Interview

«Das ist natürlich bitter für uns»

Aarau hat im Kampf um die Barrage beim aufgestiegenen St. Gallen in der 96. Minute das Siegestor erzielt. Fühlt sich das punktgleiche Bellinzona verschaukelt? Regisseur Hakan Yakin sucht nach Erklärungen.

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Hakan Yakin, hätten Sie gedacht, dass Aarau in St. Gallen gewinnt?
Nein, damit habe ich nun wirklich nicht gerechnet. Das ist natürlich bitter für uns.

Weshalb?
Dadurch nützt uns am Mittwoch im Heimspiel gegen Wohlen möglicherweise nicht einmal mehr ein Sieg, um die Barrage zu erreichen.

Sie geben Etoile Carouge in Aarau also keine Chance?
Realistisch gesehen, nein. Die Genfer sind ja bereits abgestiegen. Dort ist die Luft draussen.

Hat der FC St. Gallen nach dem feststehenden Aufstieg gegen Aarau noch alle Kräfte mobilisiert?
Wie kommen Sie auf diese Frage?

Im Gegensatz zum Spiel in Locarno, als St. Gallen mit einem 2:0-Sieg den Aufstieg perfekt machte, nominierte Trainer Jeff Saibene diesmal mit Torhüter Vailati, Roduner, Imhof, Valente und den im Tessin gesperrten Stocklasa insgesamt fünf neue Spieler für die Startelf gegen Aarau.
Ich weiss nicht, welche Beweggründe Saibene für diese Umstellungen hatte. Aber ich würde ihm niemals unterstellen, dass er bewusst nicht die stärkste Formation aufgestellt hat.

Weshalb?
St. Gallen hat ein breites Kader. Gegen Aarau standen immer noch sehr gute Spieler auf dem Rasen. Nach meinen Informationen hat sich Aarau mit einer starken Leistung den Sieg verdient. Wir haben uns hingegen selbst in diese fast aussichtslose Situation hineinmanövriert, ja geradezu hineingeritten.

Wie meinen Sie das?
Wir haben Spiele verloren, die wir niemals hätten verlieren dürfen. Wir haben zwei Tore zu wenig geschossen und eines zu viel kassiert. Wir haben das gleiche Torverhältnis wie Aarau. Doch Aarau hat mehr Tore geschossen und liegt deshalb eine Runde vor Schluss in der Tabelle vor uns, wenn auch punktgleich.

Sie sind also nicht sauer auf den FC St. Gallen?
Nein, überhaupt nicht. Sauer müssen wir nur auf uns selbst sein. Wenn wir nicht in die Barrage kommen, dann haben nur wir das zu verantworten.

Vor zwei Wochen haben Sie gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet erklärt, dass sie beim Nichterreichen der Barrage als Hauptschuldiger dastünden und Trainer Martin Andermatt dann wohl gehen müsste. Denken Sie immer noch so?
Martin Andermatt macht hier einen grossartigen Job. Er hat uns auf die Spiele bis ins Detail vorbereitet. Falls wir in dieser Saison nicht aufsteigen, sollte man die Situation sehr genau und überlegt analysieren.

Wie fällt Ihre persönliche Analyse aus?
Mit Ausnahme von Gürkan Sermeter, Pavel Pergl und mir haben wir eine junge Mannschaft, die Andermatt auf einen sehr guten Weg gebracht und weiterentwickelt hat. Und diesen Weg sollte man mit Andermatt eigentlich weitergehen. Dann haben wir nämlich in der nächsten Saison gute Chancen, um sogar direkt aufzusteigen und könnten uns dann in der Super League langfristig mit einer eingespielten Mannschaft etablieren.

Erstellt: 22.05.2012, 12:25 Uhr

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