Das lange Warten auf Mitte Juli

YB wird auch in dieser Saison keinen Titel gewinnen. Und in der chaotischen Super League drohen mühsame Wochen.

Skeptischer Blick: YB-Trainer Christian Gross ist nicht zufrieden.

Skeptischer Blick: YB-Trainer Christian Gross ist nicht zufrieden. Bild: Keystone

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Und immer wieder grüsst der Frust bei YB. Der Verein ist mal wieder nicht in Festlaune, die zwei kläglichen Vorstellungen zuletzt in Luzern (0:2) und Lausanne (0:0) haben die Minieuphorie nach Transferoffensive im Winter und schwungvollem Start in die Rückserie (7 Punkte aus 3 Partien; sehr starke Leistung beim 2:2 gegen Basel) bereits wieder verdrängt. Auch Titeltrainer Christian Gross ist es in bisher neun Monaten nicht gelungen, YB auf Augenhöhe mit Basel zu hieven.

«Wir müssen weiter hart arbeiten», fordert Gross. Immerhin: Sein offizielles Saisonziel, den Rückstand auf Basel zu verkürzen, kann der Coach noch erreichen – Ende letzter Saison lag der FCB 16 Punkte vor den Bernern, derzeit sind es 14 Verlustpunkte. Aber es ist natürlich nicht der Anspruch von YB, sich Anfang März sang- und klanglos aus allen Bewerben verabschiedet zu haben.

Platz 2 als Minimalziel

YB verfügt zwar über ein (zu) grosses, starkes, prominentes Kader, aber der Konkurrenzkampf, den Gross als Druckmittel so schätzt, wirkt sich eher lähmend auf seine Akteure aus. Wer auch immer in der äusserst breit besetzten Offensive in Luzern und Lausanne eingesetzt wurde, enttäuschte schwer. Der Traumsturm mit dem zuletzt eigensinnigen Raúl Bobadilla und Emmanuel Mayuka, der nach dem Afrika-Cup-Triumph anscheinend noch nicht wieder bereit für den Alltag ist, existiert vorerst nur als Traum. Platz 2 sollten die Young Boys zwar noch erreichen können, «und das würde sich zumindest auf dem Papier gut lesen», sagt YB-CEO Ilja Kaenzig – doch das muss in dieser Chaosliga das Minimalziel der Berner sein.

Bei den Young Boys hat das lange Warten auf Mitte Juli und die nächste Saison begonnen. «Wir hoffen, dass die nächsten Wochen so schnell wie möglich vorbeigehen», sagt Kaenzig. Um Basel in Zukunft zu gefährden, dürfte im Sommer noch einmal kräftig ins Team investiert werden, und so wird Christian Gross bis Saisonende genau beobachten, wie sich die Fussballer verhalten. Die YB-Verantwortlichen hoffen, dass es dem FCB nicht gelingen wird, gewichtige Abgänge wie jener von Xherdan Shaqiri (zu Bayern München) und wohl weiteren Leistungsträgern wie Granit Xhaka und David Abraham sofort zu kompensieren. Nun aber stehen ziemlich mühsame Wochen für YB an, der beachtliche Zuschauerschnitt (rund 22'500) wird kaum zu halten sein.

In den letzten Jahren ging es für die Young Boys im Frühling stets um einiges: 2006 und 2009 verlor der Verein Cupfinals gegen Sion, 2008 und 2010 Finalissimas gegen Basel, letztes Jahr verkündete der Klub die Verpflichtung von Gross als Heilsbringer – und 2007 scheiterte YB im Cupviertelfinal beim zweitklassigen FC Wil, was irgendwie auch wieder typisch für den Verein war.

Finanziell heikle Wochen

Wirtschaftlich steht der aufgeblähte Betrieb vor schwierigen Wochen, das Heimspiel am nächsten Wochenende gegen Xamax beispielsweise entfällt. «Darauf konnten wir uns ja einstellen», sagt CEO Kaenzig. Dennoch dürften die Investoren weiteres Geld bereitstellen müssen, um die hohen Kosten zu decken – und wenn Mayuka weiter so spielt wie in Lausanne, werden für den Stürmer aus Sambia im Sommer kaum zweistellige Millionenofferten hereinflattern.

In der von Negativschlagzeilen erschütterten Super League muss YB den 3.Rang verteidigen, um die Europa-League-Qualifikation bestreiten zu dürfen. Die Konkurrenten sind Vereine mit deutlich tieferen Ambitionen, sie heissen Thun und Servette und liegen nur einen und zwei Verlustpunkte zurück, was die ausgesprochen schwache Spielzeit der Young Boys unterstreicht. Servette aber könnte in einigen Tagen ja gar nicht mehr existieren. Wenigstens diesbezüglich droht YB keine Einnahmeeinbusse. «Unser Heimspiel gegen Servette haben wir ja bereits bestritten», sagt Ilja Kaenzig. Die drei Punkte aus dem 3:1-Sieg gegen Servette zum Rückrundenauftakt allerdings würden YB abgezogen werden, falls es tatsächlich zum Konkurs des Genfer Traditionsvereins kommt.

Erstellt: 06.03.2012, 08:01 Uhr

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