«Das ist nicht akzeptabel»

Der FCZ bangt nach dem 0:3 in Luzern um die Europacup-Teilnahme. Sportchef Thomas Bickel ist seit Monaten enttäuscht.

FCZ-Sportchef Thomas Bickel hat noch leise Hoffnung auf einen Europacup-Platz. (Bild: Nicola Pitaro)

FCZ-Sportchef Thomas Bickel hat noch leise Hoffnung auf einen Europacup-Platz. (Bild: Nicola Pitaro)

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Der FCZ hat Chancen auf den Europacup und spielt dann in Luzern beim 0:3 sehr schwach. Das muss Ihnen zu denken geben.
Mir fehlen schon ein wenig die Worte.

Die Mannschaft ist mit dieser Leistung von Rang 6 auf Platz 8 zurückgefallen. Platz 5 und die Qualifikation für die Europa League ist zwar noch möglich, aber nur mit fremder Hilfe.
Unser Saisonziel war Rang 3 und damit die direkte Qualifikation für die Europa League. Das werden wir kaum mehr erreichen - und wir verdienen das auch nicht nach einem solchen Auftritt. Gegen eine Mannschaft wie Luzern musst du diszipliniert, im Kollektiv und solidarisch spielen. Du musst die Räume eng machen, dem Gegner nichts zugestehen, auch bei stehenden Bällen.

Das alles ist nicht gelungen.
Nein. Wir haben uns Eigenfehler geleistet und auch als Mannschaft nicht gut mitgemacht. Wir haben zu wenig Fussball gespielt, wir haben nicht gut verteidigt, nicht im kollektiv gearbeitet. Das müssen wir nicht schönreden.

Aufgefallen sind Fehler wie vom früh ausgewechselten Verteidiger Kryeziu oder die vielen Ballverluste von Sertic oder Schönbächler. Wie erklären Sie sich das?
Das waren die Auslöser unserer Probleme in den ersten Minuten. Individuelle Fehler haben zu den Gegentoren geführt. Das darf uns nicht passieren.

Genügt schlicht die Qualität nicht, um weiter vorne mitzuspielen?
Wir sind bei dieser Frage hin- und hergerissen. Wir wissen, dass wir anders Fussball spielen können, wir können es aber nicht umsetzen. Deshalb stellt sich die Frage: Liegt es an der Persönlichkeit der Spieler, der Disziplin… Damit müssen wir uns in der Analyse beschäftigen und Veränderungen auf die nächste Saison hin einleiten.


Video: Goalie Brecher und Coach Magnin im Interview

FCZ-Coach Ludovic Magnin und Goalie Yanick Brecher glauben weiterhin an die Europapokal-Qualifikation. (Video: Eva Tedesco)


Um noch eine Chance zu haben auf den Europacup braucht der FCZ am Samstag einen Sieg gegen St. Gallen.
Die leise Hoffnung auf Rang 5 besteht noch. Wir müssen aber auch schon weiter nach vorne schauen. Die Kaderplanung hat begonnen - auch als Reaktion auf die vergangenen Monate, auf diese missratene Rückrunde.

«Fussball ist ein Mannschaftssport, wir haben im Kollektiv nicht funktioniert.»

Was heisst das konkret für einzelne Spieler?
Ich kann mich an dieser Stelle nicht auf einzelne Namen beziehen. Aber wir müssen über die gesamte Rückrunde hinweg schauen, wer die Leistungen bringen konnte - auch in den Spielen, in denen es wie nun gegen Luzern um etwas ging.

Der FCZ konnte sich zuletzt mit Siegen gegen Thun und Xamax wenigstens vom Abstiegskampf verabschieden. Viel Gutes gab es in den vergangenen Monaten aber nicht zu sehen.
Das ist so. Fussball aber ist ein Mannschaftssport, wir haben im Kollektiv nicht funktioniert. Über einzelne Details will ich jetzt nicht sprechen, schon gar nicht im Frust nach einer solchen Partie.

Was extrem auffällt: Anfang November 2018 hat der FCZ in Luzern sehr gut gespielt und 5:2 gewonnen. Von einer solchen Leistung ist die Mannschaft momentan sehr weit entfernt.
Das Nachlassen beschäftigt uns.

Hängt es mit der Belastung, Doppelbelastung, Dreifachbelastung zusammen?
Meiner Ansicht nach muss das eine Mannschaft ertragen können. Luzern war uns nun in allen Belangen überlegen, auch konditionell. Wir können Fussball spielen, aber beim Fussball muss auch die Athletik stimmen, die Bereitschaft, die Arbeit gegen den Ball, das Zweikampfverhalten. Das liess die Mannschaft dieses Mal vermissen.

