«Der Doppeladler war ein Grund, warum wir nicht weiterkamen»

Die Auslandprofis Granit Xhaka und Lia Wälti erklären das Fussballjahr 2018.

Granit Xhaka und Lia Wälti diskutieren im Interview über das Fussballjahr 2018. Bild: Britta Jaschinski/laif

Granit Xhaka und Lia Wälti diskutieren im Interview über das Fussballjahr 2018. Bild: Britta Jaschinski/laif

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Lia Wälti, Granit Xhaka, Doppeladler ist das Wort des Jahres 2018 ...
Granit Xhaka: ... das wollte ich eigentlich noch auf Instagram posten, habe es dann aber doch lieber gelassen. (lacht) Aber schon speziell, dass mit einem halben Jahr Verspätung doch noch gewürdigt wird, welchen Beitrag wir zu einer Diskussion geleistet haben, die wichtig ist für die Schweiz.

Was braucht es, bis mal der Frauenfussball ein Wort des Jahres kreiert?
Lia Wälti: Ich denke nicht, dass es je so weit kommen wird. Eigentlich waren wir Schweizerinnen in den letzten Jahren ja sehr erfolgreich. Und doch ist relativ wenig passiert. Sei es vom Verband aus, was er investiert, aber auch vom Interesse der Leute her. Und wenn es bis jetzt nicht passiert ist ...


Der Auslöser einer grossen Debatte: Granit Xhaka jubelt und zeigt den Doppeladler. Video: SRF


Die Schweizer Frauen haben im abgelaufenen Jahr die Qualifikation für die WM knapp verpasst, die Männer den WM-Viertelfinal. Wie gehen Sie beide mit Enttäuschungen um?
Xhaka: Ich drehe den Spiess möglichst schnell um, ich lerne daraus und kann so sehr oft etwas Gutes mitnehmen.
Wälti: Ich habe mich immer wieder gefragt, wie ihr mit dieser Enttäuschung umgegangen seid, was ich gemacht hätte, wenn die ganze Schweiz (sie formt mit den Händen den Doppeladler) ... Ich war an dem Tag beim «Blick»-Talk mit Ottmar Hitzfeld. Und es ging so sehr nur darum (sie macht wieder den Doppel­adler) , dass ich mich gefragt habe, was da gerade geschieht. Ich wurde gefragt, wie ich mit der Situation umgehen würde, und hatte keine Ahnung. Ich denke, dass mich so etwas richtig runterziehen würde. Gut, du warst ja wenigstens nicht alleine, ihr wart drei.
Xhaka: Ja, der Captain war noch mit dabei. (schmunzelt)
Wälti: Aber habt ihr es damals auch so mit Humor genommen?
Xhaka: Also Steph (Stephan Lichtsteiner, Red.) hat uns schon ein bisschen ge­rettet.
Wälti: Schon, oder?
Xhaka: Da muss man ehrlich sein. Wenn Steph das nicht auch gemacht hätte, dann hätte es auch anders weitergehen können. Er zeigte eine unglaubliche ­Solidarität.

«Das war ­sicher mit ein Grund, warum wir den Viertelfinal nicht erreicht haben. Alles drehte sich nur noch um den Jubel.»Granit Xhaka

Warum sprechen Sie eigentlich bei diesem Spiel von Enttäuschung, Lia Wälti? Die Schweizer haben gegen Serbien ja 2:1 gewonnen?
Wälti: Eben darum. Es ging ja nur noch um den Jubel. Mich hat das sowieso genervt. Emotionen im Spiel kannst du nicht immer steuern. Du kannst sie oft auch nicht erklären. Und viele, die darüber sprechen oder schreiben, waren selbst noch nie in einer derartigen Extremsituation. Irgendwie kann ich es aus Sportlersicht also nachvollziehen. Und doch frage ich mich: Wie geht man damit um? Klar, so eine Situation kann dich stärker machen als Person, als Spieler – vielleicht sogar als Verband.

