«Das ist Berlusconis grandioser politischer Schachzug»

Milan holte mit Mario Balotelli einen Stürmer, der 2010 noch für den Stadtrivalen Inter spielte. Inters ehemaliger Spielmacher Ciriaco Sforza sagt, dass der Transfer auch einen politischen Hintergrund hat.

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Ciriaco Sforza, was erwartet Mario Balotelli in Mailand?
Man darf nicht vergessen, dass Balotelli vor seinem Engagement in England bei Manchester City während drei Jahren bei Inter Mailand gespielt hat.

Das dürfte heftige Reaktionen auslösen?
Balotelli wird sich in den Strassen Mailands von den Inter-Fans einiges anhören müssen. Im ersten Derby ist dann der Teufel los. Es wird gellende Pfiffe, Schimpftiraden und Beleidigungen hageln. Sie werden ihn mit Spott und Häme überschütten. Für die Interisti ist Balotelli natürlich ein Verräter. Dass er zu Milan geht, ist für sie eine Demütigung.

Wie wird Balotelli damit umgehen?
Das ist ihm mit Sicherheit, gelinde gesagt, total egal. Er ist ein cooler, unbekümmerter, selbstbewusster, junger Mensch. Er steckt das mit einem süffisanten Lächeln locker weg.

Erst kürzlich hat Präsident Silvio Berlusconi noch erklärt, dass der Transfer Balotellis von Manchester City für Milan finanziell gar nicht machbar sei.
Das war natürlich ein taktisches Täuschungsmanöver.

Weshalb?
Er wollte den Preis drücken und mit den Engländern noch ein bisschen pokern. Doch Berlusconi wollte Balotelli unbedingt, da bin ich mir ganz sicher. Er hätte nie locker gelassen.

Was macht Sie da so sicher?
Erstens ist Balotelli ein sensationeller Spieler. Und zweitens ist es für Berlusconi ein Riesencoup.

Erklären Sie uns das genauer.
Ich bin felsenfest überzeugt davon, dass dieses Engagement einen politischen Hintergrund hat. Berlusconi braucht Schlagzeilen und Publicity, weil er offenbar wieder als Ministerpräsident kandidieren will. Da kommt ihm die Verpflichtung eines jungen und erfolgreichen italienischen Nationalspielers gerade recht. Das ist ein grandioser politischer Schachzug von Berlusconi.

Doch Balotelli gilt als schwieriger Mensch. Er hat sich bei Manchester City sogar mit seinem Landsmann und Trainer Roberto Mancini angelegt und dann überworfen.
Sehen Sie, Balotelli ist in Italien trotz seiner ständigen Eskapaden auch neben dem Feld keineswegs unbeliebt. Seine beiden Treffer im EM-Halbfinal zum 2:0-Sieg über den Erzrivalen Deutschland vergessen ihm die Tifosi nie. Im Endeffekt auch jene von Inter Mailand nicht. Damit hat sich Balotelli bei allen unsterblich gemacht. Und das kann auch dem Image von Berlusconi nicht schaden.

Somit ist Berlusconi wieder ein gefeierter Mann in Italien?
Ja, zumindest bei den Tifosi.

Erstellt: 31.01.2013, 10:11 Uhr

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Von 1996 bis 1997 spielte der Schweizer Ciriaco Sforza für Inter Mailand. (Bild: Keystone )

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