Blatters heisses Eisen

Die anhaltende Kritik an der WM 2022 in Katar zwingt die Fifa und ihren Präsidenten dazu, ihren Teil der Verantwortung zu übernehmen.

Bald nach Katar: Fifa-Präsident Sepp Blatter.

Bald nach Katar: Fifa-Präsident Sepp Blatter. Bild: Keystone

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Die Mitglieder der Exekutive trafen sich Donnerstag und Freitag zum ersten Mal in diesem Jahr – sie hatten eine lange Agenda abzuarbeiten und viel zu reden. Unter anderem durften sie den Geschäftsbericht für das vergangene Jahr zur Kenntnis nehmen, der Rekordeinnahmen von 1,386 Milliarden Dollar, einen Gewinn von 72 Millionen und Reserven von 1,432 Milliarden ausweist.

An Theo Zwanziger war es, seinen Zwischenbericht zur Situation in Katar, dem Land der WM 2022, vorzustellen. Was Zwanziger, der frühere Präsident des Deutschen Fussballbundes, dabei sagte, passte offenbar ein, zwei Mitgliedern der Exekutive nicht. «Aber sein blaues Auge hat er nicht deshalb», sagt Sepp Blatter später an der Pressekonferenz, «nicht dass Sie meinen, es gebe Schlägereien in der Exekutive.»

«Menschenrechte verbessern»

An Blatters Seite stellt Zwanziger die Fragen gleich selbst: «Was kann man tun, um die Situation der Arbeiter zu verbessern? Was, wenn es um ihre Unterkünfte, Lohnzahlungen, Rechte und die medizinische Versorgung geht?» Er berichtet von seinem Eindruck, dass die Verantwortlichen in Katar erkennen, wie wichtig es sei, die Situation der Arbeiter zu verbessern. Es ist ein Bild, das er sich nur aus der Distanz macht. Um das zu ändern, will er in den nächsten Tagen selbst an den Golf reisen: «Wir müssen uns vor Ort ein Bild machen.»

Die Fifa macht jetzt das, was sie nach den Meldungen vom Tod vieler Arbeiter und von deren unwürdigen Lebensbedingungen in Katar schon länger hätte tun können, aber nicht tat, und was ihr darum im letzten halben Jahr vor allem von Menschenrechtsorganisationen heftige Kritik eingetragen hat. «Wir müssen die Menschenrechte verbessern», sieht Zwanziger ein. Und Blatter berichtet, dass man nun begonnen habe, enger mit den Nichtregierungs- und anderen Organisationen zusammenzuarbeiten, dass man mit ihnen in «einem offenen Dialog» stehe. Vielsagend ist auch die Formulierung, die er für das Thema Katar wählt: Er nennt es «ein heisses Eisen».

Blatter und Zwanziger betonen zwar auch, dass nicht sie, nicht die Fifa, die Verantwortung für das trage, was in Katar passiere. Nicht sie seien dafür politisch oder gewerkschaftlich verantwortlich, sagen sie, das seien die Katarer und die Unternehmen, die da Geld verdienen würden. Der Präsident schiebt nach, was ihm offensichtlich aufstösst: dass in Katar immer nur dann von Problemen geredet werde, wenn es um die Fussball-WM gehe, aber nicht, wenn Tennisturniere, Rad- oder Motorradrennen abgehalten würden. «Und noch etwas», sagt er, «wir beginnen erst jetzt damit, die Stadien zu bauen.» Was er damit festhalten will: Die tödlichen Unfälle habe es auf anderen Baustellen gegeben.

Allerdings tut die Fifa gut daran, in Katar die Macht einzusetzen, die sie besitzt, und die Organisatoren so sehr unter Druck zu setzen, wie vielleicht nur sie es kann. «Wir tragen einen Teil der Verantwortung», erkennt denn auch Blatter. Er will vor der WM in Brasilien selbst noch nach Doha reisen.

Blatters Verweis auf Garcia

Der Präsident wird im Auditorium der Fifa ebenfalls mit den neuesten Verdächtigungen konfrontiert, wonach Katar seine Wahl im Dezember 2010 gekauft habe. Der «Daily Telegraph» schrieb diese Woche, das frühere Exekutivmitglied Jack Warner habe sich und seine Familie mit 2 Millionen Dollar bezahlen lassen, um sich für Katar zu verwenden. Blatter erklärt nur, dass er nichts sagen mag: «Ich habe nicht das Recht und nicht den Willen dazu.»

Vielmehr verweist er auf Michael Garcia. Der Amerikaner soll als Untersuchungsrichter der Ethikkommission allein berechtigt sein, sich dazu zu äussern. Er lässt kurz verlauten: Er habe den Artikel zur Kenntnis genommen und werde angemessene Massnahmen treffen. Garcia ist ohnehin damit beschäftigt, die Umstände der Wahl Katars zu untersuchen. Das tut er seit gut einem Jahr – ohne bislang zu einem offiziellen Ergebnis gekommen zu sein.

Erstellt: 22.03.2014, 15:27 Uhr

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