Der FCB mit dem Glück des Tüchtigen

Der FC Basel schont beim 1:1 (0:0) in St. Gallen seine Ressourcen und profitiert von einem Fehlentscheid des Schiedsrichters Alain Bieri. Mit der Punkteteilung können aber beide Mannschaften gut leben.

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So strahlend weiss die Weste des FC Basel bezüglich Gegentoren im heimischen Stadion ist, so schlecht ist sie auswärts. Das ist auch dem früheren Innenverteidiger Murat Yakin ein Dorn im Auge. Die Nationalmannschaftspause vor Ostern nutzte er deshalb, um dem Defensivverhalten seiner Spieler bei Auswärtsspielen das Augenmerk zu widmen. Weniger Standardsituationen sollten die Basler provozieren. Dies gelang dem FCB in St. Gallen. Doch diesmal war die Abstimmung die Achillesferse des Meisters. Sébastien Wüthrich konnte in der 50. Minute die Nushi-Flanke mutterseelenallein in die linke Ecke versenken, während sein Gegenspieler Joo Ho Park den leeren Raum deckte. Und hätte der Unparteiische Alain Bieri in der 77. Minute bei Naters Schuss ins Basler Tor nicht zu Unrecht auf Abseits entschieden, wäre auch da die Zuteilung in der Defensive moniert worden. Denn hinter dem verhinderten Torschützen wäre mit Martic gleich noch ein St. Galler frei an den Ball gekommen – auch er nicht im Offside.

So kostete die mangelhafte Abstimmung den FCB nur zwei anstatt drei Punkte. Denn Marco Streller konnte die St. Galler Führung nach nur zwei Minuten mit seinem 14. Saisontor egalisieren. Geoffroy Serey Die hatte Fabian Frei in Abschlussposition gebracht, welcher seinen Schuss an den linken Pfosten setzte. Streller stand goldrichtig und verwertete den Abpraller. «St. Gallen war in der ersten Halbzeit ganz klar besser. Wir sind erst nach dem 1:0 aufgewacht», erklärte der Basler Captain, der die miserable Platzqualität kritisierte. Beim Gegner sah die Stimmungslage etwas anders aus. «Vor dem Match hätten wir den einen Punkt gern genommen. Nun wurmt mich das nicht gegebene Tor sehr», meinte ein zerknirschter FCSG-Trainer Jeff Saibene.

Geschonte Basler, ineffiziente St. Galler

Dass der FCB die Partie in der Ostschweiz nicht gewinnen wollte, wäre natürlich falsch. Angesichts der historischen Chance in der Europa League wurde dem Spitzenkampf aber untergeordnete Priorität eingeräumt. So verfolgten die formstarken Valentin Stocker und Mohamed Salah das Geschehen zusammen mit dem ebenfalls geschonten Marcelo Diaz von der Tribüne aus. Sie werden am nächsten Donnerstag gegen Tottenham Hotspur in bestmöglicher Verfassung benötigt. Nichts mit dem Formstand hat die Nicht-Berücksichtigung von Alex Frei zu tun. Der künftige Sportdirektor des FC Luzern ist schon sehr in seinen neuen Job eingespannt und wird wohl nur noch in seinem Abschiedsspiel in einer Woche gegen den FC Zürich eingesetzt werden.

St. Gallen war über die gesamte Partie hinweg die aktivere Mannschaft. Doch das Team von Jeff Saibene verpasste es, mehr Ertrag aus seinen teils vorzüglichen Möglichkeiten zu holen. Franck Etoundi, aber auch Topskorer Oscar Scarione scheiterten wiederholt an Yann Sommer oder dem eigenen Unvermögen. So blieb Wüthrich der einzige St. Galler Torschütze. Der 22-Jährige, im Winter aus Sion gekommen, traf in seinem vierten Spiel für die Espen bereits zum dritten Mal. Er strich die grosse Qualität der Basler heraus: «Sie haben eine Chance und der Ball ist drin.» Sein Trainer gab sich schliesslich auch versöhnlich. «Mit einem Punkt können wir leben», meinte Saibene.

Strellers Lob

Genau wie der FCB. Der Meister könnte ebenfalls monieren, dass ihm nach dem Schuss von Fabian Frei in der 79. Minute ein Elfmeter verweigert wurde. Mario Mutsch hatte den Ball mit der Hand abgewehrt. Doch auch die Basler nehmen den einen Zähler gerne mit nach Hause. «St. Gallen ist sehr stark und steht nicht umsonst dort oben in der Tabelle. Da muss man auch einmal mit einem Punkt zufrieden sein», erklärte Streller. Richtig glücklich über ein Remis wäre der Captain aber am nächsten Donnerstag. Nach der kniffligen Aufgabe in der Ostschweiz läuft in Basel der Countdown für das Rückspiel gegen Tottenham. Es wäre schön, wenn der FCB seine Tradition mit den Gegentoren dann weiterführen und die Heimweste makellos halten würde.

St. Gallen - Basel 1:1 (0:0)
AFG-Arena. – 19'500 Zuschauer (ausverkauft). – SR Bieri. – Tore: 50. Wüthrich (Nushi) 1:0. 53. Streller (Fabian Frei) 1:1.
St. Gallen: Lopar: Mutsch, Montandon, Besle, Pa Modou; Nater, Janjatovic; Wüthrich (76. Martic), Scarione, Nushi; Etoundi (88. Sutter).
Basel: Sommer: Philipp Degen, Schär, Dragovic, Park; Cabral; Fabian Frei, Elneny, Serey Die (60. Bobadilla), Yapi (60. David Degen); Streller.
Bemerkungen: St. Gallen ohne Cavusevic und Ishak (beide verletzt) und Mathys (gesperrt). Basel ohne Diaz (verletzt), Stocker, Salah (beide geschont) und Alex Frei (nicht im Aufgebot). 77. Tor von Nater wegen Abseits aberkannt. Verwarnungen: 3. Serey Die (Foul). 12. Yapi (Foul). 60. Nushi (Foul).

Erstellt: 07.04.2013, 19:00 Uhr

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