«Dem System von Uefa und Fifa beuge ich mich nicht»

Christian Constantin wehrt sich gegen die Sanktion der Uefa. Der Präsident des FC Sion glaubt, dass sein Klub zu Unrecht von der Europa League ausgeschlossen wurde.

Wütend: Christian Constantin gibt im Kampf gegen die grossen Verbände nicht auf.

Wütend: Christian Constantin gibt im Kampf gegen die grossen Verbände nicht auf. Bild: Keystone

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Als die Uefa die Mitteilung verschickte, dass der FC Sion aus der Europa League ausgeschlossen wird, dauerte es nicht lange, bis Christian Constantin am Westschweizer Radio Auskunft gab. Dem Präsidenten des FC Sion verschlug das Verdikt keineswegs die Sprache, er rief: «Ich nehme ab jetzt Wetten entgegen, dass wir am 15. September gegen Atletico Madrid antreten.» Das Urteil ist für ihn kein Grund zur Besorgnis, sondern zu einer verstärkten Offensive: gegen die Uefa, die Fifa und die Swiss Football League.

Warum wollen Sie die Sanktion der Uefa nicht akzeptieren?
Wieso sollte ich diese Ungerechtigkeit einfach hinnehmen? Nein, nein, nein, ich kämpfe dagegen.

Wie?
Mit allen verfügbaren Mitteln. Wir können verschiedene zivile Gerichte anrufen, im Kanton Wallis, dem Sitz der Olympique des Alpes SA (FC Sion), im Waadtland, dem Sitz der Uefa. Und dann werden wir sehen, ob wir es so fertig bringen, uns gegen eine Pseudo-Gerechtigkeit der Uefa erfolgreich zu wehren und diesen Leuten die Realität aufzuzeigen. Dem System von Uefa und Fifa beuge ich mich ganz bestimmt nicht.

Hat Sie die Sanktion der Uefa nicht überrascht?
Nein. Bei der Auslosung der Europa-League-Gruppen in Monaco wurden erste Andeutungen gemacht. Es war alles abgekartet. Die Disziplinarkommission beginnt ihre Sitzung um 17 Uhr. Und weniger als eine Stunde später ist ihr Urteil bereits verkündet. Ist das seriös? Kann man diesen Fall in so kurzer Zeit abhandeln? Unmöglich! Ausserdem stand auf der Website von Celtic Glasgow bereits um 16.56 Uhr, dass wir ausgeschlossen werden.

Am Ursprung der Geschichte stehen aber allein Sie. 2008 stifteten Sie den ägyptischen Goalie Essam El Hadary zu Vertragsbruch mit al-Ahli an.
Moment! Das war kein Fehler!

Sondern?
Die Verantwortlichen von al-Ahli versprachen El Hadary damals, den Klub verlassen zu dürfen – bis sie die wütenden Proteste der Fans zu spüren und Angst bekamen. Deswegen drehten sie alles um und behaupteten, dass El Hadary unbedingt gehen wollte.

Sie würden El Hadary also wieder verpflichten.
Ich wüsste nicht, warum ich das nicht wieder tun sollte.

Der Transfer hatte chaotische Folgen. Haben Sie noch den Überblick, wer gegen wen und wo klagt?
Natürlich.

Und für Sie ist sicher auch klar: Sie haben recht.
Das Dossier spricht keine andere Sprache. Wir wurden von der Uefa zu Unrecht ausgeschlossen.

Kennen Sie den Grund schon?
Wir erhalten die schriftliche Begründung erst Anfang Woche. Aber ich kann mir gut vorstellen, was darin stehen wird. Es wird sicher geltend gemacht, dass es unseren neuen Spielern nicht erlaubt war, ihre Qualifikation über ein Zivilgericht zu erwirken. Aber es ist doch eine Tatsache, dass alle Spieler, die in den Playoff-Spielen gegen Celtic Glasgow eingesetzt wurden, lizenziert waren.

Sie klagen auch gegen Uefa-Generalsekretär Gianni Infantino und seinen Fifa-Kollegen Jérôme Valcke. Warum?
Weil sie dem Schweizer Verband gemeinsam einen Brief geschrieben und darin Sanktionen gegen Klubs und die Nationalmannschaft angedroht haben, falls die Transfersperre gegen Sion nicht durchgesetzt werde. Das ist nichts anderes als Nötigung.

Sie erlitten aber eine Niederlage. Auf die Klage wurde nicht eingegangen.
Dagegen rekurriere ich. Und wenn sich herausstellt, dass Michel Platini (Uefa-Präsident) und Sepp Blatter (Fifa-Präsident) ihre Generalsekretäre zu diesem Schreiben ermuntert haben, werde ich auch gegen sie vorgehen. Aber zuerst muss ich schauen, dass wir den Platz in der Europa League zurückbekommen.

Wer spielt am 15. September in Madrid gegen Atletico: Celtic? Oder doch Sion?
Sion. Wir tun alles dafür.

Wie viele Anwälte beschäftigen Sie mit diesem Fall?
Acht.

Das kostet eine Menge Geld.
Natürlich. Aber ich führe ein Unternehmen mit einem Budget von jährlich rund 20 Millionen Franken. Ich will vorwärtskommen und den Klub besser machen. Wenn ich das aber nicht kann, wenn ich keine Transfers machen darf aus für mich unerfindlichen Gründen, setze ich mich für mein Recht ein. Und die Anwälte tun das genauso.

Macht der dauernde Kampf mit mächtigen Verbänden Spass?
Ich mache das mit Leidenschaft und Vergnügen, weil es um das Recht geht, das dem FC Sion zusteht. Und ich habe die Energie, um bis ans Ende zu gehen.

Erstellt: 04.09.2011, 15:54 Uhr

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Das Internationale Sportgericht CAS wird kaum vor Ende Monat ein Urteil fällen. Der am Freitag von der Uefa verhängte Ausschluss des FC Sion aus der Europa League ist nur eine Ebene des komplexen Falls. Ausstehend ist weiterhin ein Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs CAS, der eine Antwort auf die Frage geben muss, ob die Swiss Football League (SFL) den Walliser Neuverpflichtungen die Lizenzen zu Recht verweigerte. Ein Entscheid ist nicht vor Ende Monat zu erwarten. Bis zum 20.September kann die SFL noch einmal ihre Argumente darlegen. Ebenfalls hängig ist der Entscheid des Zivilgerichts von Martigny, das den sechs Spielern am 3. August per superprovisorischer Verfügung die Spielberechtigung zugestand. Ausserdem ist damit zu rechnen, dass die Zahl der Proteste in Spielen mit Sion-Beteiligung zunehmen wird. (pmb)

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