Haben denn die Diskussionen dazu geführt, dass das Team stärker zusammengerückt ist?
Xhaka: Jein. Ich denke, das Ganze war sicher mit ein Grund, warum wir den Viertelfinal nicht erreicht haben. Es ging nur noch um diesen Jubel. Was mich am meisten enttäuscht hat: Warum schreibt man nicht über unseren Sieg? Nein, es wurde nur darüber, darüber, darüber gesprochen. Ich würde nicht sagen, dass es zwischen uns Spieler kam. Aber du spürst halt schon, wie viel sich nur noch um dieses eine Thema dreht.

Wie fühlten Sie sich als Auslöser?
Xhaka: Das Ganze kam aus den Emotionen, war überhaupt nicht geplant. Ich hätte nie gedacht, dass ich je einen kompletten Blackout haben könnte und einfach alles vergessen würde, was links und rechts ist.

Was braucht es, um sich auf dem Fussballplatz völlig zu vergessen?
Wälti: Im Männerfussball ist halt alles noch einmal grösser. Ich denke nicht, dass im Frauenfussball diese krassen Emotionen drin sind. Das hat auch damit zu tun, dass bei euch Millionen von Menschen zuschauen, was bei uns halt nicht der Fall ist. Aber manchmal braucht es auch gar nicht eine familiäre Vorgeschichte oder viele Zuschauer. Da bist du einfach in einem wichtigen Spiel, kannst die Partie in einer Situation entscheiden, da gibt es nur noch diesen einen Moment, und du vergisst alles um dich herum. Ich wollte auch nicht alte Wunden aufreissen.
Xhaka: Nein, nein. Wir können darüber doch offen sprechen. Was ich einfach erwarte von den Leuten, ist ein gewisses Verständnis.

Aber können Menschen, die nie in Ihrer Situation waren, verstehen?
Xhaka: Achtzig Prozent der Schweizer können es nicht. Ach, nicht nur der Schweizer, die allermeisten Menschen – kein Vorwurf – können dies nicht. Und wenn man die Hintergründe nicht kennt, ist es auch schwer, gewisse Dinge nachzuvollziehen.

Lia Wälti, Sie haben keinen Migrations­hintergrund. Verstehen Sie?
Wälti: Ja. Also nicht die politischen Hintergründe. Aber wenn du in einem Büro arbeitest, hast du keine Kamera, die dich ständig beobachtet. Dort machen die Menschen auch Fehler, man sieht sie einfach nicht. Auf dem Fussballplatz aber wird jede Bewegung verfolgt. Jeder macht im Alltag Dinge, von denen er lieber hätte, dass nicht alle Leute sie sehen, kommentieren und werten.

Aber vielleicht ist das die Aufgabe des Fussballs? Dass er Dinge sichtbar macht, die schon lange unausge­sprochen im Raum schweben? Und dann reden endlich mal alle über ein Thema, das sehr wichtig ist, wie in diesem Beispiel Integration.
Wälti: Also ich fand, dass etwa direkt in diesem WM-Studio nach dem Spiel keine gute Diskussionskultur herrschte. Da ging es irgendwie nur um Polemik. Schade, das Thema ist ja ein wichtiges für die Schweiz.

Und sonst – in Ihrem Umfeld, in Ihrer Familie?
Wälti: Mein Vater ist sowieso ein Fan der Secondos. Wir alle wissen ja, dass die Schweiz im Fussball ohne sie nicht da wäre, wo sie jetzt ist. Wenn du die Nachwuchsteams anschaust: Da sind viele Spieler Doppelbürger. Das ist auch ein Spiegel unserer aktuellen Gesellschaft. Wobei – du bist ja gar kein Doppel­bürger, oder, Granit?
Xhaka: Nein.
Wälti: Eben, das wissen die meisten ja gar nicht. Man nimmt einfach irgendwie alles, was man gegen euch verwenden kann. Aber wenn die Schweiz Erfolg hat, seid ihr wieder ...
Xhaka: ... die Guten ...
Wälti: ... genau. Aber das ist halt so eine Story, von der ich nicht weiss, ob sie sich jemals ändern wird.

Wie gehen Sie mit der Wut um, die sich via die sozialen Medien über Ihnen entlädt?
Xhaka: Das gehört dazu. Nach dem Serbienspiel erhielt nicht nur ich viele Nachrichten, sondern die ganze Familie. Du musst vorher überlegen, ob du überhaupt auf sozialen Medien unterwegs sein willst. Und wenn ja, musst du mental stark sein. Denn du liest den Scheiss ja auch – also ich lese ihn –, und wenn einer da mental nicht bereit ist, würde ich ihm empfehlen, gleich ganz auf Social Media zu verzichten.

