Der Fussball-Schiedsrichter im Rollstuhl

Frank Reinel ist Jurist von Beruf und Fussball-Schiedsrichter aus Leidenschaft. Das Besondere daran: Der 29-Jährige leitet die Spiele im Rollstuhl.

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Wegen einer angeborenen Gelenksteife ist Frank Reinel an den Rollstuhl gefesselt, seine Leidenschaft für den Fussball lebt der Bayer aber trotzdem aus. Seit 2006 besitzt er den Schiedsrichter-Ausweis des Deutschen Fussball-Bundes, Mitte August pfiff er nach den Lehrjahren im Jugendbereich erstmals eine Meisterschafts-Partie von Erwachsenen. Es handelte sich dabei zwar nicht um die Bundesliga, sondern nur um die B-Klasse des Bezirks Regensburg - doch für Reinel war die Berufung ein Triumph.

Bevor er seine Schiedsrichter-Laufbahn antrat, konnte sich nämlich niemand so richtig vorstellen, dass ein Rollstuhlfahrer das schnelle Spiel überwachen könnte. Inzwischen ist Reinel auf den Plätzen ein akzeptierter und daneben ein gefragter Mann. Der Bayerische Rundfunk widmete ihm einen Abendschau-Beitrag, diverse Zeitungen und Magazine, darunter die «Frankfurter Allgemeine», interviewten ihn.

Ein 30 km/h schneller Rollstuhl für den Aufstieg

Reinels grosses Ziel ist der Aufstieg in die Kreisklasse. Dafür ist laut den DFB-Statuten aber eine Prüfung vorgesehen, die nur aus Laufdisziplinen besteht. Reinel hofft nun, dass er eine Sonderbewilligung erhält. «Falls ich gut genug sein sollte, um mich weiter nach oben zu qualifizieren, werde ich im nächsten Jahr einen neuen Rollstuhl beantragen. Diesen kann man dann motortechnisch aufrüsten. Der schafft dann um die 30 Kilometer pro Stunde», sagt er. Das Modell, mit dem er zurzeit über die Fussballplätze kurvt, schafft nur 6 Stundenkilometer.

Akzeptanzprobleme gab es laut Reinel bislang noch nie. Die Spieler kämen aber immer erst nach den Partien zu ihm, um zu sagen, wie überrascht sie von seinen guten Leistungen gewesen seien. Reinel glaubt, dass er in gewisser Hinsicht gegenüber nicht behinderten Referees sogar einen Vorteil hat: Er sehe wegen seiner tieferen Position die Beine der Spieler besser und könne sich bei Streitigkeiten wie ein Puffer zwischen die Akteure stellen. «Einen normalen Schiedsrichter können die Spieler einfach beiseite schieben, aber meinem Rollstuhl und seine lockeren 120 Kilo im Rohzustand plus mein Körpergewicht, das schiebt man nicht mal so eben aus dem Weg», erklärte er der «Frankfurter Allgemeinen».

Veraltete Infrastruktur als Hindernis

Unangenehme Zwischenfälle bleiben natürlich nicht aus. Einmal lief bei strömendem Regen zu viel Wasser in die Elektronik von Reinels Rollstuhl und löste einen Kurzschluss aus. Der Referee musste die Pfeife an seinen Assistenten abtreten, nimmt den Vorfall aber mit Humor: «Ein anderer Schiedsrichter kann sich ja schliesslich auch einen Bänderriss zuziehen.»

Ein weiteres Hindernis, das Frank Reinel sein Schiedsrichterleben erschwert, ist die veraltete Infrastruktur der meisten Fussballplätze. Immer wieder kommt es vor, dass er wegen Treppenstufen nicht durch den Haupteingang in die Sportanlagen gelangen kann. Auch die Garderoben sind meist nicht behindertengerecht. Deshalb zieht er sein Schiedsrichter-Trikot und die passenden Hosen immer schon zu Hause an. Sicher ist sicher.

Erstellt: 02.09.2010, 11:09 Uhr

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