Constantin bläst nach dem Ausschluss zum Angriff

Die Uefa hiess den Protest von Celtic Glasgow gegen den FC Sion gut – der Walliser Präsident kündigt heftige Reaktionen an.

«Am 15. September spielen wir in Madrid gegen Atlético! Darauf wette ich»: Christian Constantin.

«Am 15. September spielen wir in Madrid gegen Atlético! Darauf wette ich»: Christian Constantin. Bild: Keystone

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Die Sitzung des europäischen Fussballverbandes Uefa war auf 17 Uhr angesetzt, und erwartet wurde allgemein ein langer Abend. In nicht einmal einer Stunde hatte die Disziplinarkommission das Geschäft aber behandelt: Sie hiess den Protest von Celtic Glasgow gegen den FC Sion gut. Das Dreiergremium der Uefa wertete die Playoff-Spiele zur Europa League mit Forfaitsiegen für die Schotten – und verbietet dem Schweizer Cupsieger, ab dem 15. September an der Gruppenphase teilzunehmen, obwohl er sich mit einem 0:0 und einem 3:1 sportlich qualifiziert hatte. Die schriftliche Argumentation wird den Wallisern am Montag zugestellt. Danach bleiben drei Tage Zeit für den Rekurs.

So lange werden die Sittener allerdings nicht benötigen. Präsident Christian Constantin hatte mit dieser Sanktion gerechnet und in den letzten Tagen vorsorglich Massnahmen getroffen, mit denen er den Startplatz in der Europa League zurückerobern will. Kaum hatte er vom Beschluss in Nyon gehört, fuhr er nach Sion, liess sich im Fernsehstudio in die Westschweizer «Tagesschau» zuschalten, um breitflächig eine Antwort auf den Ausschluss zu geben und zu verkünden, dass er alle Mittel einsetzen werde, um das Urteil anzufechten.

Angriff «an vielen Fronten»

Constantin rekurriert bei der Uefa und plant, gleich mehrere Zivilgerichte im Wallis und in der Waadt anzurufen. Er sprach von einer «krassen Ungerechtigkeit», warf der Uefa vor, auf Zeit zu spielen, und versprach: «Ab Montag werden wir an vielen Fronten angreifen.» Und vor allem: «Am 15. September spielen wir in Madrid gegen Atlético! Darauf wette ich.»

Der gestrige Entscheid der Uefa ist aber nur eine Ebene des Falls. Hängig ist der Entscheid des Zivilgerichts von Martigny, dessen Richter am 3. August per superprovisorische Verfügung den Sittener Neuverpflichtungen die Lizenz erteilte. Die Swiss Football League (SFL) und die Fifa nahmen inzwischen dazu Stellung. Der Richter gewährte nun aber den Spielern eine neue Frist von 15 Tagen, um auf die Voten von SFL und Fifa eine Antwort zu geben.

Fifa hat sich eingeschaltet

Parallel befasst sich der Internationale Sportgerichtshof CAS mit der Frage, ob die SFL berechtigt war, Sions neuen Spielern die Lizenzen zu verweigern. Grundlagen, das Verfahren zu beschleunigen, fehlen. Die Liga hat bis zum 20. September Zeit, noch einmal ihre Argumente darzulegen. Das bedeutet: Ein Urteil des CAS ist nicht vor Ende Monat zu erwarten.

Eingeschaltet hat sich bei dieser Behörde inzwischen auch die Fifa. Sie hat beim CAS den Antrag gestellt, sich am Verfahren zu beteiligen, also: aufzeigen zu dürfen, warum der Weltfussballverband Sion mit der Transfersperre bestrafte, dass der Klub sich aber nicht daran gehalten hat.

«Wir müssen ruhig Blut bewahren»

Fast in Vergessenheit geraten sind die Turbulenzen in der Super League. Sion spielte gegen YB unter Protest; Lausanne legte Protest ein, als es Sion empfing. Und Luzern will mit seiner Einsprache bewirken, dass das 1:1 im Tourbillon in einen Forfaitsieg umgewandelt wird. Neu hinzukommen wird nun der Rekurs des FC Sion gegen die von der Liga verweigerte Spielberechtigung für Brian Amofa, der vor ein paar Wochen von Strasbourg übernommen worden war.

In welche Richtung der Fall gehen wird und mit welchen Konsequenzen zu rechnen ist, kann niemand abschätzen. Claudius Schäfer, Verantwortlicher für Recht und Lizenzen der SFL, bemüht sich um Gelassenheit: «Wir müssen ruhig Blut bewahren.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.09.2011, 11:16 Uhr

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