«Das ist Blödsinn!»

Stephan Anliker stellt klar, dass der Club nicht vor dem Ruin steht. Er will noch lange Präsident bleiben. Und betont, dass er sich noch einige Millionenzahlungen leisten kann.

Stephan Anliker glaubt, dass nach dem Abgang von Heinz Spross Ruhe einkehrt. Foto: Daniela Frutiger (Freshfocus)

Stephan Anliker glaubt, dass nach dem Abgang von Heinz Spross Ruhe einkehrt. Foto: Daniela Frutiger (Freshfocus)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Gross ist das Interesse in einem Zürcher Hotel, als sich Präsident Stephan Anliker nach einer weiteren unruhigen Woche bei GC erklärt. Heinz Spross, einer der drei wichtigsten Geldgeber, steigt per sofort aus. Anliker und Peter Stüber, die neu je 45 Prozent der Aktien halten, müssen schnell 8 bis 9 Millionen Franken einschiessen, damit GC überlebt. «GC ist in keiner Art finanziell gefährdet», sagt Anliker sehr bald. Dann beantwortet der 62-Jährige Fragen zum immer wieder taumelnden Rekordmeister.

Stephan Anliker, vor einem Jahr haben die drei grossen GC-Aktionäre 9 Millionen Franken eingeschossen. Wieso ist dieses Geld schon aufgebraucht?
Wir wussten schon vor einem Jahr, dass wir die neun Millionen bis Ende 2018/19 aufbrauchen, falls wir nicht andernorts zusätzliches Geld beschaffen können.

Aus GC-Kreisen heisst es aber, dass in der Kasse schon jetzt ein Loch von fünf Millionen Franken klaffe.
Das ist Blödsinn! Wir sind mit den Ausgaben und Einnahmen, wie wir sie vor einem Jahr definiert hatten, genau im Plan.

Die Ausgaben sind im Vergleich zu den Einnahmen viel zu hoch.
Ja. Wir haben ein strukturelles Defizit.

Stimmt das Verhältnis von 20 Millionen Ausgaben und 12 Millionen Einnahmen?
Ohne Transfereinnahmen, ja.

«Wichtig ist, dass wir am gleichen Seil zur gleichen Zeit in die gleiche ­Richtung ziehen.»

Was würde mit GC passieren, wenn Peter Stüber und Sie jetzt nicht 8, 9 Millionen Franken einschiessen würden?
Das ist eine illusorische Frage, weil wir es ja tun.

Was erhoffen Sie sich von der nächsten Finanzspritze? Soll es wie ein Anschub für bessere Zeiten sein?
Nein, den Anschub leisteten wir im vergangenen Jahr noch zu dritt. Jetzt können wir stabiler am Fundament weiterbauen.

Statt Geld einzuschiessen, hätten Sie sich auch für ein Sparprogramm entscheiden können. War das eine Option?
Der Verwaltungsrat hat im vergangenen Herbst die Operative beauftragt, verschiedene Szenarien samt Auswirkungen durchzuspielen – darunter waren auch Sparszenarien. Es zeigt sich aber bald: Gross sparen liegt bei uns nicht mehr drin. Natürlich gäbe es Möglichkeiten, etwa im Nachwuchsbereich. Doch genau dort wollen wir investieren. Erfolgreiche Nachwuchsarbeit ist die Basis unserer Strategie. Das Budget wird in der nächsten Saison also etwa gleich hoch sein.

Die Strategie ist nicht neu: GC will eigene Talente ausbilden und später gewinnbringend verkaufen, um so das strukturelle Defizit auszugleichen. Gelungen ist das bisher nicht.
Wir wollen nicht nur das. Wir wollen auch Spieler länger halten können, dadurch soll die Mannschaft stabiler und besser werden. Und dadurch wiederum wird auch der Wert der Spieler steigen. Wir wollen der beste Ausbildungsclub der Schweiz sein.

Von Peter Stüber ist bekannt, dass er über sehr viel Geld verfügt. Ihre finanziellen Verhältnisse sind nicht bekannt. Offenbar aber verfügen Sie über genügend Mittel, dass Sie erneut vier Millionen Franken bezahlen können.
Da haben Sie recht. (schmunzelt)

Könnten Sie Verluste noch einige Jahre ausgleichen?
Ich bin zufrieden, wie es uns geht, ja.

«Für den CEO ­Manuel Huber gilt: Sorry, ich kann mir keinen Besseren vorstellen.»

Ihre fünf Jahre als Präsident waren nicht immer angenehm. Wieso machen Sie das?
Ich wusste ja nicht, was auf mich zukommt. Und als Geldgeber habe ich zuletzt die Strategie verändert. Bisher haben wir das Geld für GC von der Unternehmung Ducksch Anliker zur Verfügung gestellt (Stephan Anliker ist VR-Präsident der Architekturfirma mit rund 70 Angestellten), jetzt mache ich das privat.

Wieso der Wechsel von der Unternehmung ins Private?
Das kann ich jetzt hier nicht in zwei Minuten erklären.