War die Diskussion nicht etwas weniger gehässig als früher? Es gab immerhin die ironische Brechung, als Kinder und Grümpelturnier-Kicker den Doppeladler machten.
Xhaka: Im Team haben wir zunächst darüber gelacht. Wirklich! Gleich darauf hat ein Spieler von Saudiarabien den Doppeladler gemacht, Axel Witsel macht ihn seit Jahren. Und dann bekommst du Videos von Freunden geschickt: Schau mal, hier macht einer den Doppeladler und spielt in der zehnten Liga. Es gibt schon viele Leute, die es von der leichten Seite genommen haben. Aber es gab einige, die so lange so tendenziös darüber berichtet haben, bis es eskaliert ist.

Die Schweizerinnen haben bislang zwei grosse Turniere erreicht. Beide Male wurde medial das Outing einer lesbischen Spielerin thematisiert.
Wälti: Und das hat das Team auch beeinflusst. Es ging nur noch um dieses Thema. Eigentlich war es das Gleiche wie bei euch beim Doppeladler – einfach in einem etwas anderen Ausmass.

Ein anderes Ausmass haben auch die Geldflüsse. Was ungleichen Lohn für dieselbe Arbeit betrifft, sind Sie wohl zwei Extrembeispiele.
Wälti: Die Summen, die derzeit im Männerfussball herumgeboten werden, sind immens. Ich erwarte nicht, dass ich je so viel Geld verdiene, und bin mir auch sicher, dass das alleine nicht glücklich macht. Mittlerweile können Frauen hier in England vom Fussball leben. Das war ein Schritt, der kommen musste, weil das Niveau des Frauenfussballs sonst nie steigen würde. Aber schauen Sie die Schweiz an: Meine Schwester spielt in der Nationalliga A und muss daneben hundert Prozent arbeiten. Deswegen wird sich der Schweizer Frauenfussball auch nie gross weiterentwickeln.


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Die Frauen werden den Lohn­rückstand also nie aufholen?
Wälti: Lohngleichheit zwischen Männern und Frauen wird im Fussball nie ein Thema sein. Wer von den Männern interessiert sich wirklich für Frauenfussball? Ich bin auch ganz ehrlich: Wenn ich wählen kann, ob ich einen Männermatch in der Champions League schauen kann oder einen der Frauen, dann schaue ich auch das Männerspiel. Darum verstehe ich auch, dass Männer, die immer nur Männerfussball schauen, denken, Frauenfussball sei langweilig. Weil du es einfach nicht vergleichen darfst. So, wie du auch Frauentennis nicht mit Männertennis vergleichen darfst. Ich denke, wir könnten viel eher Leute erreichen, die sich bislang gar nicht so für Fussball interessierten – und dann mal an ein Frauenspiel gehen. Und die dann sagen: Es wird weniger theatralisch gespielt als bei den Männern, es geht mehr um den Fussball.

«Man müsste die Männer vielleicht auch mal fragen, ob sie sich fürs ‹Playgirl› ausziehen.»Lia Wälti

Nervt es Sie also nicht, dass Sie als Captain von Arsenal so viel weniger verdienen als Granit Xhaka, der ja im selben Verein spielt?
Wälti: Ich weiss gar nicht, ob ich den Traum hätte, Profi bei den Männern zu sein. Einerseits schon, klar. Aber wir Frauen können zum Beispiel ohne Probleme am Samstag mal Party machen, wenn wir kein Spiel haben. Und bei euch? Es ist doch eben wieder was öffentlich geworden von Mesut Özil im Ausgang, oder? Da bin ich lieber im Frauenfussball und lebe etwas bescheidener. Die Männer können öffentlich gar nichts machen. Ich bin froh, kann ich machen, was ich will. Mich kennt niemand, und niemand verurteilt mich.

