Das Chaos ist vorbestimmt

Was der Videobeweis für die WM in Russland bedeutet – und weshalb Theorie und Realität so verschieden sind.

Ein Freund des Videobeweises: Gianni Infantino, Präsident der Fifa.

Ein Freund des Videobeweises: Gianni Infantino, Präsident der Fifa. Bild: Keystone

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Uefa-Präsident Alexander Ceferin hat sich letzte Woche noch gegen die Einführung des Videobeweises in der Champions League gewehrt. Er sehe noch zu viel Konfusion, sagte er. Die Fifa hat am Samstag wieder einmal bewiesen, dass sie gerne anders denkt als der europäische Verband: Die Regelbehörde Ifab hat beschlossen, den Videobeweis ins Regelwerk aufzunehmen.

Fifa-Präsident Gianni Infantino hat dabei seinen Einfluss geltend gemacht. Das Fifa-Council muss Mitte März der Neuerung zwar noch zustimmen, aber was lehnt der Rat der Jasager schon ab, was sein Chef will? Der Steilpass wird gespielt. An der WM in Russland kommt die Neuerung bereits zum Einsatz.

In der Theorie hat der Videobeweis etwas Gutes, er soll zur Kontrolle bei Toren, Platzverweisen oder Elfmetern führen. In der Theorie macht er den Fussball gerechter. Die Praxis gibt ein anderes Bild wieder. Da mag sich die Fifa noch lange auf eine Studie einer belgischen Universität berufen, wonach dank des Videobeweises nicht mehr 93, sondern gar 98,9 Prozent aller Entscheide der Schiedsrichter richtig gewesen sein sollen. In Deutschland können sie über eine solche Zahl nur die Nase rümpfen. Da sind sie schon zufrieden, dass sieben von zehn Fehlern ausgemerzt werden.

Die deutsche Bundesliga dient eindringlich als Warnung dafür, dass der Videobeweis noch lange kein Allheilmittel ist. Woche für Woche werden darüber heftige Diskussionen geführt, wann er wirklich zur Anwendung kommen soll. Und das in einem Land, das sich ein ganzes Jahr lang darauf vorbereitete. Die Fifa dagegen will es quasi in einem zweimonatigen Crashkurs schaffen, ihren Kontrolleuren das System zu vermitteln, Kontrolleuren, die nicht eine Sprache sprechen, sondern aus der ganzen Welt kommen. Die Fifa testete letzten Sommer beim Confederations-Cup den Video-beweis. Das endete im Chaos. An der WM ist vorbestimmt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.03.2018, 20:37 Uhr

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