«Das ist respekt- und stillos»

Tranquillo Barnetta beschwert sich über Nationalcoach Vladimir Petkovic, weil ihm dieser seine Nichtnomination nicht persönlich mitgeteilt hat. Ist das in Ordnung? Die Antwort ehemaliger Nationalspieler.

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Obwohl Tranquillo Barnetta bei Schalke hervorragende Leistungen abliefert, wurde er nicht für das EM-Qualifikationsspiel der Schweiz am Freitag gegen Estland aufgeboten. Jetzt beschwert sich der Ostschweizer im «Blick» öffentlich über Nationalcoach Vladimir Petkovic.

«Wenn man bei einem Topclub Stammkraft ist, in der Champions League spielt und Real Madrid schlägt, kann man als Schweizer eigentlich davon ausgehen, für die Nati nominiert zu werden.» Zudem habe er aus dem Internet erfahren, dass er nicht dabei sei. «Ich finde, wenn du 75 Länderspiele und zehn Tore für die Schweiz gemacht hast, darf man einen sensibleren Umgang und eine direkte Kommunikation voraussetzen. Das war nicht der richtige Weg.» So etwas habe er in elf Jahren noch nie erlebt.

«Einer hat das viel eleganter gelöst»

Hakan Yakin, der für die Schweiz 87 Länderspiele absolviert hat, zeigt Verständnis für Barnetta. «Das alles passierte mir einst auch. Und ich kann deshalb durchaus nachempfinden, dass er enttäuscht und auch beleidigt ist.» Barnetta habe zuletzt mit Schalke unerwartet sein hohes Niveau wieder erreicht. «Es hat im Übrigen vor noch nicht allzu langer Zeit einen verdienten Nationalspieler gegeben, der seine Situation viel eleganter gelöst hat als Barnetta, indem er einfach aus dem Nichts den Rücktritt erklärte», ergänzt Yakin. Anderseits sagt der Basler auch: «Wenn ein Nationaltrainer dich nicht aufbietet, dann braucht er dich im Moment einfach nicht. So einfach sind die Regeln nun mal. Und die sollte ein erfahrener Spieler wie Barnetta kennen.»

«Das ist gefährlich»

«Diese Art von Kommunikation von Barnetta schadet ihm selbst und generell dem Ansehen des Schweizer Fussballs», sagt Bernt Haas, der 36-fache ehemalige Nationalverteidiger. Es sei gefährlich, wenn Barnetta ob seiner Nichtnomination einen Wutausbruch habe. Und der Nationaltrainer den Verzicht auf einen 75-fachen und verdienten Nationalspieler diesem nicht persönlich mitteile.

«Es ist für jedes Unternehmen schlecht, wenn bekannte und wertvolle Mitarbeiter nicht mit dem nötigen Respekt behandelt werden», so Haas. Allerdings gebe es auch andere Nationalspieler, die ein Aufgebot verdienen, aber keines erhalten hätten. «Und diese haben sich auch nicht öffentlich darüber beschwert.»

«Petkovic hätte sich doch mal fünf Minuten nehmen können»

Eine dezidierte Meinung hat auch Marco Schällibaum, der für die Schweiz 31 Länderspiele bestritt. «Barnetta hat nicht unrecht, dass er sich über Petkovic beschwert», sagt der Zürcher. Barnetta spiele nicht bei Braunschweig in der zweiten Bundesliga, sondern bei einem Topverein wie Schalke. «Natürlich hatte er nach der WM durchzogene Monate. Aber zuletzt hat er wieder seine alte Form gefunden.»

Barnetta habe es als verdienter Nationalspieler eigentlich verdient, wenn er seine Nichtnomination nicht aus dem Internet erfahren müsse. «Ein Nationaltrainer hat doch so viel Zeit. Petkovic hätte sich doch mal fünf Minuten Zeit nehmen können, um Barnetta persönlich zu sagen, weshalb er nicht dabei ist. Das ist kein stilvoller und schon gar kein respektvoller Umgang mit einem Spieler, der in 75 Länderspielen für die Schweiz seine Knochen hingehalten hat.»

Erstellt: 25.03.2015, 14:08 Uhr

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