitteilung.

Umstrittene Zusammenfassung

Fifa-Ethikrichter Hans-Joachim Eckert hatte am vergangenen Donnerstag seine Zusammenfassung des Garcia-Berichts vorgelegt. Darin hatte er Russland und Katar sowie die sieben unterlegenen Kandidaten vom Vorwurf der Korruption freigesprochen. Garcia kritisierte dies als eine «unvollständige und fehlerhafte Darstellung von Fakten und Schlussfolgerungen» und legte Einspruch ein.

Eckert mahnte in seinem Report allerdings weitere Ermittlungen gegen Einzelpersonen an, der Strafantrag wurde von der Fifa denn auch auf seine Empfehlung gestellt. «Manche dieser Abklärungen kann die Fifa-Ethikkommission selbst vornehmen. Andere wiederum gehören in die Hände der zuständigen Ermittlungsbehörden», sagte Eckert auf der Fifa-Website. Die Bundesanwaltschaft bestätigte auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda, dass sie die Strafanzeige erhalten habe und diese prüfen werde.

Blatter will keine Veröffentlichung des Reports

In einem auf der Fifa-Webseite veröffentlichten Interview stellte auch Verbandspräsident Joseph Blatter fest, «dass die Ethikkommission an gewisse Grenzen stösst. Als Organ einer privaten Körperschaft hat sie nicht dieselben Möglichkeiten wie ein Staatsanwalt.» «Jetzt wird die Angelegenheit zusätzlich noch von unabhängiger staatlicher Seite aus beleuchtet», konstatierte Blatter, der in der Affäre seit Veröffentlichung des Berichts der eigenen Ethikkommission und dem Freispruch für Russland und Katar geschwiegen hatte.

Forderungen nach der Veröffentlichung des ganzen 430 Seiten starken Garcia-Reports wies Blatter zurück: «Ich sage es gerne ein weiteres Mal: Wir haben diesen Punkt juristisch sehr gründlich abgeklärt. Das Ergebnis ist eindeutig: Veröffentlicht die Fifa diesen Bericht, verletzt sie ihr eigenes Verbandsrecht und auch staatliches Recht.» (thu/sda)

Erstellt: 18.11.2014, 17:55 Uhr

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