Bloss nicht abheben

Kevin Rüegg ist ein selbstkritischer Geist beim FCZ – er weiss, was es noch braucht, damit sein Club endlich wieder erfolgreich spielen kann.

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Das Lachen ist zurück. Es ist ein strahlendes, ein breites. Und es zeigt, was ein Sieg bewirken kann. Dieses 1:0 am letzten Sonntag in Genf hat dem ganzen FCZ gutgetan, nach den vielen schlechten Leistungen, nach den Kritiken. Kevin Rüeggs Lachen steht dafür, wie gut es getan hat.

Rüegg kommt vom Training und meldet: Die Stimmung ist wieder gut, «es ist anders», sagt er, und anders heisst: «Es sind mehr Emotionen auf dem Platz, die Mannschaft lebt wieder mehr.»

Es soll jetzt besser werden, nicht nur für ein Spiel, sondern nachhaltig. Am Sonntag haben die Zürcher die grosse Chance, zu zeigen, dass sie «unterbewertet behandelt werden», wie Rüegg es sagt. YB kommt in den Letzigrund. Rüegg glaubt: «Mit der Einstellung wie gegen Servette brauchen wir keine Angst zu haben, egal, wer der Gegner ist.»

Video: FCZ bezwingt Servette

Marchesano erzielt das Tor des Tages. Video: SRF

Gerade das 0:4 vor zehn Tagen in Basel schlug ihnen aufs Gemüt. Rüegg begann für sich zu analysieren, was alles schiefgelaufen war. Er dachte nicht, wer von den Kollegen was falsch gemacht hat. «Es bringt nichts, auf den anderen zu zeigen», sagt er, «man muss sich mit seinen Fehlern beschäftigen. Das Selbstkritische ist sehr wichtig. Ich bin sehr selbstkritisch.»

Frage an Rüegg: Wie sieht die Situation beim FCZ aus? Antwort: «Kritisch.»

Fünfter ist der FCZ, fünf Punkte hinter dem Vierten, er hat nur drei Spiele gewonnen und nur acht Tore erzielt, dafür hat er 18 Tore erhalten, so viele wie keine Mannschaft sonst. «Wir sind noch lange nicht da, wo wir sein wollen», sagt Rüegg, «wir müssen in vielem besser werden.»

Er meint das Fussballerische, aber vor allem den Zusammenhalt. Denn damit beginnt alles, um den Erfolg zu finden. Rüegg denkt, dass sie als Mannschaft «noch mehr zusammenwachsen müssen».

Einbruch in Basel als Weckruf

Nichts geht über den Teamgeist, und das bedeutet: «Dass ich auf dem Platz weiss: Neben mir habe ich einen, der sich für mich einsetzt. Dass ich aufgerüttelt werde, wenn ich einen Fehler gemacht habe.» Rüegg weiss, das alles sollte eigentlich normal sein, aber kann gut sein, dass der FCZ diesen Einbruch in Basel gebraucht hat, um aufzuwachen. Oder wie Rüegg es beschreibt: «eins auf den Deckel». Gegen Servette spürte er den Unterschied zum Spiel beim FCB. Und wenn es so weitergeht, wenn die Spieler weiter solidarisch arbeiten, dann fällt es mit der Zeit leichter, auch gut zu spielen. Ist Rüegg überzeugt.

21 ist er inzwischen, er hat schon viel an Lob gehört auf seinem Weg nach oben. «Schön zu hören», sagt er dazu. Mehr ist das für ihn nicht. Nette Worte gehen bei ihm rechts rein und links raus. Und das hält er bewusst so: «Ich will nicht abheben.»

Das Problem mit dem Knie

Rüegg ist ein Kind der FCZ-Akademie. Mit 18 debütierte er in der Challenge League, ein Jahr später war er Cupsieger und mit 20 bereits Captain. Trainer Ludovic Magnin hatte sich überlegt, wie er ihn mental stärken, wie er ihm Selbstvertrauen vermitteln kann, also machte er ihn nach dem Abgang von Victor Palsson im vergangenen Winter definitiv zum Spielführer.

«Ich war sehr stolz», sagt Rüegg. Der Mann fürs defensive Mittelfeld oder die rechte Abwehrseite hatte in seiner Rolle Unterstützung von Alain Nef oder Yanick Brecher. Trotzdem hatte er es nicht einfach. Der Mannschaft lief es schlecht, und er hatte Probleme mit dem rechten Knie, in dem seit letztem November das Innenband angerissen war, die Verletzung wurde nur konservativ behandelt. Er spielte wieder, aber eigentlich zu früh. Er biss sich durch, schoss gegen Xamax seine ersten Tore in der Meisterschaft, und was für Tore das waren: Sie sicherten dem FCZ ein 2:1 und den Abschied aus dem Abstiegskampf. «Er zeigte, dass er da ist, wenn man ihn braucht», sagt Magnin.

Drei Spiele später war die Saison beendet und Rüeggs Innenband schon zu drei Viertel angerissen, er musste operiert werden und stand vor einem mehrmonatigen Ausfall. Magnin entschied, dass er nicht ohne Captain in die Vorbereitung zur neuen Saison gehen wollte, und ersetzte darum Rüegg durch Brecher. «Kevin weiss auch so, wie sehr ich ihn schätze», sagt Magnin. Der Spieler hat auch ohne Binde seine Rolle in der Mannschaft, er sieht sich «als Bindeglied zwischen Jung und Alt».

Bereit fürs Ausland

Die Operation war für Rüegg nicht der erste Rückschlag. Mit 17, 18 hatte er Rückenprobleme, sie kamen und gingen, trotz vieler Besuche bei Ärzten und Physiotherapeuten fand sich dafür keine Ursache. Erst eine Physiotherapeutin aus seinem Wohnort hat ihm wirklich helfen können. Sie fand heraus, dass er zu wenig Bauchmuskulatur hat und darum verstärkt in ein Hohlkreuz fällt. Noch heute arbeitet er mit ihr zusammen. Das Ergebnis seiner Besuche im Kraftraum ist unübersehbar. Rüegg ist das, was Magnin «Kraftpaket» nennt.

Drei Einsätze hat Rüegg seit der Knieoperation wieder bestritten, 81 sind es total für den FCZ. Mehrheitlich sei er bisher mit sich zufrieden gewesen, sagt er, «das dann schon». Dass er wegen des Knies in seiner Entwicklung stecken geblieben ist, ändert nichts an seinem Ziel. Auch ihn zieht es ins Ausland. Magnin hat keinen Zweifel, dass er das erreichen wird. Nicht unbedingt als Mann fürs Mittelfeld, «dafür fehlt ihm ein Tick Kreativität», sagt Magnin, «aber als Rechtsverteidiger bringt er alles mit». Alles heisst: das Zweikampfverhalten und die Schnelligkeit.

Frage an Rüegg: Was fehlt noch, bis Sie bereit sind fürs Ausland? «Ich fühle mich grundsätzlich bereit», antwortet er. Sein Lieblingsclub ist schon immer Chelsea gewesen.


Dritte Halbzeit – der Tamedia Fussball-Podcast

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Erstellt: 06.10.2019, 10:45 Uhr

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