Das Geflüster um CR3,5

Real Madrid verliert zum ersten Mal in dieser Saison. Und verhandelt schon die ganz grossen Fragen: Geht Ronaldo zu PSG?

Wird Cristiano Ronaldo der neue Posterboy von PSG? Foto: Keystone

Wird Cristiano Ronaldo der neue Posterboy von PSG? Foto: Keystone

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Eine Niederlage, eine einzige in fünfzehn Pflichtspielen, sollte ja mal drin liegen, selbst bei Real Madrid. Zumal gegen den FC Sevilla, auch nicht eben ein provinzieller Bolzverein, und in dessen ­Stadion, dem gefürchteten und lärmigen Sánchez Pizjuán, wo in dieser Saison schon Barça stürzte. Und sie fiel nicht einmal so deutlich aus, numerisch ­wenigstens: 2:3. In der Liga steht man auf Platz 2, in der Champions League ist man durch. Aber eben, Madrid, das ­Madrid Reals, ist ein unwirtliches Habitat für Verlierer. Niederlagen zehren und nagen immer gleich an der ganzen ­Legende, der Historie, der Glorie. «Man sah es kommen», schreibt die Sport­zeitung «Marca», so etwas wie das Hausorgan der «Blancos», gross über ihre erste Seite. Und auf den hinteren Seiten: «Der totale Ruin.»

Vielleicht einen Ticken übertrieben? Nun, der Unmut gärt schon länger, ­eigentlich seit dem Saisonstart – oder gar schon davor. Als Real Rafa Benítez zum Trainer machte, einen Mann mit dürftigem Ansehen im eigenen Land und wenig Sinn für spielerische Avantgarde, kam es der Anhängerschaft und der geneigten Presse so vor, als bestatte der Club da mutwillig seine eigenen ­Ambitionen. Schon vor dem ersten Spiel kritisierte man ihn als Langweiler, als Programm­direktor ohne Ideen. Und ­tatsächlich tritt Real unter Benítez ­meistens platt auf, vorsichtig bis zum Stillstand, fast ohne Spiel. Etliche Stars bewegen sich auf ungewohnt bescheidenem Leistungsniveau, unter anderen auch Toni Kroos, der sich in den ver­gangenen Jahren der Elogen kaum ­erwehren konnte.

Wenn es bislang dennoch immer ­gerade noch für einen Sieg oder ein ­Unentschieden gereicht hatte, dann gehörte der Dank stets Keylor Navas, dem Torhüter aus Costa Rica, den man im Sommer gerne weggegeben hätte. Nur drei Tore kassierte Navas in zwölf Spielen. Gegen Sevilla stand mal wieder sein Stellvertreter Kiko Casilla im Tor.

Ein schicksalhafter Clásico

Am meisten beunruhigt aber natürlich das Formtief von Cristiano Ronaldo, er leidet an einem Spannungs- und ­Lustabfall der denkwürdigen Sorte. «El Mundo» nennt CR7 schon CR3,5. Der Portugiese erzählt zwar allen, die ihn nach seiner Selbsteinschätzung fragen, dass er sich für den Besten der Welt hält. Nun kam auch noch der Dokumentarfilm über sein Leben in die spanischen Kinos, der den Topos zementiert. Doch irgendwie klingt dieses Geprotze wie Trotz. ­Ronaldo leidet darunter, dass man ihm in Madrid nicht gebührend ­huldigt, nicht so, wie er das für gebührlich hielte.

Und so gibt nun eine Szene zu reden, die sich nach dem Sieg Reals über Paris Saint Germain vor einigen Tagen ­zutrug. Ronaldo näherte sich Laurent Blanc, dem PSG-Trainer, fasste ihn an der Schulter und flüsterte ihm hinter vorgehaltener Hand mindestens zwei kurze Sätze ins Ohr. Der Angeflüsterte lächelte. Zum Gruss tätschelte ­Ronaldo ihm die Wange, die Kameras filmten. Die französische Zeitung «Le Parisien» will erfahren haben, dass Ronaldo Folgendes sagte: «Ihr habt sehr gut gespielt. Ich würde gerne mit Ihnen arbeiten.» Für 100 oder 120 Millionen Euro, so wird spekuliert, wäre ein Transfer möglich. Ronaldo würde am Hof des Emirs aus Katar dann wohl Zlatan Ibrahimovic ersetzen – als Posterboy von PSG. Dementieren mag er nicht.

Es liegt also gerade viel im Ungefähren, in Trümmern, um es mit «Marca» zu sagen. Und in der nächsten Meisterschaftsrunde, am 21. November, steigt der erste Clásico der Saison, Real vs. Barça, Zweiter gegen Erster. Die Katalanen werden wohl wieder ohne Messi antreten müssen, der sich noch immer von seiner Knieverletzung erholt. Doch die Statthalter Neymar und Luis Suárez helfen Barcelona gerade mit vielen Toren über den Phantomschmerz hinweg. Verliert Real, könnte Benítez’ Schicksal schon gezeichnet sein. Nach zwei Niederlagen. Manche sehen es schon kommen.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.11.2015, 18:57 Uhr

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