Der Mann, der extra einen Penalty verschoss

Deutschland feiert einen gewissen Paul Mitscherlich. Weil der dem Fussball ein Stück Romantik zurückgegeben hat.

«Der Schiedsrichter hatte das gesamte Spiel über schon für uns gepfiffen»: Paul Mitscherlich war das Fairplay wichtiger als das Resultat. (Foto: ZVG)

«Der Schiedsrichter hatte das gesamte Spiel über schon für uns gepfiffen»: Paul Mitscherlich war das Fairplay wichtiger als das Resultat. (Foto: ZVG)

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Die zweite Mannschaft von Germania Schöneiche liegt am Samstag im Landesligaspiel beim Kolkwitzer SV mit 0:1 zurück, als der Schiedsrichter den Gästen in der 80. Minute einen unberechtigten Elfmeter zuspricht. Germania-Spielertrainer Paul Mitscherlich läuft an – und verschiesst. Absichtlich. Warum, hat der 33-Jährige nun dem Berliner «Tagesspiegel» erklärt.

«Ich konnte ihn einfach nicht reinschiessen, es fühlte sich nicht richtig an. Der Schiedsrichter hatte das gesamte Spiel über schon für uns gepfiffen, strittige Entscheidungen legte er stets zu unseren Gunsten aus. Beim Elfmeter lag er dann völlig daneben. Es war ein Geschenk und jeder auf dem Platz hatte es gesehen», so Mitscherlich.

Nachdem ein Stürmer seiner Mannschaft im Kolkwitzer Strafraum ohne gegnerisches Zutun umgefallen war, passte Mitscherlich den Ball dem gegnerischen Goalie einfach zu und brachte so seine eigene, im Absiegskampf steckende Mannschaft um einen Punktgewinn.

Als das Spiel vorbei war, habe er sich entsprechend elend gefühlt, sagt Mitscherlich. «Ich bin sofort in die Kabine gerannt, die Emotionen haben mich einfach übermannt. In der Nachspielzeit hatte ich noch einen Freistoss an die Latte geschossen, es sollte einfach nicht sein. Vom Beifall der Zuschauer hab ich nichts mitbekommen und auch nicht, dass die Kolkwitzer Fans später Geld für unsere Mannschaftskasse gesammelt haben.»

Hat der Spielertrainer seinen Entschluss bereut? Auf keinen Fall, sagt er. «In diesem Moment ging es nicht nur um Punkte, sondern darum, Vorbild zu sein. Und was für ein Vorbild wäre ich, wenn ich als Trainer auch noch aktiv beim Betrügen mithelfe?»

Ganz anders verhielt sich wenige Stunden später der Leipziger Timo Werner. Er holte mit einer Schwalbe im Bundesliga-Match gegen Schalke 04 in der 1. Minute einen Elfmeter heraus und verwandelte diesen gleich selber. Am Ende siegte RB 2:1, und Werner flüchtete sich in diverse Ausreden.

Der faire Mitscherlich sagt zum unfairen Werner: «Am schlimmsten finde ich, dass er den Elfmeter auch noch selbst geschossen hat und sich anschliessend wie ein Held feiern liess. Timo Werner ist noch jung, in der Bundesliga geht es um sehr viel Geld und natürlich ist es etwas anderes, wenn du absichtlich einen Elfmeter vor 60 Zuschauern auf dem Sportplatz verschiesst statt vor 50'000 in einem Stadion. Aber er hätte ein Zeichen setzen können, das nicht nur in Deutschland grosse Beachtung erfahren hätte.» (ak)

Erstellt: 08.12.2016, 13:53 Uhr

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