Das grosse Schmeicheln

Ludovic Magnin wird beim FC Zürich als neuer Hoffnungsträger präsentiert. Die Erwartungen an ihn sind respektabel: Er soll die Mannschaft wieder attraktiv spielen lassen und in die Europa League führen.

Ludovic Magnin bei seiner Präsentation als FCZ-Trainer.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Gerade ein Christian Constantin ist Ancillo Canepa noch nicht. Der Walliser kann bei dem Rhythmus, den er bei Trainerwechseln anschlägt, auch für keinen Präsidenten der Massstab sein. Aber immerhin, Canepa hält sich ganz wacker. Mit Ludovic Magnin hat er schon seinen siebten Trainer in gut elf Jahren als Chef des FC Zürich ausgewählt.

Darum sitzt er an einem Tisch in der Saalsporthalle, vor sich ein paar Mikrofone, zur linken Seite Magnin und auch Sportchef Thomas Bickel. Er sagt bald: «Es ist wirklich einfach gewesen, wer Nachfolger von Uli Forte wird.»

So oder ähnlich tönte es schon früher, wenn er einen neuen Trainer hatte. Urs Fischer bezeichnete er 2010 als «besten Personalentscheid meiner Karriere». Der Entscheid für Rolf Fringer fiel ihm «sehr, sehr leicht». Von Sami Hyypiä sagte er im Herbst 2015: «Er weiss, wie man als Spieler Erfolg hat.» Dummerweise wusste der Finne nur nicht, wie man als Trainer Erfolg hat. Oder den Namen von Uli Forte hatte Canepa «sofort im Kopf», als es im Mai 2016 darum ging, für den Abstiegskampf einen Nothelfer zu finden.

Und jetzt sagt er über Magnin: «Es ist ein Glück für den FC Zürich, dass wir in Ludovic Magnin einen ausgewiesenen Fachmann, einen Trainer mit sehr grossem Potenzial bei uns haben.»

Entwicklung, Entwicklung . . .

Es liegt in der Natur der Sache und Veranstaltung, dass dem Neuen geschmeichelt wird. Das Vertrauen und Zutrauen in Magnin ist beim FCZ so gross, dass er als Neuling in der Super League gleich einen Vertrag bis Juni 2020 erhalten hat. Ein Wort steht bei seiner Präsentation im Zentrum: Entwicklung.

Magnin soll die Mannschaft weiterentwickeln, technisch und taktisch, «er soll jeden einzelnen weiterentwickeln, und zwar alle 25», betont Canepa (womit er die über 36-Jährigen Nef und Vanins eigentlich auch meinen müsste). Bickel ist da etwas bescheidener: «Wir erwarten, dass er die Jungen entwickelt.» Die Botschaft ist klar: Alles, was Forte nicht schaffte, soll Magnin korrigieren.

Präsident und Sportchef hatten mit Forte über den Mangel an Fortschritten bei der Mannschaft, den sie diagnostizierten, immer wieder geredet. Sie taten das auch in der Vorbereitung auf die zweite Saisonhälfte in der Hoffnung, dass die Spieler technisch-taktisch weiterkommen und dass Junge eine Chance erhalten. Sie wünschten sich, dass eine klare Spielphilosophie und Spielweise wieder erkennbar wird. «Das ist nicht realisiert worden, wie wir uns das vorgestellt hatten», sagt Canepa jetzt.

Am Montag, am Tag nach einem erneut kümmerlichen Auftritt, dem 1:1 gegen Luzern, trafen sich der Verwaltungsrat mit den Canepas und der Sportchef zu einer ordentlichen Sitzung. Sie orteten weiterhin eine Stagnation und eine Berechenbarkeit im Spiel. Und weil sie ernsthaft überzeugt sind, dass das vorhandene Personal zu besserem Fussball fähig ist, stellten sie sich erstmals die Frage aller Fragen «wirklich konkret», so Canepa: «Wollen wir so weitermachen oder den Wechsel?» Als Antwort senkten sie den Daumen.

Im Juli vergangenen Jahres hatten sie noch anders über ihren Trainer gedacht. Nach der schnellen Rückkehr in die Super League verlängerten sie mit ihm den Vertrag vorzeitig um ein Jahr bis 2019, ohne Not. Bickel redete damals von einem «Zeichen für die Zukunft», Canepa gab sich «überzeugt», dass Forte die Mannschaft entwickeln wird. Jetzt rufen sie ihm zum Abschied nur noch ein paar nette Worte nach («Danke an Uli Forte für die Arbeit»).

