Der Abgang des Nazi-Präsidenten

Die Nähe zur rechten Szene wurde Lars Weber zum Verhängnis: Er trat als Vorsitzender des ostdeutschen Fussballclubs Wismut Gera zurück.

Untragbar: Lars Weber sorgt mit seiner braunen Gesinnung für Wirbel.

Untragbar: Lars Weber sorgt mit seiner braunen Gesinnung für Wirbel. Bild: alpha-dsd.de (Screenshot)

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Die BSG Wismut Gera ist ein kleiner Verein in der unbedeutenden Thüringenliga, der sportlich kaum für Schlagzeilen sorgt. Und doch berichteten namhafte deutsche Medien in den letzten Tagen über den Sechstligisten. Oder besser: über seinen Präsidenten. Lars Weber heisst er und war bis Sonntag Präsident. Einen Monat lang. War, weil er nach verschiedenen Berichten, die seine Sympathie für faschistische Kreise offenlegten, zurücktrat, wie das Onlineportal der «Zeit» berichtete. «Durch die öffentliche Darstellung im Zusammenhang mit Lars Weber ist dem Geraer Traditionsverein ein Imageschaden entstanden, der seine Ursache in der undifferenzierten Betrachtung hat», heisst es auf der Clubwebsite.

Der 40-jährige Kampfsportler hat in der Region einen zweifelhaften Ruf. Nicht wenige siedeln ihn seit fast zwanzig Jahren in der rechten Szene an. Als Weber vor sieben Jahren einen Gewerkschafter anzeigte, der ihn als Nazi bezeichnet hatte, lancierte er eine Schadensersatzklage, scheiterte aber in zwei Instanzen. Im Urteil des Oberlandesgerichts Jena von 2009 heisst es, die Bezeichnung sei gerechtfertigt, weil «Weber mit der rechten Szene in Zusammenhang steht». Weber führte beispielsweise unter einem Pseudonym eine Facebook-Seite, auf die er ein Bild stellte, das ihn mit dem verurteilten Holocaust-Leugner Marcel Wöll zeigt. In einem Laden, der verschiedene Neonazi-Kleidung anbietet, findet sich ein T-Shirt mit dem Namen «Lars Weber».

Obwohl der vorbestrafte Weber als Präsident abgetreten ist, bleibt er vorerst mit Wismut Gera verbandelt. Er ist zuständig für das Sponsoring, zudem stellt seine Firma Alpha DSD den Sicherheitsdienst. Das Thema dürfte für den ostdeutschen Sechstligisten also noch nicht abgehakt sein. Auch, weil Weber nicht die einzige indiskutable Personalie ist. Nachwuchsleiter Jens Seidel begann Trainingseinheiten laut Insidern üblicherweise mit «Heil Hitler!» und beendete sie mit «Sieg Heil!». Bei einem Nachwuchsturnier beschimpfte er Gegner als «Judenschweine». Seidel musste nach diesen Vorfällen zwar aus dem Vorstand zurücktreten, in den er 2010 mit Weber aufgerückt war. Nachwuchstrainer ist er aber noch heute.

(kai)

Erstellt: 08.10.2013, 10:28 Uhr

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