Das sind die Schweizer EM-Gegner

Italien ist jung, wild und stark. Die Türkei besiegte jüngst Frankreich. Und Wales hat neben Gareth Bale einen Star auf der Bank.

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Italien

Die grosse Generation um Gianluigi Buffon, Andrea Pirlo und Francesco Totti, die 2006 in Berlin Weltmeister wurde, hat sich verabschiedet oder steht wie Buffon bei Juventus vor dem Karriereende. Nach komplizierten Jahren mit dem blamablen Verpassen der WM 2018 in Russland als Negativpunkt ist Italien wieder auf dem Vormarsch. Der personelle Umbruch wurde verspätet eingeleitet, die alten Helden liessen sich schwer verdrängen, doch seit Sommer 2018 ist Nationaltrainer Roberto Mancini daran, die vielen Talente in die Auswahl zu integrieren.

In der EM-Qualifikation blieben die Italiener als einziges Team neben Belgien makellos: 10 Spiele, 30 Punkte, 37:4-Tore. Sie bewiesen, auf dem Weg zurück zu alter Stärke zu sein. «Das ist ein langer Prozess», sagt Mancini, «aber wir sind Italien, wir sind vierfacher Weltmeister, es muss unser Anspruch sein, bald wieder zur Weltklasse zu gehören.»

Eine sehr talentierte Generation

Mancini setzt auf viele aufstrebende, begabte Akteure. Der feine Spielmacher Nicolo Zaniolo von der AS Roma ist 20, der giftige Federico Chiesa von der Fiorentina 22 wie Vorkämpfer Nicolo Barella. Dessen Inter-Teamkollege und Stratege Stefano Sensi ist 24, aber als grösstes Talent gilt Sandro Tonali, der kurz vor der EM erst seinen 20. Geburtstag feiern wird. Tonali ist noch bei Brescia engagiert, doch die prominenten Clubs von Barcelona bis Manchester City und alle Serie-A-Grössen buhlen um den Techniker, der in seiner Heimat als neuer Pirlo gepriesen wird.

Er erinnert an Andrea Pirlo: Der 20-jährige Mittelfeldspieler Sandro Tonali. (Bild: Claudio Villa/Getty Images)

Nicht nur wegen des 9:1 in der EM-Qualifikation kürzlich gegen Armenien, des dritthöchsten Siegs der Verbandsgeschichte, lässt die Squadra Azzurra ihre Fans träumen. Zumal Milans Goalie Gianluigi Donnarumma immer noch erst 20 Jahre jung ist – und Chelseas Jorginho sowie Marco Verratti von Paris Saint-Germain als Lenker im Aufbau mit 27 Jahren noch ein paar Saisons auf allerhöchstem Niveau agieren können. Abwehrchef ist Leonardo Bonucci von Juventus, im Angriff aber sind die Italiener nicht ganz so stark besetzt. Napolis Lorenzo Insigne ist wirblig, Lazios Ciro Immobile zumindest in der heimischen Liga äusserst torgefährlich – in 13 Partien für Lazio Rom gelangen ihm diese Saison 15 Treffer. Im Nationalteam allerdings ist Immobile, einst bei Dortmund gescheitert, nicht ganz so erfolgreich (10 Tore in 39 Länderspielen).

Trotzdem darf man den Italienern an der Euro 2020 einiges zutrauen. Zumal sie in der Gruppenphase ihre Heimspiele in Rom austragen dürfen. Den einzigen Europameistertitel feierten sie 1968, 2012 verloren sie das Endspiel gegen Spanien. «Es gibt vielleicht noch grössere Teams», sagt Trainer Mancini, «aber ich glaube, an der EM will keiner gegen uns antreten.»

17. Juni in Rom: Italien - Schweiz

Türkei

Der zweite Gegner in der «Schweizer» Gruppe A ist ein alter Bekannter. Das vielleicht bewegendste Spiel einer Schweizer Auswahl überhaupt fand 2005 in Istanbul statt. Nach einem 2:0 im Hinspiel in Bern verlor die Mannschaft des soeben verstorbenen Köbi Kuhn zwar vor 42 000 fanatischen Fans 2:4, sicherte sich dank der Auswärtstore von Alex Frei und Marco Streller aber die Qualifikation für die WM 2006.

Nach dem Schlusspfiff wurde es unschön: Tritte gab es von beiden Seiten, Sperren und Bussen wurden gesprochen. An der Heim-EM 2008 gab es dann ein Wiedersehen in der Schweiz. Im Dauerregen von Basel kam es zu einer Wasserschlacht, Hakan Yakin traf früh, die besseren Türken aber drehten die Partie und eliminierten die Schweiz schon in der Gruppenphase.