Wollen Sie Ihre GC-Anteile irgendwann wieder abstossen?
Abstossen – das Wort gefällt mir nicht. Ich möchte GC so weit bringen, dass es einen Wert hat. Es gibt aber auch andere Werte als nur den finanziellen. Sportlich haben wir noch nicht das erreicht, was wir im Idealfall können. Aber ich bin ja noch einige Jahre GC-Präsident.

Sie wollen mehr Ruhe im Club. Hilft das Ausscheiden von Heinz Spross, verbunden mit der Tatsache, dass Erich Vogel dadurch weniger Einfluss hat?
Ja. (langes Schweigen) 2018 wurde deutlich, dass wir drei Aktionäre nicht immer einer Meinung waren. Wir haben stets geredet und tun das auch jetzt noch. Es gibt keinen Krach, wie es da und dort heisst. Wichtig aber ist, dass wir am gleichen Seil zur gleichen Zeit in die gleiche Richtung ziehen. Das hat zuletzt nicht mehr funktioniert. Deshalb haben wir in den letzten Wochen intensiv eine Lösung gesucht mit dem Resultat, dass Heinz Spross die Verantwortung nicht mehr tragen will, Peter Stüber und ich aber schon. Nun haben wir Einigkeit.

Freut Sie das Ausscheiden von Spross? Oder bedauern Sie es?
Es war nötig, dass wir Aktionäre den gleichen Weg einschlagen.

Jetzt sind es noch zwei grosse Aktionäre. Wird das so bleiben?
Im Moment wollen wir uns so konsolidieren. Das schliesst aber nicht aus, dass später Personen dazukommen. Das Ziel von Peter und mir ist, dass der Club in Händen von Zürchern liegt.

Sportlich steht GC nicht wie gewünscht da. Das gilt auch finanziell. Wie zufrieden sind Sie mit CEO Manuel Huber und Sportchef Mathias Walther?
Ich bin mit unserer operativen Leitung sehr zufrieden. Für Manuel Huber gilt: Sorry, ich kann mir keinen Besseren vorstellen. Und was die sportliche Führung angeht, muss man auch sehen, wie die Ausgangslage ist: Wir können kein Geld ausgeben, müssen Trouvaillen suchen und finden sie auch.

Wenn Ruhe einkehrt, kommt dann auch der Erfolg zurück?
Unser Ziel ist klar: Wir möchten nicht als Loser, sondern als Winner ins neue Stadion einziehen.

Wenn es in der zweiten Halbzeit nicht viel besser läuft, droht der Abstieg. Würden Sie und Peter Stüber auch in der Challenge League weitermachen?
Ich bin keiner, der wegrennt, wenn es nicht funktioniert.

Kennt Ihr Engagement bei GC eine finanzielle Grenze?
Mein Engagement basiert auf einem Plan, den wir immer wieder anpassen müssen. Ich bin bisher nie an die Grenze gekommen und habe es auch nicht vor.

Was sagt eigentlich Ihre Frau dazu, wenn Sie nach Hause kommen und sagen: Jetzt müssen wir noch einmal vier Millionen für GC bereitstellen?
Wir sind eine sportorientierte Familie und Firma. Wenn es um private Investitionen geht, bespreche ich das mit meiner Frau und den Kindern. Wir müssen uns aber auch bewusst sein, dass ein Investment geldmässig auch einmal nicht aufgehen kann.

Haben Sie einmal zusammengezählt, was Sie GC in all den Jahren gekostet hat?
Nein, das habe ich nicht.

Schon viele haben versucht, GC gewinnbringend zu führen. Gelungen ist es niemandem.
Jetzt haben wir ein Stadion in Aussicht. Im Aktionariat herrscht Einigkeit. Die Operative funktioniert. Darauf lässt sich aufbauen.

Glauben Sie wirklich, dass GC einmal Rendite abwerfen kann?
Wenn sich GC so entwickelt, wie es unser Plan vorsieht, hat GC irgendwann einen Wert. Das kann ein materieller, aber auch ein immaterieller Wert sein. Das ist für mich auch etwas.

Ein immaterieller Wert wie zum Beispiel, dass die Marke GC wieder für Stärke steht?
Ja. Oder dass man wieder Freude hat, an ein GC-Spiel zu gehen.

Erstellt: 02.02.2019, 07:02 Uhr

Artikel zum Thema

Wie nur kommen die Grasshoppers da wieder raus?

Jetzt steigt auch noch Heinz Spross aus. Könnte der Club nun gar in Konkurs geraten? Mehr...

Jacobi tritt bei GC ab

Der 51-Jährige gehört nicht mehr zum Verwaltungsrat der Grasshoppers. Er glaubt, dass ein starker Investor für den Club auch in Zürich zu finden sein müsste. Mehr...

GC kommt vom Seuchen- ins Schicksalsjahr

Analyse Die Grasshoppers sind unter Stephan Anliker ein beliebiger Club geworden. Sie haben kein Geld und keinen Erfolg, dafür eine schwere Zukunft vor sich. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Kommentare

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Bitte lächeln: Frankie die Bordeauxdogge stellt sein Löwenkostüm zur Schau. Er nimmt mit seinem Herrchen an der Tompkins Square Halloween Hundeparade in Manhattan teil (20. Oktober 2019).
(Bild: Andrew Kelly) Mehr...