Der Gegner von YB hat die Unruhe als Tradition

YBs Champions-League-Gegner Fenerbahçe Istanbul befindet sich nach dem Trainerwechsel im Umbruch.

Trauriges Bild: Nach dem verlorenen Meisterschafts-Finale warfen enttäuschte Fenerbahçe-Fans Stühle auf den Rasen – unter anderem.

Trauriges Bild: Nach dem verlorenen Meisterschafts-Finale warfen enttäuschte Fenerbahçe-Fans Stühle auf den Rasen – unter anderem. Bild: Keystone

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Fenerbahçe Istanbul, der morgige Gegner der Young Boys in der der 3. Runde der Qualifikation für die Champions League, ist der populärste Klub in der Türkei. Angeblich bekennen sich 25 Millionen Türken zum Lieblingsverein von Atatürk, dem 1938 verstorbenen Begründer der Türkei. Stimmt dieses Umfrageergebnis, dann wäre jeder dritte Bewohner des Landes ein «Fener»-Fan.

Fenerbahçe wurde in der vergangenen Saison nach dramatischem Finish nur Zweiter hinter Bursaspor – der verpasste Titel kostete Trainer Christoph Daum den Job. Nach dem letzten Spiel randalierten die Fans im Saraçoglu-Stadion: Das Dach wurde durch Brandsätze beschädigt, der Schaden beträgt angeblich 10 Millionen Euro. Es war nicht der erste denkwürdige Fussballanlass in der Heimstätte von Fenerbahçe, die auf der asiatischen Seite von Istanbul liegt, im Stadtteil Kadiköy.

Im November 2005 etwa schaffte die Schweiz im Saraçoglu-Stadion trotz der 2:4-Niederlage im entscheidenden Barragespiel die Qualifikation für die WM-Endrunde in Deutschland. Die Partie bleibt durch zahlreiche Zwischenfälle mit schweren Ausschreitungen als Skandalspiel in Erinnerung.

Sahin favorisiert Fenerbahçe

Es gibt aber auch andere, ungleich harmonischere Verbindungen zwischen den beiden Ländern. Attila Sahin (36) zum Beispiel, der 15 Monate lang, von 1998 bis zum Herbst 2000, beim FC Basel spielte. Danach wechselte der Baselbieter ins Land seiner Eltern und trug das Trikot von Göztepe, einem Traditionsklub aus Izmir. Und der Betriebsökonom, der seit drei Jahren den Erstligisten SV Muttenz trainiert, erinnert sich an seine Zeit in der Türkei. «Der Fussball hat dort einen ganz anderen Stellenwert. Vor allem bei den drei grossen Istanbuler Vereinen Besiktas, Fenerbahçe und Galatasaray ist Fussball eine Religion», so der Mitbesitzer von zwei Gastrobetrieben in Basel.

Wie sieht Sahin die Chancen der Young Boys in den beiden Matches gegen Fenerbahçe, für das die Meisterschaft erst am 15. August mit dem Heimspiel gegen Antalyaspor beginnt? «Man muss realistisch sein: Die Favoritenrolle liegt klar bei Fener. Die Möglichkeiten des Traditionsklubs sind um ein Vielfaches grösser als jene von YB. Aber Fenerbahçe ist im Umbruch. Der Trainerwechsel von Christoph Daum zu Aykut Kocaman (45), früher Torjäger und Kultfigur von Fenerbahçe, verlief mit Nebengeräuschen.»

Der türkische Vizemeister steht unter Druck; der Klub muss seinen vielen Anhängern Namen von grossen Fussballern präsentieren. «In dieser Hinsicht haben in den letzten Wochen Besiktas und Galatasaray, die beiden Lokalrivalen, mehr gemacht», erklärt Sahin, der den türkischen Fussball nach eigenen Worten «sehr intensiv verfolgt».

Nationalspieler und Brasilianer

Fenerbahçe hat sechs aktuelle türkische Nationalspieler im Kader, dazu die Brasilianer Alex, André Santos, Bilica, Deivid. Und nicht zu vergessen Verteidiger Diego Lugano, der mit Uruguay an der Weltmeisterschaft mit starken Leistungen aufgefallen ist. «Im Sturm hat der Spanier Daniel Guïza hingegen die Bindung zu den Nebenspielern nicht gefunden», so Sahin, der übrigens ein bekennender Anhänger von Besiktas ist.

Ist wenigstens die Tatsache, dass die Türken in Bern auf Kunstrasen antreten müssen, ein Vorteil für die Young Boys? «Nein, nicht unbedingt», findet Sahin, «die drei Erstdivisionsvereine von Ankara spielen auch allesamt auf Kunstrasen. Fenerbahçe verfügt also über Erfahrung auf dem Plastik.»

Erstellt: 27.07.2010, 08:22 Uhr

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