Das Selbstvertrauen ist zurück

Josip Drmic glaubt auch dank seinem Hoch an eine Überraschung mit Leverkusen bei Atlético Madrid.

Seit der Winterpause kam Josip Drmic in acht von neun Spielen zum Einsatz. Foto: Imago

Seit der Winterpause kam Josip Drmic in acht von neun Spielen zum Einsatz. Foto: Imago

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Die Zahl ist jederzeit abrufbar. Und vermutlich dauert es noch lange, bis aus dem Gedächtnis gelöscht ist, wie das genau war in der ersten Hälfte der Saison 2014/15, dieser missratenen Vorrunde. «292», sagt Josip Drmic und meint damit: die Minuten, in denen er für Bayer Leverkusen zum Einsatz kam. Nur 292 Minuten in 17 Spielen, dazu 3 Tore – das nennt er wahlweise «traurig» oder «frustrierend».

Jetzt ist der Stürmer in ganz anderer Stimmung. Er ist zu einem Faktor im Spiel von Bayer geworden und demonstriert Lust, heute in Madrid gegen den Vorjahresfinalisten der Champions League und spanischen Meister Atlético die angefangene Überraschung zu vollenden. Drmic sagt: «Vor dem Hinspiel habe ich oft gehört, wie stark Atlético ist. Wir haben mit unserem 1:0-Sieg einige Leute verblüfft.»

Als er im vorigen Sommer nach Leverkusen wechselte, kostete Drmic 6,8 Millionen Euro, die Ablöse liess sich mit 17 Toren erklären, die er für Nürnberg in einer Saison erzielt hatte. In ähnlich ­hohem Tempo sollte es auf nächster Stufe weitergehen. Hindernisse erkannte der junge Schweizer mit kroatischen Wurzeln keine, und wenn, dann hielt er sie nicht für unüberwindbar. Das Erlebnis WM in Brasilien habe ihn noch stärker gemacht. So sagte das Drmic ­damals, so fühlte Drmic auch.

«Muss mich nicht verstecken»

Aber eben, es brachen Monate an, in ­denen die Realität eine andere war und sich Drmic bald einmal fragte: «Was mache ich falsch?» Er musste meistens zuschauen, und wenn er glaubte, sich bei einem Einsatz empfohlen zu haben, fand er sich schnell wieder auf der Bank. Im Spätherbst reifte der Entschluss, sich nach einem anderen Club umzusehen. Das konnte nicht weiter verwundern bei dieser Bilanz: 11-mal eingewechselt, 5-mal nicht berücksichtigt, bloss 1-mal durchgespielt. Der HSV bot sich als Ausweg an, und Drmic glaubte, sich dem zu nähern, was er «die beste Lösung für mich» nannte. Aber Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler und Trainer Roger Schmidt winkten ab. Was tun also? ­Bleiben. Und reden. Drmic fasst das so ­zusammen: «Wir sind uns mit Gesprächen entgegengekommen.»

So diplomatisch das tönen mag, für Drmic änderte sich tatsächlich etwas. «Der Trainer schaut mich mit anderen Augen an», sagt er, «er schenkt mir das Vertrauen, das ich lange nicht spürte.» Sein Hauptkonkurrent ist immer noch Stefan Kiessling, der Routinier mit über 330 Bundesligaspielen, aber Drmic scheut sich nicht, sein Selbstbewusstsein offenzulegen: «Ich muss mich nicht verstecken und will irgendwann die Nummer 1 im Angriff sein.»

Die Signale für Petkovic

Für fünf Jahre hat sich der 22-jährige Stürmer mit FCZ-Vergangenheit an Bayer binden lassen, und langsam erreicht er den geplanten Status. Zuletzt hat er beim 4:0 gegen Stuttgart seine Meisterschaftstore 5 und 6 erzielt. Seit der Winterpause kam er in acht von neun Pflichtspielen zum Einsatz, sechsmal davon von Anfang an.

«Je mehr ich spiele, desto besser funktioniert es», sagt er, «jetzt bin ich richtig angekommen.» Das soll auch den Effekt haben, in der Nationalmannschaft einen anderen Stellenwert zu bekommen. Bei 16 Länderspielen und 4 Toren steht er, und wenn er an den 27. März denkt, an die Fortsetzung der EM-Kampagne gegen Estland, sagt er: «Ich habe meine Signale ausgesandt, und der Trainer hat sie sicher registriert.» Heisst: Er hat den Anspruch, Stammspieler in der Mannschaft von Vladimir Petkovic zu werden.

Zuvor aber gibt es in Leverkusen einiges zu erledigen. In der Bundesliga geht es um die direkte Qualifikation für die Champions League. Und eben, die europäische Kampagne in dieser Saison soll nicht heute in Madrid enden. «Wir rechnen uns gute Chancen aus», sagt Drmic, «ein Tor für uns – und Atlético müsste schon drei erzielen, um weiterzukommen.» Tönt wie eine einfache Rechnung. Und drückt vor allem eines aus: Drmic hat sein Selbstbewusstsein wieder­gefunden.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.03.2015, 20:55 Uhr

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