Der Lausanne-Profi, dessen Grossvater Johann Cruyff heisst

Jesjua Angoy Cruyff spielt neu beim Waadtländer Fussballclub. Was der 20-Jährige drauf hat und warum er nicht mit seinem berühmten Grossvater verglichen werden will.

Vorhang auf für die dritte Cruyff-Generation: Jesjua Angoy Cruyff (20) will bei Lausanne seine noch junge Karriere neu lancieren.

Vorhang auf für die dritte Cruyff-Generation: Jesjua Angoy Cruyff (20) will bei Lausanne seine noch junge Karriere neu lancieren. Bild: Pascal Muller (EQ Images)

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An Selbstbewusstsein mangle es Jesjua Angoy Cruyff nicht – darin ist sich der Trainerstaff von Lausanne-Sport einig. Wer dem Katalanen gegenübersitzt, bekommt ein anderes Bild. Was womöglich als Arroganz ausgelegt wird, ist eher Schüchternheit. Er spricht fast gar nichts, wirkt desinteressiert. Dabei liebt der 20-Jährige nichts mehr, als auf dem Fussballplatz mit dem Ball am Fuss auf das gegnerische Tor zu stürmen. Abseits des Terrains ist von all dem nichts zu spüren. Wenn der Stürmer ins Reden kommt, dann mit leiser Stimme und knappen Sätzen. Alles scheint darauf ausgerichtet, ja nicht zu viel von sich preiszugeben. «Ich bin eben scheu», sagt er. Aber er arbeite daran.

Vergangene Woche unterschrieb er beim FC Lausanne einen Einjahresvertrag. Bis es so weit war, musste sich der Spanier drei Wochen lang in Probetrainings beweisen. Trotz der Empfehlung seines Landsmanns Gabriel Garcia de la Torre, kurz Gabri genannt, ihn zu engagieren. Gabri, Mittelfeldstratege und enger Freund der Familie Cruyff, spielt sei eineinhalb Jahren in Lausanne. Er sagt: «Das Niveau in der Super League ist hoch. Sie ist ein Schaufenster des europäischen Fussballs, und am Genfersee lässt sich in aller Ruhe leben.» Damit überzeugte Gabri Angoy Cruyff.

Das Engagement bei den Westschweizern ist für ihn so etwas wie die Neulancierung seiner noch jungen Profikarriere. Er hat längst realisiert: Auch mit einem dreifachen Weltfussballer und Erfolgstrainer Johann Cruyff als Grossvater, dem ehemaligen Barcelona-Goalie Jesús Angoy als Vater und Jordi Cruyff als Onkel, kommt die Karriere nicht von selbst in Gang und voran. Er muss sein Umfeld von sich überzeugen.

«Dann macht es bumm»

Erst als 16-Jähriger trat Angoy Cruyff in La Masia, die Jugendakademie des FC Barcelona, ein. Er spielte in der zweiten Juniorenmannschaft und hatte seinen Grossvater als Privatcoach. Dieser sparte weder mit Kritik noch mit Ratschlägen. Er lehrte den Enkel: «Den Kopf immer oben halten; beim Dribbling immer die Füsse des Gegenspielers beobachten, und wenn dieser im Nachteil ist, sofort attackieren.»

Er sei stolz auf seinen Grossvater, sagt Angoy Cruyff. Auch stört den Enkel nicht, dass dessen Ratschläge irritieren, wenn sie tönen wie: «Der FC Barcelona sollte Lionel Messi nach dem Neymar-Transfer verkaufen.» – «Dann macht es bumm, aber mein Grossvater hat oft recht», sagt er. Was Johann Cruyff in seiner Karriere geleistet hat, schaut er sich gerne auf Video an. Er sagt: «Mein Grossvater hat unglaublich gespielt.» Gerade deshalb lehne er es ab, mit ihm verglichen zu werden. Was die Leute sagen, sei ihm schlicht egal. «Ich spiele, wie ich es für richtig finde.»

Den Gegner provozieren

Beim FC Barcelona zeichnete sich für Angoy Cruyff bald ab, dass es schwierig würde, sich vom Nachwuchs in die erste Mannschaft emporzuarbeiten. Der spanische Trainer Roberto Martinez reagierte und holte ihn als 18-jährigen Spieler zum FC Wigan Athletic in die englische Premier League. Angoy Cruyff war sich an Techniktrainings gewohnt. In Wigan war aber auch körperliche Robustheit gefragt. Vor allem in der zweiten Mannschaft, wo der Katalane vornehmlich spielte. «Das spielerische Niveau im Nachwuchsteam war nicht sehr hoch», ist er noch heute enttäuscht. Im Kraftraum wollte er nicht versauern. Als Wigans erste Mannschaft in der vergangenen Saison abstieg, war auch für Angoy Cruyff die Zeit gekommen, England zu verlassen.

In Lausanne hat er in Freundschaftsspielen mit ersten Toren auf sich aufmerksam gemacht. Er sagt, es gehe ihm nun darum, Schritt für Schritt Fuss zu fassen. Trainer Laurent Roussey lobt, Angoy Cruyff liebe es, Gegenspieler zu provozieren, gehe furchtlos in die Dribblings, arbeite aber auch für die Mannschaft. Weil bislang seine Lizenz fehlte, hat er noch kein Pflichtspiel bestreiten können. Nun ist sie eingetroffen. Jetzt will er angreifen und kündigt an: «Wenn ich spiele, wird mein Grossvater nach Lausanne kommen.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.07.2013, 06:48 Uhr

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