Der Kater nach dem Rausch

Der neue deutsche Tennisstar Angelique Kerber schlittert nach seinem Triumph am Australian Open in eine Krise.

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Der müde Blick und der schlaffe Händedruck am Netz waren eigentlich Ausdruck genug, um zu erfahren, in welcher Verfassung sich Angelique Kerber derzeit befindet. 1 Stunde und 19 Minuten dauerte das Startspiel der 28-jährigen Deutschen in Doha. Mit 5:7 und 1:6 verlor die Weltnummer 2 gegen die Nummer 73 Saisai Zheng aus China und konnte am Ende kaum ihre Tasche vom Court tragen.

Die Erschöpfung machte sich bereits am Ende des ersten Satzes bemerkbar. «Ich habe gar nichts mehr in mir. Ich bin so was von leer. Ich kann mich überhaupt nicht pushen», stöhnte Kerber nach 49 Minuten ihrem Coach ins Gesicht.

Erschöpfung überblendet

Es war der erste Auftritt von Kerber auf der WTA-Tour nach ihrem Sieg am Australian Open. Seit ihrem ersten Grand-Slam-Titel im Januar stand sie lediglich Anfang Februar im Fed-Cup gegen die Schweiz im Einsatz, gewann dort zuerst gegen Timea Bacsinszky, verlor dann aber gegen Belinda Bencic und musste während des entscheidenden Doppels mit ansehen, wie Deutschland scheiterte und den Einzug in den Halbfinal verpasste.

Es war der erste Dämpfer nach den rauschenden Festspielen in Melbourne. Die lang anhaltenden Glücksgefühle als frischgebackene Grand-Slam-Siegerin kaschierten den Schmerz nach dem ersten Rückschlag. Schliesslich hat sich Kerber mit dem Triumph am Australian Open einen langersehnten Traum erfüllt. Ein Erfolg, der alles überstrahlt und die Schattenseite der körperlichen und geistigen Erschöpfung überblendet.

Historischer Erfolg

Es scheint, als habe sich Kerber von der Krönung in Melbourne noch nicht erholt. «Ich hatte in den letzten Wochen schon Stress, aber durchaus positiven. Ich habe viele Termine gehabt, bin am Anfang noch nicht so richtig zur Ruhe gekommen», erklärte Kerber in Katar. «In der letzten Woche, die dann schon wieder mehr von Training und Tennis geprägt war, habe ich realisiert, was ich geschafft habe.»

Aus historischer Sicht war der Sieg am Australian Open der erste Grand-Slam-Erfolg einer Deutschen seit Steffi Graf 1999 am French Open. Für die deutschen Medien ein überfälliges Ereignis, das die Presse mit unzähligen Porträts ausschlachtete. «Für mich persönlich kam der Titel zum richtigen Zeitpunkt», sagte Kerber kürzlich.

Kein Drama

Im Interview mit der deutschen Sportinformation reflektierte Kerber über den Umgang mit den Medien nach dem langersehnten Durchbruch und die damit verbundenen Auswüchse der öffentlichen Aufmerksamkeit. «Ich bin seit vier Jahren in den Top 10 und habe bestimmte Erfahrungen gesammelt. Ich wusste jetzt einfach besser, was nach einem solchen Erfolg auch medial auf mich zukommt.» Wirklich?

Zumindest die Erfahrung, als Grand-Slam-Siegerin auch wieder Spiele zu verlieren, dürfte ein neues unangenehmes Gefühl sein. «Natürlich bin ich enttäuscht. Aber ich werde kein Drama daraus machen», sagte Kerber nach dem Aus in Doha, «manchmal hat man solche Tage. Ich habe immer noch viele Turniere vor mir. Wir sind erst am Jahresanfang.»

Die Startpleite von Kerber in Doha

Erstellt: 24.02.2016, 15:40 Uhr

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