«Der FCB ist den Tottenham-Fans ein Begriff»

Nimmt ein Club, der in der Premier League um einen Podestplatz kämpft, den FC Basel überhaupt ernst? Tagesanzeiger.ch/Newsnet hat sich vor dem Europa-League-Viertelfinal im Umfeld von Tottenham Hotspur umgehört.

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Nicht viel hat gefehlt, und der FC Basel würde sein Viertelfinal-Hinspiel am 4. April nicht in London, sondern in Mailand austragen. Im Achtelfinal reiste Tottenham Hotspur mit einem komfortablen 3:0-Vorsprung gegen Inter Mailand nach Italien, um dort nach 120 aufreibenden Minuten und einer 1:4-Niederlage nur dank der Auswärtstorregel weiterzukommen. Doch Inter ist nicht der FC Basel. Der Schweizer Meister kann nur eine Pflichtaufgabe für die Engländer darstellen.

«In diesem Stadium des Wettbewerbs muss man jeden ernst nehmen», widerspricht Andy Greeves. Der freie Journalist, der die Spurs als Sportreporter auf Schritt und Tritt begleitet, hat im Umfeld Nervosität ausgemacht: «Die Spurs haben aus der letzten Runde gelernt. Und auch die Young Boys hat man noch nicht vergessen.» Im August 2010 lag Tottenham in der Champions-League-Qualifikation nach einer halben Stunde im Stade de Suisse 0:3 zurück. Mit zwei Auswärtstoren und einem 4:0-Kantersieg an der White Hart Lane wurden die Stärkeverhältnisse schliesslich wieder hergestellt.

Erinnerung an Christian Gross

Aber nicht nur deshalb haben die Spurs Respekt vor der Aufgabe im Viertelfinal. Der Name FC Basel ist in London durchaus bekannt – und das nicht erst seit seinem 2:0-Sieg gegen Manchester United im Dezember 2011. «Wegen Christian Gross ist Basel den Tottenham-Fans schon lange ein Begriff», erklärt Greeves. Der spätere Basler Meistermacher bewahrte den Londoner Traditionsverein bei seinem ersten Ausland-Engagement 1998 vor dem Fall in die Zweitklassigkeit. Auch wenn Gross in der Saison darauf bereits wieder gehen musste, haben ihm das die Anhänger nicht vergessen.

Dass deshalb in Nord-Londoner Pubs auch FCB-Spiele mitverfolgt werden, wäre aber dann doch etwas hoch gegriffen. Der bekannteste Schweizer Spieler ist bei den Tottenham-Anhängern Xherdan Shaqiri wegen seines Wechsels zu Bayern München. «Er hat in England einen sehr guten Namen», sagt Greeves. Aus dem aktuellen Basler Kader sind bei Tottenham nur Alex Frei als ehemaliger Nationalspieler und die Degen-Zwillinge wegen Philipps Zeit beim FC Liverpool ein Begriff.

Fokus auf die Europa League

Seit Degens England-Gastspiel hat sich die Rolle von Tottenham allerdings gewandelt. Vorbei sind die Zeiten, da man im Schatten des ungeliebten Nord-Londoner Rivalen Arsenal stand. Momentan streitet sich der Traditionsclub von der White Hart Lane mit Chelsea um die Vormachtstellung in der britischen Hauptstadt und Platz drei in der Premier League, was die direkte Qualifikation für die Champions League bedeuten würde. Die heimische Meisterschaft war denn auch traditionell das Einzige, das die Spurs interessierte – zumindest in der Ära Harry Redknapp.

«Redknapp hat Europa nie interessiert, das hat sich unter Villas-Boas geändert», sagt Sportjournalist Andy Greeves. André Villas-Boas löste den charismatischen, aber als eher altmodisch bekannten Redknapp 2012 nach vier Jahren ab und rief zur Eroberung eines europäischen Titels aus. Die Europa League reize den Portugiesen sehr, sagt Greeves. Der 35-jährige Jungtrainer sehnt sich nach einem zählbaren Erfolg auf der Insel – spätestens seit letztem Jahr. Damals wurde Villas-Boas bei Chelsea entlassen und durch seinen ehemaligen Assistenten Roberto Di Matteo ersetzt, der prompt die Champions League gewann.

Mit Tottenham soll es also die Europa-League-Trophäe werden. Die Qualität, diesen Wettbewerb zu gewinnen, haben die Spurs. Allerdings hatte das auch Zenit St. Petersburg.

Erstellt: 28.03.2013, 11:46 Uhr

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