Der FC Guardiola

Bayern München ist Meister und allen entrückt. Und wird noch besser.

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Es war ein paar Tage vor Weihnachten 2012, Uli Hoeness war nach New York gereist, um mit Pep Guardiola alles klar zu machen. Viele Stunden sassen sie zusammen in Guardiolas Apartment in 320 Central Park West, seine Frau hatte gekocht, und jetzt nahm Pep seinen Laptop hervor, auf dem Bildschirm erschienen immer wieder neue Seiten, die ihm der Trainer präsentierte, die Zukunft des FC Bayern München, mögliche Spielsysteme und mögliche Aufstellungen, ganz viele Details, über jeden Spieler hatte Guardiola einiges zu erzählen. Es wurde ein langer Abend, und Hoeness staunte nachher: «Er wusste alles, einfach alles.» Am Ende unterzeichneten die beiden den Vertrag, den Hoeness mitgebracht hatte.

Monate später hatte Bayern alles gewonnen, das Triple geholt, die Meisterschaft, den Cup und auch die Champions League, besser und erfolgreicher könne Bayern gar nicht spielen, bewundert wurden die Münchner, auch für ihr schönes Spiel. Der Trainer hiess Jupp Heynckes, er hatte schon früh entschieden, dass er aufhören wolle in diesem Sommer, aber er, der eigentlich schon abgeschlossen hatte mit dem Fussballgeschäft, spürte wieder Spass, war zwar 67, aber fühlte und gab sich jung, und wenn Bayern keine Lösung für die Nachfolge gefunden hätte, wäre er bereit gewesen, weiterzumachen, er hätte es gerne getan.

Und so kam eben die Frage: ­Warum kommt überhaupt Guardiola, der zwar vielleicht begehrteste Trainer der Welt, der ein Sabbatical eingelegt hatte? Besser als mit Heynckes kann Bayern doch gar nicht sein.

Die Frage stellt heute keiner mehr. Heynckes hat sich auf seinen Bauernhof zurückgezogen, er weiss, dass vieles sein Verdienst ist, wie die Mannschaft heute dasteht, es sind weitgehend noch seine Spieler, aber auch Heynckes sieht: Dieser FC Bayern ist noch eine Stufe höher gerückt, hat Fussball, deutschen Fussball, der so lange von ganz anderen Tugenden lebte, zur Kunst gemacht, zu einem Spiel voller Schönheit, mit Spielern in ständiger Bewegung, die nur eines wollen, den Ball, den Ball, immer den Ball und ihn möglichst nie weg­geben. Bei seiner ersten Medienkonferenz hatte Guardiola noch gesagt, er wolle sich zu 100 Prozent den Spielern anpassen und dass «der Fussball den Spielern gehorche, nicht dem Trainer».

Aber die Bayern-Spieler gehorchen dem Trainer, sie erfahren immer erst kurz vor der Abfahrt zu einem Spiel, wer nun zur Mannschaft gehört und wer auf die Bank muss, es trifft immer wieder andere, und während des Spiels steht Guardiola fuchtelnd und mit den Armen rudernd wie ein Dirigent am Spielfeldrand, verändert Systeme, verschiebt Figuren, bringt Neue und stellt alles um, reagiert auf Situationen. Er ist immer hellwach. Und er denkt immer nur an Fussball, «nicht 24, sondern 25 Stunden am Tag», hat Bayerns Sportvorstand Sammer gesagt.

Das Resultat ist: So früh Meister wie noch nie. Bisher eine ganze Saison ungeschlagen. Die meisten Siege. Der grösste Abstand zum Zweiten. Die meisten Tore. Die wenigsten bekommen. Ganz viele Rekorde.

Und das Demütigendste für die Gegner in der Bundesliga: Guardiolas Münchner Jahre haben erst begonnen. 2015, 2016, schon jetzt scheinen die nächsten Saisons entschieden. Kaum ein Spieler wird weggehen, ein Lewandowski kommt. Bayern wird noch besser.

Erstellt: 26.03.2014, 06:52 Uhr

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