Magnin ist gleich gefordert. Am Sonntag: Derby gegen GC. Am Mittwoch: wieder Derby, diesmal im Halbfinal des Cups. Am Samstag darauf: Besuch beim FC Basel. Canepa sagt: «Wir haben wichtige Spiele vor uns. Wir haben den richtigen Entscheid zum richtigen Zeitpunkt getroffen.» Bei Magnin ist von Furcht keine Spur, nicht einmal von Bedenken, es könnte zum Anfang richtig schiefgehen. Er sagt: «Die erste Entlassung als Trainer wird kommen. Aber lassen Sie mich mich erst darüber freuen, dass ich jetzt da bin.»

Als Spieler war er immer der Laute. Der Mund war am Morgen sofort auf Betriebstemperatur. Dass er gute Laune verbreitete, das schätzte einer wie Köbi Kuhn speziell an ihm. Der frühere Nationalcoach lachte nur schon, wenn er ihn lachen hörte.

Magnin war der Kleine vom Dorf, von Echallens, der seine körperlichen Defizite mit Leidenschaft und Laufbereitschaft kompensierte. Und wenn er das nicht getan hätte, wäre er als Fussballer nie so weit gekommen, immerhin an Meisterfeiern mit Bremen und Stuttgart sowie an drei Endrunden mit der Nationalmannschaft. «Ich habe nie etwas dem Zufall überlassen», sagt er heute, «ich habe mein ganzes Leben gearbeitet und nichts geschenkt bekommen.»

Der Dank

Magnin hat nun René van Eck als einen Assistenten an der Seite. Van Eck war als Spieler ein richtiger Haudegen, noch mehr als Magnin. Laut ist auch er auf dem Platz. Die Spieler werden nie behaupten können, die neuen Chefs nicht zu hören. Magnin sagt: «Ich kann einen Spruch machen, ich kann der Vater oder der Bruder der Spieler sein. Aber ich kann auch konsequent und direkt sein. Bei mir gibt es kein Pardon.»

Seit Januar 2010 ist Magnin beim FCZ. Er kam als Spieler, der Hannu Tihinen als Leader ersetzen sollte. Dafür wurde er grosszügig entschädigt, mit 650 000 Franken pro Saison. Doch er wuchs nie in diese Rolle hinein, weil er sportlich die Erwartungen nicht erfüllte und mit der Zeit als Linksverteidiger vom jungen Ricardo Rodriguez verdrängt wurde. Im September 2012 trat er zurück und wurde Nachwuchstrainer beim FCZ.

«Ich war dankbar für die Chance, in diesem tollen Verein bleiben zu können», erzählt er. Die U-18 führte er vor bald zwei Jahren zum Meistertitel. Er assistierte Forte, als der FCZ zur gleichen Zeit den Cupfinal gewann. Letzten Sommer übernahm er die U-21. Seit ein paar Monaten hat er das Gefühl, bereit für den nächsten Schritt zu sein. Sein Ziel ist es, den Canepas das Vertrauen zurückzuzahlen, das sie in ihn haben.

Das Versprechen

Und er hat Ziele zu erfüllen: Der Sieg im Cup wäre willkommen. Canepa will die nächste Gruppenphase der Europa League erreichen. Und das alles soll passieren mit Fussball, wie ihn Forte der Führung nicht mehr bieten konnte. Magnins Leitmotiv heisst: «Ich will unberechenbar sein, ich will flexibel sein, ich will, dass keiner weiss, wie wir spielen.»

Canepa hört das gerne, als er neben Magnin sitzt. Magnin soll auch die hauseigene Jugend fördern und einbauen. Wenn es das eine oder andere Mal schiefgeht, soll er zumindest nicht um seine Gesundheit fürchten müssen. Canepa sagt: «Keiner reisst ihm dann den Kopf ab.»

Die Veranstaltung in der Saalsporthalle geht dem Ende entgegen. Magnin sagt noch in eine Fernsehkamera: «Ich kann nur versprechen, dass die Mannschaft wieder besser wird.» Es ist ein grosses Versprechen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.02.2018, 20:31 Uhr

Artikel zum Thema

«Der FCZ soll unberechenbar werden»

Gestern wurde Ludovic Magnin zum FCZ-Cheftrainer befördert. Heute stellte er sich in Zürich den Medien. Mehr...

Magnin, die hochgelobte Lösung aus dem eigenen Haus

Der neue Trainer kümmerte sich bislang um die U-21, jetzt ist er erstmals Chef auf Profistufe. Wer ihn kennt, schwärmt von ihm. Mehr...

FCZ entlässt Forte und befördert Magnin

Knall beim FC Zürich: Der Super-League-Club trennt sich von Cheftrainer Uli Forte. Der Nachfolger kommt aus den eigenen Reihen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Spielen im Schnee: Die zwei chinesischen Riesenpandas Chengjiu und Shuanghao geniessen das kalte Wetter im Zoo von Hangzhou (9. Dezember 2018).
Mehr...