«Das ist eine Frechheit»

Einen Tag nach seiner Entlassung stellte sich Bernard Challandes noch einmal den Medien. Er blickte zurück auf eine erfolgreiche Zeit beim FCZ, sagte aber auch: «Ich bin nicht zufrieden mit den Spielern.»

Video: Sascha Rhyner

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Neben Challandes sassen FCZ-Präsident Ancillo Canepa und Sportchef Fredy Bickel. Obwohl an den Rand gedrängt, war der Neuenburger im Mittelpunkt des Interesses. Der entlassene Trainer wollte die Gelegenheit nutzen, seine Sicht der Dinge weiterzugeben. Dazu hatte er sein eigenes Buch «Moments» mitgenommen. Er zitierte daraus, was ein Trainer ist: «Héro» und «zéro». Ein Held oder ein Versager. Beides sei er nicht.

Er wolle nicht klagen. «Ich bin nicht ein ‹Jammeri›, wie vielerorts geschrieben wurde. Besonders nicht heute», sagte er mit Nachdruck. «Das war die schönste Zeit in meinem Leben als Trainer.» Nicht der Trainer und auch nicht der Vorstand würden Entlassungen machen. «Es sind die Resultate. Ich kenne die Regeln in diesem Geschäft und akzeptiere den Entscheid», so Challandes.

«Zürich muss Angst haben»

«Die Entlassung macht aber nur Sinn, wenn der FCZ die Qualifikation für Europa schafft», hielt er auch fest. Und seinem Nachfolger Urs Fischer wünschte er in Luzern «einen klaren Sieg». Er blickte zurück auf seine Einstellung vor knapp drei Jahren. «Viele waren skeptisch», erinnerte er sich. Aber sie hätten eine neue Mannschaft aufgebaut, die «super gespielt» habe. Mit Bickel und Canepa habe er eng zusammengearbeitet. «Wir bleiben Freunde. Es gibt keinen Hass und kein Problem», betonte Challandes.

Dennoch machte er in seiner rund zehnminütigen Rede auch einem gewissen Ärger Luft. «Was mich stört, sind die Spekulationen, dass ich der nächste Trainer von Xamax werden soll. Das ist eine Frechheit. Ich hatte keinen Kontakt», sagte Challandes. «Ich bin ein Neuenburger und werde vielleicht einmal diese Mannschaft trainieren. Der Präsident hat mich schon zweimal angefragt. Aber jetzt kann ich das nicht akzeptieren. Es ist nicht korrekt, und es stört mich, mit solchen Leuten zu arbeiten.»

Er werde ein Fan des FC Zürich bleiben, auch wenn er sagte: «Ich bin nicht zufrieden mit den Spielern.» Gleichwohl sprach er vor seinem Auftritt vor den Medien lange zur Mannschaft. Erst mit fast einer halben Stunde Verspätung trat er vor die Journalistenschar in der Saalsporthalle. «Es ist nur Fussball», relativierte der frühere Französischlehrer. Und er verriet auch sein Abendprogramm: «Ich werde am Abend vor dem TV sitzen, als Fan von Barcelona.» Eine kleine Drohung sprach Challandes dann – mit einem Augenzwinkern – doch noch aus. «Zürich muss schon Angst haben, wenn ich einmal eine andere Mannschaft übernehme.»

Erstellt: 20.04.2010, 12:01 Uhr

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