Jetzt mal ehrlich: Ist das Leben als Fussballprofi wirklich so schlimm?
Xhaka: Du bist halt jeden Tag unter Druck. Wenn du mal rausgehst, kannst du nicht sein, wie du wirklich bist. So, wie du sein möchtest, bist du eigentlich nur, wenn du zu Hause bist und die Tür abschliesst. Alles, was ausserhalb der Haustür passiert, ist vor allem Show.

Überlegen Sie sich also, bevor Sie aus der Haustür gehen, welche Rolle Sie darbieten wollen?
Xhaka: Nein, das nicht. Ich gehe zu ­Tesco oder zu Sainsbury einkaufen, ich schiebe brav mein Wägelchen, alles ganz normal, kein Problem. Ich versuche zu sein, wie ich bin. Aber es gibt wirklich Fussballer, die sich verstecken, die sich die Einkäufe nur nach Hause bestellen. Wenn ich in die Stadt gehe, verstecke ich mich unter einer Mütze. Wenn dann einer kommt und ein Foto mit mir machen will, stehe ich gerne hin. Bei zwei, drei auch noch. Aber wenn es mehr werden, überlegst du dir schon: Soll ich weitergehen, soll ich wieder nach Hause? Wissen Sie, was ich meine?

Im Gegenzug müssen Sie anders als die Frauen bei einer Verletzung nicht um Ihren laufenden Vertrag fürchten. Durch die Football Leaks wurde bekannt, dass in England Spielerinnen nach drei Monaten gekündigt werden dürfen, wenn sie länger verletzt sind.
Wälti: Also ich habe eine Extraklausel in den Vertrag schreiben lassen, damit das nicht geschehen kann.
Xhaka: Habe ich das richtig verstanden? Man kann euren Vertrag auflösen, wenn ihr länger verletzt seid?
Wälti: Ja, aber nicht jeder Verein macht das. Im Endeffekt sind es nur wenige, die diesen Vertragspunkt umsetzen. Aber das ist halt wieder so etwas, das aufzeigt, wie weit der Frauenfussball vom Männerfussball entfernt ist.

Und wie steht es mit sexistischen Witzen über Frauenfussball? Ist wenigstens das besser geworden?
Wälti: Ich habe bei YB bei der U-16 mit den Jungs gespielt und musste mich bei den Spielen jeweils früher als die anderen in der Garderobe umziehen. Da konntest du sicher sein, dass fünfmal unter einem Vorwand die Tür aufging, wenn du dich umgezogen hast. Ich glaube, heute ist Frauenfussball in der Gesellschaft breiter akzeptiert, dadurch ist es auch besser geworden. Und wenn trotzdem mal ein dummer Spruch kommt, kann ich damit umgehen.

Trotzdem, Granit Xhaka: Wann wurden Sie das letzte Mal gefragt, ob Sie twerken können? So, wie es Ada Hegerberg ergangen ist, als Sie den Ballon d’Or erhalten hat?
Xhaka: Puuh, tanzen und ich ... Ich kann gar nicht tanzen, zum Beispiel. Aber für mich war die Frage eigentlich gar nicht so schlimm, sage ich ganz ehrlich. Für dich schon?
Wälti: Es geht doch darum, dass man einem Mann so eine Frage gar nie stellen würde. Man würde nie einen Weltfussballer fragen, ob er twerken kann.
Xhaka: Aber sie sagt doch selbst, dass übertrieben war, was danach alles geschrieben wurde ...
Wälti: Ich habe mit ihr zusammengespielt. Und sie war genau die richtige Person für so eine Frage, denn sie ist knallhart. Ja, sie sagte danach, dass sie die Frage in dem Moment gar nicht so wahrgenommen habe ...
Xhaka: ... genau das meine ich.
Wälti: Wenn du es aber auseinandernimmst, dann ist für mich klar: Einen Kylian Mbappé würdest du in diesem Moment nie so etwas fragen.
Xhaka: Aber in dem Moment nimmst du es eben gar nicht so wahr ...


