Der Mann mit dem grossen Mut

Schaffhausen, Gegner des FCZ am Wochenende, lebt von Patron Aniello Fontana und bekommt bald ein schmuckes Stadion.

Dieses Stadion wird in Schaffhausen im Februar eröffnet. Der Lipo-Park. Kapazität: 8000 Zuschauer. Kostenpunkt: 60 Millionen Franken. Davon hat Aniello Fontana 16 Millionen aufgetrieben.

Dieses Stadion wird in Schaffhausen im Februar eröffnet. Der Lipo-Park. Kapazität: 8000 Zuschauer. Kostenpunkt: 60 Millionen Franken. Davon hat Aniello Fontana 16 Millionen aufgetrieben. Bild: FC Schaffhausen

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Es ist ein schäbiger Name für ein Denkmal. Lipo-Park. Das will eher nach rustikalen Polstergruppen klingen als nach prickelndem Ort für Fussball. Nun, der FC Schaffhausen bekommt bald ein ­Stadion. Gebaut hat es Aniello Fontana – es ist das Lebenswerk eines italienischen Einwanderers, eines gelernten Schlossers und heutigen Millionärs.

Fontana hat zu sich geladen, Frauengasse 8, mitten in Schaffhausen. Der Mann war lange Präsident des FCS, heute steht er dem Verwaltungsrat vor. Er ist 69, gesundheitlich angeschlagen, trägt Kleider mit Stil. Schwarze Schuhe, schwarze Hose, Hemd und Cardigan. Im Büro steht ein Flipperkasten («vom Sohn») und ein alter Kühlschrank («auch vom Sohn»). Fontana ist klein, vielleicht würde man ihn unter vielen Menschen übersehen, doch sein Mut steht in keinem Vergleich zu seiner Grösse.

In Schaffhausen nicht immer unumstritten: Aniello Fontana. Foto: Keystone.

Er hat Schaffhausen ein Stadion vermacht. 2006 hat er 13 500 m2 Land erworben, es gab ein Projekt für 10 000 Leute, das wurde redimensioniert, dann ein zweites Mal, an der Urne wollte ihm das Volk keine 2 Millionen Franken sprechen, also zahlte Fontana die 16 Millionen für das Stadion selbst («10 Millionen von der Bank»), der Rest (44 Millionen) wird durch die Mantelnutzung ­finanziert. Ab Februar wird der FCS vor bis zu 8000 Menschen spielen. Jener Verein, der seit 1992 mit einer Ausnahmebewilligung spielt, weil die Breite seit jeher in marodem Zustand vor sich hinaltert.

Die Ehefrau, «die Pfunzle»

Fontana kommt in Italien auf die Welt und wächst die ersten 8 Jahre mit Kerzenlicht auf, Elektriziät und fliessendes Wasser kennt man in seinem Haus nicht. Als seine Mutter einen Schweizer kennenlernt, zieht er als Neunjähriger nordwärts. In der Schweiz schlägt er sich durch, sein Deutsch war einfach, seine Kindheit nicht. Mit 15 lernt er Konstruktionsschlosser. Er singt im Männerchor, erlebt den Film Schweizermacher am eigenen Leben, bildet sich weiter, verkauft als Makler Häuser, macht sich 1980 selbstständig und kommt als Liegenschaftsverwalter zu Millionen.

1991 liegt der FCS in Trümmern, Fontana übernimmt als Präsident, saniert den Club in 3 Monaten und kürzt Spielern wie Joachim Löw und Roberto Di Matteo den Lohn. 25 Jahre später hat er 3 Jahre Super League und mehrere Abstiege mitgemacht, einen zweistelligen Millionenbetrag investiert – abseits von Glanz und Scheinwerferlicht. Es gibt Präsidenten, die besitzen Clubs des Prestiges wegen, manche wollen Geschäfte machen, andere in die Politik, wiederum anderen ist es langweilig und sie brauchen ein Spielzeug. Und Fontana? «Nichts dergleichen, das können Sie mir glauben. Ich will der Region etwas zurückgeben.»

Das Telefon klingelt, «hallo Pfunzle», kurzer Griff an den Hörer, «meine Frau, wissen Sie», es ist später Nachmittag, die Ehefrau sagt, er solle langsam nach Hause kommen. Fontana hat gerne Autos, sein Mercedes trägt das Kennzeichen SH 64. Was das mit seiner Ehefrau zu tun hat? Viel. 1964 hat er sie kennengelernt. Als Delegierter der U21-Nationalmannschaft war er an vielen Orten der Welt, die Spieler hatten ihre liebe Freude an seinen Autos. «Dzemaili, Stocker, Sommer, Benaglio, Inler», Fontana spricht die Namen von damals aus als wären sie seine Söhne. Sein eigener Sohn Fabio ist seit 17 Jahren im Club tätig. Sein Schwiegersohn, ein ehemaliger Spieler, arbeitet seit 10 Jahren für den FC Schaffhausen und ist Geschäftsführer. «Wir sind ein Familienunternehmen.»

«Liebenswürdig» und «impulsiv»

Ist er ein Romantiker? Fontana überlegt lange, schaut umher. Bilder zieren die Wände wie auch ein Zertifikat für seine Ehrenmitgliedschaft bei der Swiss Football League. Er habe sich mit 18 gesagt, er möchte unabhängig werden und dann machen, was er will. Malen zum Beispiel, die Bilder an den Wänden sind von ihm. Oder eben einen Fussballclub führen, obwohl er früher Handball gespielt hat.

Weggefährten beschreiben Fontana als «sehr liebenswürdig», zugleich aber auch als «emotional» und «impulsiv». Fontana scheut die Nähe zur Mannschaft nicht und schaut gerne auch in der ­Kabine vorbei. Der frühere und im Streit gegangene Schaffhausen-Trainer René Weiler sagte einmal, Fontana verliere schon mal die Kontrolle. «Ach, das kann ich mir gar nicht erlauben mit meiner Verantwortung.» Aber ja, früher sei er gelegentlich laut geworden, heute hätten seine Zähne an Schärfe verloren.

Bleibt noch eine Frage: Sind die 8000 Plätze im Stadion nicht zu viel für ein Städtchen wie Schaffhausen? «Schauen Sie, ich habe Zeit meines Lebens unternehmerisch gedacht. Wir bauen das Stadion für morgen.» Heisst, für den Fall der Fälle, dass Schaffhausen einmal Super League spielt. Also gilt es Anforderungen zu erfüllen, dazu gehört die nötige Kapazität, der Schiedsrichter-Parkplatz im Stadionbauch, aber auch die Heizung unter dem Kunstrasen. «Auch dieses Obligatorium wird kommen.» Der Mann denkt im Morgen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.10.2016, 19:31 Uhr

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