«Danke, Herr Präsident»

Gianni Infantino wird per Applaus im Amt des Fifa-Präsidenten bestätigt. Er nutzt den Kongress, um sich gleich selbst für seine Arbeit zu rühmen.

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«Lassen Sie mich noch eine kleine Geschichte erzählen», sagt Gianni Infantino. Der Kongress der Fifa ist schon zu Ende, und Infantino ist wiedergewählter Präsident, als er sich an den Tag seiner ersten Wahl erinnert, an den 26. Februar 2016. «Der Erste, der mir eine SMS schrieb, war José Mourinho. Danke José.»

Das ist es schon mit der ganzen Geschichte. So lächerlich unbedeutend sie sein mag, sie sagt doch einiges aus über Infantino. Ihm gefällt es, wenn er mit der Nähe zu Legenden des Fussballs kokettieren kann. Mourinho verfolgt diesen Kongress in der ersten Reihe wie andere, die Infantino so gerne als Legenden bezeichnet, wie Capello, Casillas oder Roberto Carlos.

Das wichtigste Traktandum des Tages, an dem alle 211 Nationalverbände in Paris versammelt sind, betrifft die Wahl des Präsidenten. Es ist eigentlich keine Wahl, weil nur Infantino als Kandidat zur Verfügung steht. Er wird mit Applaus im Amt bestätigt, «ich bin geehrt, der Fifa zu dienen», sagt er. Sepp Blatter hätte es nicht schöner sagen können.

Infantino ist unbedrängt von einem Gegner, weil sie sich niemand hervor getraut hat. Das war schon früher so gewesen, als noch Blatter der Oberbefehlshaber der Fifa war. Selbst Michel Platini als damals starker Präsident der Uefa mochte keine Niederlage einstecken, die absehbar war, weil Blatter ganze Kontinente hinter sich hatte und all die vielen kleinen Länder.

Platini, wegen einer umstrittenen Zahlung von 2 Millionen Franken aus Blatters Hand noch bis nächstes Jahr weltweit gesperrt, ist in diesen Tagen aus der Deckung gekommen und hat sich über Infantino geäussert. «Er hat nicht die Legitimation, Fifa-Präsident zu sein», sagte er, «wie kann jemand, der jeden Tag gegen die Fifa spuckte, ihr Präsident sein?» Infantino war Platinis Generalsekretär und schliesslich der grosse Profiteur von der Sperre seines alten Chefs. Nur dank ihr konnte er den Fifa-Thron besteigen.

«Heute redet niemand mehr von Krise»

Infantino nutzt die Pariser Bühne, um die eigenen Verdienste hervorzustreichen. «Vor drei Jahren war die Fifa toxisch, fast kriminell», sagt er, «jetzt ist sie das, was sie sein sollte: eine Organisation, die sich um den Fussball kümmert. Heute redet niemand mehr von Krise.» Er redet von Transparenz in Geldfragen, die früher gefehlt und darum die Krise erst möglich gemacht habe. Dank dieser Transparenz «gibt es keinen Platz mehr für Korruption».

Er rühmt sich, weil die Vergabe der WM 2026 skandalfrei verlaufen sei. «Und wieso? War das nicht die Fifa, die sie vergab? Nein, es war die neue Fifa. Unser Handeln hat Vertrauen in die Fifa zurückgebracht.» So geht das Minute um Minute weiter, er sagt, die Fifa stehe so solide da wie nie, und erwähnt als ein Beispiel die Reserven, die unter ihm von 1,0 auf 2,75 Milliarden Dollar gewachsen sind. Oder die Entwicklungsgelder, die unter ihm von 326 Millionen auf 1,1 Milliarden gestiegen sind. Und als er sich dann auch noch für den wachsenden Frauenanteil in der Organisation gerühmt hat, sagt ihm seine Generalsekretärin Fatma Samoura artig: «Danke, Herr Präsident dafür.» Dabei hat es Infantino geschafft, ihre Rolle viel kleiner zu halten, als es die einstigen Reformen vorgesehen hatten.

Keine drei Stunden dauert der Kongress. Am Ende dankt Infantino nicht nur Mourinho, er erinnert die Delegierten auch ans Wesentliche: «Vergessen Sie den Lunch nicht. Es wird irgendwo sicher Champagner geben.» (ths.)

Erstellt: 05.06.2019, 11:28 Uhr

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