Video: DJ stellt Weltfussballerin sexistische Frage

Die Frage, die Ada Hegerberg mehr Berühmtheit verschaffte, als sie sich wohl gewünscht hat. Video: AP


Sie haben sich vorhin darüber beklagt, dass Ihre sportlichen Erfolge wegen des Doppeladlers zu wenig gewürdigt worden seien. Und jetzt finden Sie es okay, wenn die Weltfussballerin im Moment der Preisübergabe zu lasziven Hüftbewegungen befragt wird?
Xhaka: Ich habe das Ganze auch nur ­gelesen. Und eben auch, dass sie es als nicht sooo schlimm empfunden hat.
Wälti: Verrückt ist, dass es am Ende ­sogar die Aufmerksamkeit für den ­Frauenfussball gesteigert hat. Obwohl es etwas war, das eigentlich nicht hätte so laufen sollen.

Aber was sagt das aus, wenn der Frauenfussball so etwas braucht, um in die Schlagzeilen zu kommen: Twerken, Outings?
Wälti: Man müsste vielleicht die Männer mal fragen, ob sie sich fürs «Playgirl» ausziehen. In der Bundes­liga erhält ja praktisch jede dritte Spielerin eine Anfrage des «Playboy».

Was bekommen Sie eigentlich von den Brexit-Diskussionen mit? Sie als Ausländer könnten von den Folgen direkt betroffen sein.
Xhaka:a Boah – jeder sagt etwas anderes. Natürlich diskutieren wir darüber in der Kabine, aber keiner weiss, was es genau bedeuten wird. Ich glaube eher nicht, dass ich morgen ein Visum brauche, wenn ich hier spiele. Aber vielleicht meine Frau und mein Vater.
Wälti: Du kannst nur spekulieren. Ich denke, für die Frauen, die bereits hier spielen, ist das nicht so gefährlich. Es betrifft wohl eher jene, die noch nach England kommen möchten. Ich glaube, meinen Berater beschäftigte das zuletzt mehr. Er machte sich Sorgen wegen der Arbeitsbewilligung.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 05.01.2019, 16:14 Uhr

Lia Wälti und Granit Xhaka

Die 25-jährige Lia Wälti ist 81-malige Nationalspielerin und steht seit Sommer 2018 bei Arsenal unter Vertrag. In London lebt die Emmentalerin zum ersten Mal nur für den Fussball. Zuvor spielte sie fünf Jahre in Potsdam, wo die gelernte Bürokauffrau nebenher das Fachabitur ablegte. Als Juniorin spielte sie bis in die U-16 in Knabenteams. Der um ein Jahr ältere Granit Xhaka spielt bereits seit 2016 bei Arsenal. Er wuchs in Basel als Kind kosovo-albanischer Eltern auf und gab mit 17 sein Debüt als Profi. Sein Vater Ragip verbrachte drei Jahre im ehemaligen Jugoslawien als politischer Gefangener im Gefängnis. Sein älterer Bruder Taulant spielt für das Nationalteam Albaniens.

Der Jubel, der die Migrationsdebatte hochkochen liess

Es war der Moment, in dem die WM für die Schweizer zeitgleich die Wendung zum Guten und zum Schlechten nahm. Erst gelang Granit Xhaka gegen Serbien ein Traumtor, das den Weg zum 2:1-Sieg und in den Achtelfinal ebnete. Dann zeigte der Basler mit kosovarischen Wurzeln den Doppeladler, ein albanisches Freiheitssymbol, Xherdan Shaqiri und Stephan Lichtsteiner zogen nach. Innert Sekunden entwickelte sich eine schweizweite Diskussion über Migration, Einbürgerung, Integration und Ausgrenzung. Das Team selbst wirkte danach mental nicht mehr frisch und schied gegen Schweden aus. Zugleich stellte Alex Miescher als Generalsekretär des Schweizerischen Fussballverbandes (SFV) in dieser Zeitung die grundsätzliche Frage, ob die Schweiz überhaupt noch Doppelbürger wolle. Das reichte, damit er zurücktreten musste – als Sündenbock für einen insgesamt überfordert wirkenden Verband. Der Doppeladler wurde zum Wort des Jahres 2018 in der deutschen und der italienischen Schweiz ernannt. (fra/ete)

Und jetzt? Gespräche zum Jahreswechsel

Zum Jahreswechsel unterhalten wir uns mit 13 Interviewpartnern über das, was die Schweiz und die Welt bewegt. Zu Beginn der Gespräche steht immer ein Bild aus dem vergangenen Jahr. Und unsere Frage: Was wird jetzt daraus?

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