«Das hat mir geschadet und auch wehgetan»

Als 59-Jähriger gehörte er schon zum alten Eisen und drohte ganz in der Versenkung zu verschwinden. Doch Sions Trainer Raimondo Ponte strafte viele Lügen und spricht von einer harten Zeit.

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Raimondo Ponte, der ehemalige Trainer des FCZ, von Luzern, Carrarese, Wohlen, YF Juventus, Chiasso, Bellinzona und Lugano war schon fast in der Versenkung verschwunden. Der 59-Jährige war nicht mehr gefragt, was für den ehemaligen Internationalen, der 34 Länderspiele für die Schweiz bestritt, einer Demütigung gleichkam. Doch auch nach dem überraschenden Telefonanruf von Sions Präsident Christian Constantin trauten Ponte nicht viele zu, dass er im Wallis lange an der Linie stehen würde.

Denn unter Constantin bestimmt vorwiegend der Totomat, wie lange ein Trainer unter seinem gnadenlosen Regime bleiben darf. Tagesanzeiger.ch/Newsnet hatte bei seinem Amtsantritt und vor dem ersten Spiel in Basel Raimondo Ponte in einem ersten Interview deshalb die Frage gestellt, wie viele Tage er sich unter Constantin denn überhaupt gebe. «Ich muss Erfolg haben, das ist doch klar. Sonst ist meine Mission hier ebenso schnell wieder beendet», lautete die Antwort.

«Es ist eine Genugtuung»

Inzwischen hat der Aargauer mit Sion 14 Spiele absolviert mit einer Bilanz von sechs Siegen, sechs Niederlagen und zwei Remis. Zuletzt gabe es gegen Luzern und den FC Zürich zwei 1:0-Siege ohne Gegentor. «Wichtig war, dass wir die Defensive stabilisieren konnten.» Ponte ist das gelungen, was ihm wahrlich nicht viele zutrauten. Er hat mit Sion den Turnaround geschafft und den Club schliesslich souverän vor dem Abstieg in die Challenge League bewahrt. Der Club ist gerettet und Ponte sagt mit Stolz: «Es ist für mich nach einer schweren Zeit schon eine Genugtuung, dass meine Arbeit wieder geschätzt wird. Ich bin auch froh und dankbar, dass mir Christian Constantin diese Chance gegeben hat.»

Er habe vor allem auch immer auf seine Familie zählen können. «Sie hat mit mir mitgefiebert und mitgelitten in guten wie auch in schlechten Zeiten.» Wenn er von einer schweren Zeit spricht, sagt er auch: «Ich wurde in gewissen Medien nicht immer positiv dargestellt, das hat mir geschadet und auch wehgetan.» Er müsse halt mit dem teilweise negativen Image leben. «Mittlerweile kann ich das gut.»

«Ich brauche keinen Übersetzer»

Ponte hat es im Wallis geschafft, aus einer Multikultitruppe eine verschworene Einheit zu formen. Das war aber nur möglich, weil er Deutsch, Italienisch, Französisch und Englisch spricht. «Ich brauche hier keinen Übersetzer. Deshalb konnte ich mit den Spielern viele Einzelgespräche führen. Ich habe sie auch nach ihren Ängsten gefragt und auch versucht, ihnen diese zu nehmen. Jeder Spieler soll sich bei uns im Wallis wohl und heimisch fühlen. Dann identifiziert er sich auch mit dem Club. Nur dann kommt er auf seine Leistung.»

Inzwischen hat Ponte seine Spieler ins Herz geschlossen und sie ihn auch. «Wenn sie nach einem Torerfolg auf mich losstürmen und mich umarmen, dann geht mir das schon tief unter die Haut.» Ponte hat in Sion einen dreimonatigen Vertrag bis vorerst Ende Saison erhalten. «Ich habe keine Nichtabstiegsprämie, weil der Abstieg für mich nie ein Thema war.» Was die Zukunft bringe, wisse er nicht. «Christian Constantin muss entscheiden, ob er mit mir auch in die neue Saison gehen will.»

Erstellt: 07.05.2014, 13:13 Uhr

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