Der Patzer und die schöne Geste des Starstürmers

Ganz bitter: Mile Svilar bricht den Rekord einer Goalielegende, dann entscheidet sein Fehler das Spiel gegen Manchester United. Romelu Lukaku zeigte sich derweil als grosser Sportsmann.

Mile Svilar fängt den Ball und steht plötzlich im Tor. Quelle: SRF

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Mile Svilar war bereit. Bereit, Geschichte zu schreiben. Bereit, sich auf der internationalen Bühne und somit den Topclubs Europas zu präsentieren. Es hätte so schön werden können. Zu Hause im Estadio da Luz gegen das grosse Manchester United. Mile Svilar, mit gerade mal 18 Jahren der jüngste Goalie, der je in der Champions League gespielt hat; den Rekord übernimmt er von keinem Geringeren als Iker Casillas.

Wäre da nicht diese verhängnisvolle 65. Minute. Wäre da nicht Marcus Rashford, der irgendwie auf die Idee kommt, einen Freistoss aus einer für einen Direktschuss eigentlich unmöglichen Distanz aufs Tor zu ziehen. Ob er das nun will oder nicht. Der Schuss oder die missglückte Flanke wird zur leichten Beute für Svilar. Vermeintlich, denn der junge Belgier entscheidet sich, den Ball zu fangen, anstatt ihn wegzufausten. Dabei unterschätzt er wohl, wie nah er vor dem Tor steht. Als er landet, steht er hinter der Linie.

Svilar versucht noch vehement, den Ball mit ausgestreckten Händen vor der Linie zu halten, es hilft nichts. Schiedsrichter Felix Zwayer zeigt demonstrativ auf seine Uhr, die ihm anzeigt, dass der Ball sich mit vollem Umfang im Tor befindet.

Der Trost des Landsmanns

Es ist das spielentscheidende Tor, das Svilar, der sonst eine starke Partie macht, auf seine Kappe nehmen muss. Das Spiel endet 1:0, und Benfica Lissabon steht nach der Hälfte der Gruppenspiele mit 0 Punkten da; ein Weiterkommen in der Basler Gruppe ist fast nicht mehr zu schaffen.

Eine kleine Aufmunterung gibt es für Svilar nach Spielende. Landsmann Romelu Lukaku, im Sommer für über 80 Millionen Euro von Everton zu Manchester United gewechselt, spendet dem Goalie Trost, sagt ihm, dass er sich keine Sorgen machen und weiter hart an sich arbeiten solle. Dazwischen einige Schulterklopfer von David de Gea und Ander Herrera. Eine schöne Geste von Lukaku und seinen Kollegen.

Die United-Spieler spenden Svilar Trost.

«Es ist das Leben eines Torhüters»

Doch nicht nur Lukaku zeigt sich nach dem Spiel als Sportsmann, sondern auch Svilar selbst. Während viele Spieler nach solch einem spielentscheidenden Patzer einen grossen Bogen um die Interviewzone machen würden, stellt sich der 18-Jährige den Fragen der englischen Journalisten.

Und er tut das mit einer bemerkenswerten Souveränität. «Das ist das Leben eines Torhüters», sagt er, angesprochen auf seinen Flop. «Ich kann ein perfektes Spiel spielen, und ein Moment kann das ruinieren. Wenn ein Stürmer Fehler macht, kann er ein Tor erzielen, und alles ist vergessen.» Dimitri Oberlin kann am gestrigen Abend in Moskau ein Lied davon singen.

Mile Svilar stellt sich den Fragen der englischen Journalisten. (mro)

Erstellt: 19.10.2017, 11:05 Uhr

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