Der Schattenmann des Neymar-Deals

Pini Zahavi hat einmal mehr die Regeln des Fussballs auf den Kopf gestellt. Aber wer ist der Mann mit Verbindungen zur Weltpolitik?

Strippenzieher hinter den Kulissen: Pini Zahavi.

Strippenzieher hinter den Kulissen: Pini Zahavi.

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Auf der Ehrentribüne sitzt während der Partie zwischen PSG und Amiens ein Mann in blauem Sakko und weissem Hemd, eigentlich im Pensionsalter, und schäkert mit PSG-Präsident Nasser al-Khelaifi. Die beiden sind gut gelaunt. Kein Wunder: Vor wenigen Tagen haben sie gemeinsam einen Transfer eingetütet, der alle bisherigen Verrücktheiten des Transfermarktes in den Schatten stellen. Gemeinsam haben sie Neymar für 222 Millionen Euro aus Barcelona weggelotst.

Bei Neymars Präsentation im Prinzenpark sagte Khelaifi verschmitzt: «Ich habe ein hervorragendes Team, das sich Tag und Nacht mit den Regularien des Financial Fairplay auseinandersetzt. Ich danke den Leuten, sie wissen, was sie tun.» Und der heimliche Star dieses Teams heisst Pini Zahavi, von Beruf Journalist und Spieleragent.

Der 73-Jährige gilt als Mastermind hinter dem ominösen Konstrukt, dessen Hauptakteure Paris Saint-Germain, den Neymars, Barcelona und Katar sind. Laut spanischen und französischen Medien soll er für seine Arbeit 38 Millionen Euro Provision kassieren. Damit dürfte die Gesamtkosten für PSG mittlerweile näher an 800 Millionen denn an 700 Millionen Euro kommen. Aber was solls, darauf kommt es ja auch nicht mehr an. Wichtiger für Zahavi ist, dass er dabei mit einem grossen Knall auf die Bildfläche des Weltfussballs zurückkehrt. Einer Bühne, die er Anfang der 2000er-Jahre dominierte. Nichts mit Raiolas, Mendeses oder Struths.

Angefangen mit Liverpool

Zahavi war der Vermittler zwischen Roman Abramowitsch und Chelsea im Jahr 2003, organisierte die Transfers von Petr Chech, Didier Drogba oder Michael Essien zu Chelsea und machte Rio Ferdinand zwischenzeitlich zum teuersten Abwehrspieler weltweit. Später führte er die Scheichs und ManCity oder PSG zusammen. Ausserdem besass kaum jemand so viele Transferrechte an Spielern wie der Israeli. Diese verkaufte er gerne an Antero Henrique, damals Sportdirektor bei Porto, heute bei PSG.

Angefangen hat Zahavi als Journalist in Israel, dabei sollte sich die Fussball-WM 1974 in Deutschland für ihn als Glücksfall herausstellen. Er vernetzte sich vor allem mit Spielern von Liverpool, seinem Lieblingsclub. So reiste er regelmässig in den Nordwesten Englands, begleitet von seinem guten Freund, einem gewissen Reuven Rivlin. Rivlin ist heute Staatspräsident von Israel.

Dubioser Deal mit Locarno

Eines Tages fragte Zahavi dem damaligen Liverpool-Boss Peter Robinson, ob er nicht Interesse an einem guten Spieler aus Israel hätte. 1979 wechselte dann Avi Cohen zu Liverpool, und Zahavi hatte seinen ersten Transfer perfekt gemacht. Damit hatte er Blut geleckt. Sein Netzwerk wuchs, die Methoden wurden dubioser. Mit den Argentiniern Gustavo Aribas und Fernando Hidalgo gründete er in Gibraltar die HAZ Sports Agency und kaufte über die Firma den FC Locarno. Aribas ist heute übrigens Chef des argentinischen Geheimdienstes.

Gemeinsam wickelten sie auch im Jahr 2007 den Transfer von Gonzalo Higuain von Riverplate zu Real Madrid ab. Um lästigen Steuern in Argentinien aus dem Weg zu gehen, wurde Higuain zuerst für 6 Millionen Euro von Locarno gekauft und sofort für 18 Millionen weiterverkauft.

Und da ist auch noch die interessante Verbindung zum FC Barcelona. 2003 verhalf Zahavi Joan Laporta zur Wahl als Vereinspräsident, fädelte später Ibrahimovics Transfer zu den Katalanen oder Xavis Wechsel nach Katar ein. Nicht wenige Stimmen in Barcelona behaupten, dass der Neymar-Deal mit herzlichen Grüssen Laportas durchgezogen wurde. Der ehemalige Barça-Präsident ist ein scharfer Kritiker der aktuellen Vereinsführung, in der spanischen Zeitung «Sport» sagte er kürzlich: «Neymars Abgang ist ein weiteres Beispiel für die Inkompetenz des Vorstands. Sie verschleudern das Erbe des Vereins.» (fas)

Erstellt: 09.08.2017, 21:10 Uhr

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