Gilt generell, dass beim FCZ zu viel nicht stimmt?
Wir haben es bei diesem 0:3 gesehen: Wir machen individuelle Fehler, das kollektiv funktioniert nicht, die Organisation auf dem Rasen…die Liste ist ganz lang.

«Wir haben klare Vorstellungen, wie sich die Mannschaft verändern soll und muss.»

Das klingt nach vielen Veränderungen im Sommer bei den Spielern. Es ist noch zu früh, so etwas zu sagen. Wir haben klare Vorstellungen, wie sich die Mannschaft verändern soll und muss - aber nicht nur die Mannschaft, auch der Staff und die Vereinsführung. Diese Rückrunde muss Konsequenzen haben, wir sind alle unzufrieden.

Sie reden von klaren Vorstellungen. Was für Vorstellungen?
Das bleibt intern.

Es mangelt dieser Mannschaft an Leaderfiguren.
Das ist klar. Wir hatten Vorstellungen, wer in diese Rolle hineinwachsen soll. Wir hatten auch Spieler mit entsprechenden Ansprüchen. Nun mussten wir aber feststellen: Die gesamte Struktur der Mannschaft passt nicht.

Wer sollte Leader sein? Brecher, Bangura…
...ich werde keine Namen nennen. Wir besprechen das intern und sind dabei schon ziemlich weit.

Was ist eigentlich mit Alain Nef?
Er war in Luzern gesperrt.

Das ist mir bewusst. Also: Was ist nächste Saison mit Alain Nef?
Er wird beim FC Zürich bleiben, das ist eigentlich schon lange klar.

Als Spieler?
Als Spieler oder in einer anderen Funktion, das lasse ich noch offen.

Was für eine Funktion könnte das sein?
Es war schon im Winter klar, dass wir die Rückrunde abwarten und dann entscheiden, ob er noch eine Saison anhängt oder im Team- oder Talentmanagement eine Aufgabe übernimmt.

Nef würde gerne noch eine Saison anhängen.
Ja, ich kann gut verstehen, dass einer so lange wie möglich spielen möchte. Wir werden einen sportlichen Entscheid treffen.

Anmerkung der Redaktion:
Das Interview wurde am Mittwochabend geführt. Am Donnerstagmorgen gab der FCZ bekannt, dass Alain Nef seine aktive Karriere beende und in den Bereichen Talent- und Teammanagement Aufgaben übernehme.

Das erstaunlichste an diesem Abend in Luzern war, dass die mitgereisten Fans am Ende ihre Mannschaft noch gefeiert haben.
Das hat mich auch erstaunt - ich glaube, die Fans haben die besseren Nerven als wir in der Vereinsführung (schmunzelt). Nein, im ernst: Wie uns die Fans auch in schwierigen Momenten unterstützen… An ihnen liegt es sicher nicht. Ich hoffe, sie bleiben uns treu. Wir können nichts versprechen, wir können nichts garantieren, doch es ist ist uns bewusst: Wir müssen uns in allen Bereichen verbessern.

«Wir dachten, die Mannschaft sei für Rang 3 gut genug.»

Wäre für Sie aufgrund der aktuellen Lage Rang 5 zum Schluss gut?
Nach aktuellem Stand müssten wir damit zufrieden sein. In der Vereinsführung dachten wir, die Mannschaft sei für Rang 3 gut genug. Auch die Kaderplanung müssen wir deshalb miteinbeziehen in unsere Analyse.

Auffallend ist auch, dass sich die Mannschaft in den vergangenen Monaten nicht weiterentwickelt hat.
Das ist Fakt.

Ist Trainer Ludovic Magnin trotzdem unbestritten?
Er ist unbestritten. Wir werden mit Magnin weitermachen. Es muss sich aber jeder bewusst sein, die Vereinsführung, der Trainer, die Spieler: Wir haben unsere Ziele durch eigenes Verschulden klar verfehlt, das ist nicht akzeptabel. Ich bin überzeugt, dass die Mannschaft die Qualität hätte, um in der Rangliste besser dazustehen.

Hat es nicht mit dem Trainer zu tun, wenn eine Mannschaft ihr Potenzial nicht ausreizt?
Man kann es sich einfach machen und sagen, das sei die Verantwortung des Trainers. Doch wir tragen die Verantwortung gemeinsam. (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 23.05.2019, 07:20 Uhr

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