Der ewige Kampf des Sonnenkönigs

Christian Constantin muss sich mal wieder dem Urteil eines grossen Verbandes beugen. Er geht dagegen vor – wie so oft.

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Schon wieder Ärger für den FC Sion. Schon wieder die Uefa. Also: schon wieder Arbeit für die Anwälte.

Grund diesmal: Die Uefa sperrte den Walliser Super-League-Club zwei Jahre für den Europacup, weil er 2014 die Ablösesumme für den ghanaischen Stürmer Ishmael Yartey zu spät an den FC Sochaux überwiesen hatte. Der französische Erstligist hatte sich daraufhin an die Fifa gewandt und schliesslich vor dem Sportgerichtshof in Lausanne (CAS) recht bekommen. Sion räumte eine Fehlinterpretation des damaligen Managements ein.

Gegen die Europacupsperre rekurriert der Club nun seinerseits vor dem CAS, doch mit welchen Aussichten? Christian Constantin, der Präsident, ist natürlich zuversichtlich. Gegenüber «Le Nouvelliste» sagt CC: «Diese Strafe ist zu hart, und ich habe grosse Hoffnungen, dass sie reduziert wird. Wir werden uns wehren.»

Der legendärste Kampf im Jahr 2011

Constantin ist sich den Kampf gegen Verbände und Instanzen gewöhnt, ja: Er zelebriert ihn manchmal geradezu. Wenngleich er einst der «SonntagsZeitung» sagte: «Ich beschäftige nicht einfach Richter, weil ich Spass daran habe. Ich mache das nur, wenn ich einen Grund habe und überzeugt bin, im Recht zu sein.»

Und diese Überzeugung hatte er im Jahr 2011, beim legendärsten all seiner Zwiste: jenem gegen die Uefa und deren Präsidenten Michel Platini. Der FC Sion hatte sich über einen Transferbann der Fifa hinweggesetzt und unbeeindruckt sechs Spieler verpflichtet und eingesetzt. Die Uefa schloss den Club daraufhin aus der Europa League aus. Und weil das CC nicht passte, zerrte er den Fall vor die Zivilgerichte – ein klarer Verstoss gegen die Fussballstatuten.

Auf enormen Druck der Fifa hin zog der Schweizerische Fussballverband (SFV) den Wallisern Ende 2011 nicht weniger als 36 Punkte ab – für jede Partie, in der mindestens einer der sechs unrechtmässig verpflichteten Spieler zum Einsatz kam. Wäre der SFV untätig geblieben, wäre er vom Weltverband seinerseits ausgeschlossen worden. Die Folgen für Sion waren gravierend: Es fiel ans Tabellenende und musste sich den Ligaerhalt über die Barrage gegen Aarau verdienen. Wegen des Urteils verglich Constantin den damaligen Fifa-Präsidenten Sepp Blatter mit dem früheren libyschen Diktator Muammar al-Ghadhafi.

«Ein Hooligan»

CC kämpft für seinen Leibverein ohne Rücksicht auf Verluste. Frédéric Chassot, einst bei Sion das Mädchen für alles (in jenem Moment gerade der Assistenztrainer), hat den Präsidenten einmal als «Hooligan» bezeichnet – und dies wohlwollend gemeint. Und ja: An guten Tagen kann CC ein äusserst umgänglicher Typ und sehr unterhaltsam sein.

Doch der Sonnenkönig kämpft nicht selten mit überharten Bandagen, und er tut das, seit er im Jahr 2003 für eine zweite Amtszeit an die Spitze des Traditionsclubs zurückkehrte. Just in jenem Sommer war Sion aus finanziellen Gründen in die 1. Liga zwangsrelegiert worden. CC erstritt sich vor Gericht eine Teilnahme an der neu gegründeten Challenge League. Weil das Urteil lange nach dem Saisonstart erging, war ein heilloses Spielplan-Durcheinander die Folge.

Der Skandal von Kriens

Ein Jahr später, Sion spielte weiterhin in der Challenge League, kam es zu einem der grössten Skandale auf Schweizer Fussballplätzen der jüngeren Zeit: Nach dem Auswärtsspiel der Sittener beim SC Kriens klagte Schiedsrichter Markus von Känel, der Sion-Präsident habe ihm das Bein gestellt, weshalb er sich verletzt habe. Zudem wurde seinem Assistenten José Antonio Gonzalez in den Unterleib getreten – von wem, war nicht zu eruieren.

Wie wenig CC überhaupt von Schiedsrichtern hält, zeigte sich ganz besonders, als er nach einem fehlerhaften Pfiff von Sascha Amhof im Frühling 2016 bei den Young Boys eine Hetzjagd auf den Unparteiischen veranstaltete. Er setzte eine Belohnung für 25'000 Franken aus für Hinweise, die Amhof des Betrugs überführen könnten.

Nach dem Skandal von Kriens wehrte sich Constantin gegen die Darstellung, von Känel absichtlich das Bein gestellt zu haben. Und schaffte es vor den verschiedensten Instanzen, seine Busse von 24'000 auf 8000 Franken und seine Sperre von 30 auf 3 Monate zu reduzieren. Ähnliches gelang ihm kürzlich wieder nach seiner Attacke auf den früheren Nationaltrainer Rolf Fringer: Aus ursprünglich 100'000 Franken Busse und 14 Monaten Sperre wurden 30'000 Franken und 5 Monate. Ein halbes Jahr nach der Tat im Oktober 2017 darf CC längst wieder an Spiele seines FC Sion. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.04.2018, 12:53 Uhr

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