Militärgruss überschattet Qualifikation

Die Qualifikation für das Turnier im nächsten Sommer haben die Türken ziemlich souverän geschafft. Hinter Weltmeister Frankreich wurden sie Zweiter, haben in den zehn Spielen nur drei Tore erhalten und überhaupt nur einmal verloren (1:2 in Island). Die Höhepunkte der Kampagne waren ein 2:0-Erfolg zuhause gegen Frankreich und das Remis in Paris gegen den gleichen Gegner. In dieser Partie und beim Heimsieg zuvor gegen Albanien zeigten diverse Spieler einen Militärgruss – wenige Tage vorher waren türkische Truppen in Nordsyrien einmarschiert. Für dieses politische Statement sieht das Reglement der Uefa eigentlich Sperren vor – ein Entscheid steht noch immer aus.

Auffallend ist die Breite in der Offensive bei den Türken. Zehn verschiedene Torschützen zeichneten sich im Verlaufe der Qualifikation aus, der beste war mit fünf Treffern Cenk Tosun, der in Deutschland gross gewordene Stürmer von Everton. Innenverteidiger Ayan von Düsseldorf gelangen drei Treffer. Den vielleicht bekanntesten Namen trägt Hakan Calhanoglu, Freistosskünstler und aktuell bei Milan. Immer noch zum Team zählt ein alter Bekannter: Heisssporn Emre ist mittlerweile 39 Jahre alt, hat jüngst einen Vertrag unterschrieben bei Fenerbahce und zählt in der Nationalauswahl eher zur Kategorie Ergänzungsspieler. Emre war schon beim Skandalspiel in Istanbul gegen die Schweiz nicht nur dabei, sondern Protagonist und wurde danach für mehrere Spiele gesperrt. Trainer der Türken ist der 67-jährige Senol Günes, der das Nationalteam bereits von 2000 bis 2004 betreute. An der WM 2002 führte Günes die Türken bis in den Halbfinal.

21. Juni in Baku: Schweiz - Türkei

Wales

Zu Wales ist es vielleicht wichtig festzuhalten: Auch diese Mannschaft beginnt jedes Spiel mit elf Spielern. Im Fokus steht aber trotzdem vor allem einer: Gareth Bale. Zuletzt fiel der Offensivspieler von Real Madrid damit auf, die EM-Qualifikation seines Landes vor einer Fahne zu feiern, auf der geschrieben war: «Wales, Golf, Madrid. In dieser Reihenfolge.» Bei Real war die Begeisterung weniger gross. Bale war 2013 für rund 100 Millionen Euro von Tottenham nach Spanien gewechselt. Er hat wichtige Tore erzielt wie im Champions-League-Final 2014 gegen Atlético das 2:1 in der Verlängerung. Oder im Champions-League-Endspiel 2018 gegen Liverpool, als er beim 3:1 doppelt traf. Trotzdem haben sich Spieler, Club und Anhänger nie richtig gefunden.

Der zweite Star der Waliser sitzt auf der Bank: Ryan Giggs. Der frühere Offensivspieler von Manchester United übernahm die Nationalmannschaft im Januar 2018 und nach dem Rücktritt von Chris Coleman. Giggs Team geht sparsam mit Toren um. In acht EM-Qualifikationsspielen traf es nur zehn Mal – so selten wie keine andere Mannschaft, die sich bisher für die Endrunde qualifiziert hat. Bale schwang zumindest statistisch nicht obenaus: Er erzielte wie Aaron Ramsey und Kieffer Moore zwei Tore.

Zweiter Platz hinter Kroatien

Der 28-jährige Mittelfeldspieler Ramsey schien bei Arsenal einmal vor einer ganz grossen Karriere zu stehen, nach Leihgeschäften mit Nottingham Forest und Cardiff City ist er im Sommer bei Juventus angekommen. Stammspieler ist er in Turin allerdings nichts. Moore stürmt für den englischen Zweitligisten Wigan. In 16 Ligaspielen hat er bisher einmal getroffen.

In der EM-Qualifikation sicherte sich Wales in der Gruppe E mit vier Siegen, zwei Unentschieden und zwei Niederlagen hinter Kroatien den zweiten Platz. An der EM 2016 erreichte Wales völlig überraschend den Halbfinal und verlor gegen den späteren Europameister Portugal 0:2.

12. Juni in Baku: Wales - Schweiz

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Erstellt: 30.11.2019, 19:57 Uhr

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