Der Aufsteiger träumt schon von der Super League

Die Challenge League erlebte am ersten Spieltag der neuen Saison eine erste, grosse Überraschung: Aufsteiger Schaffhausen schlug Aufstiegsaspirant Winterthur 2:1.

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Zwei Jahre lang war der FC Schaffhausen in der Anonymität verschwunden, mit zwei Aufstiegen in Serie kehrte er auf diese Saison hin in den Profifussball zurück. Und bei seiner Rückkehr sorgte er am Montagabend für ein erstes Ausrufezeichen: Das Team aus der Nordschweiz bezwang Winterthur 2:1, jenen Club also, der von sich sagt: «Wir müssen nicht aufsteigen, aber wir dürfen.» In der vergangenen Saison waren die Zürcher Dritter geworden, das Stadion Schützenwiese wird gegenwärtig modernisiert und genügt nachher höheren Ansprüchen.

Nun aber der Fehlstart ins neue Fussballjahr: In der 88. Minute sorgte Schaffhausen-Stürmer Patrick Rossini mit seinem zweiten Treffer des Abends, einem herrlichen Kopfballtor, für die späte Entscheidung. «Wir hatten das nötige Glück», resümierte Maurizio Jacobacci, der frühere Nationalliga-A-Spieler, der Schaffhausen nach dem bitteren Abstieg in die 1. Liga vor zwei Jahren übernommen hatte. Dies umso mehr, als in der Nachspielzeit Winterthurs auffälliger Angreifer Patrick Bengondo nur den Pfosten traf. «Das Spiel war offen», bedauerte Boro Kuzmanovic, Trainer des FCW.

Rossinis keckes Ziel

Nach dem Schlusspfiff vor fast 2600 Zuschauern im Stadion Breite machte sich bei den Schaffhausern eine ziemliche Euphorie breit. «Mein Ziel ist der Aufstieg in die Super League», sagte Torschütze Rossini gegenüber den «Schaffhauser Nachrichten» – was Winterthur wolle, könnte Schaffhausen auch versuchen, fand er. Der 25-jährige Tessiner, Bruder des Italien-Legionärs und 1-fachen Schweizer Nationalspielers Jonathan Rossini, ist bei Schaffhausen Torschütze vom Dienst: Die vergangene Saison schloss er mit 27 Treffern ab; nun steht er bereits wieder bei zwei Toren.

Sein Trainer relativiert Rossinis Aussage am Tag darauf. «Es ist gerade einmal eine Partie gespielt», sagt Jacobacci und fügt an: «Um Winterthur zu schlagen, mussten wir an unser Limit gehen.» Er orientiere sich für sein Saisonziel nicht an der Spitze. «Zuallererst jedenfalls», sagt er, «müssen wir schauen, dass wir mit dem Abstieg so schnell wie möglich nichts zu tun haben.» Allerdings beträgt das Budget des Clubs 2,3 Millionen Franken und damit 400'000 mehr als in der 1. Liga, als er als einziger Verein einen Profibetrieb aufrechterhalten hatte – und mit diesen 2,3 Millionen Franken bewegt sich Schaffhausen im oberen Mittelfeld. Einzig Servette, Winterthur, Wil und Vaduz steht noch mehr Geld zur Verfügung.

Wie schwer wiegt der Ausfall von Dos Santos?

Der FC Schaffhausen scheint aber gerüstet für mehr als nur den Abstiegskampf. Das Gros des 1.-Liga-Erfolgsteams blieb beisammen, und Jacobacci verstärkte es mit Spielern, «die wissen, worauf es in der Challenge League ankommt». Mit André Gonçalves (FCZ), Pascal Thrier (Wohlen) oder dem Super-League-erprobten Dejan Sorgic (Luzern). Dass sich der frühere GC-Mittelfeldspieler Antontio dos Santos gegen Winterthur einen Kreuzbandriss und weitere Verletzungen im Knie zugezogen hat und monatelang ausfallen wird, ist der Wermutstropfen nach dem geglückten Saisonauftakt. «Ein bitterer Verlust», sagt Jacobacci.

Aber dann wäre da ja noch Gianluca Frontino, Sturmpartner von Patrick Rossini. Die Partie gegen Winterthur verpasste er wegen einer Gelbsperre aus der vergangenen Saison, er kommentierte sie stattdessen für das Lokalradio Munot. 26 Treffer hatte Frontino 2012/13 erzielt, das Sturmduo war somit für 53 Schaffhauser Tore verantwortlich – über 70 Prozent. «Sie verstehen sich blind», erklärt Jacobacci die selten erreichte Quote, «und wir können wahnsinnig viel von ihnen profitieren.» Am kommenden Sonntag laufen sie erstmals Seite an Seite auf, im Heimspiel gegen Lugano. Die Tessiner haben eine Budgetreduktion hinter sich und gehören nicht zu den Favoriten auf einen Spitzenplatz. Zudem dürften sie ihren besten Stürmer verlieren, den Torschützenkönig der vergangenen Challenge-League-Saison: Armando Sadiku wird laut Lugano-Präsident Angelo Renzetti in den kommenden Tagen nach England wechseln.

Erstellt: 16.07.2013, 15:18 Uhr

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