Der ewige Wenger

Arsenal verlängert den Vertrag mit Trainer Arsène Wenger bis 2019. Dann wird er 23 Jahre für den englischen Cupsieger gearbeitet haben.

Seit 1996 ist Arsène Wenger bei Arsenal. Auf zwei Jahre mehr oder weniger kommt es da vielleicht gar nicht mehr an.

Seit 1996 ist Arsène Wenger bei Arsenal. Auf zwei Jahre mehr oder weniger kommt es da vielleicht gar nicht mehr an. Bild: Getty Images

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Schon im März sagte Arsène Wenger: «Ich weiss, was ich machen werde. Sie werden es bald erfahren.» Es hat fast drei Monate gedauert, bis die Antwort öffentlich geworden ist: Arsenal und sein französischer Trainer haben an ihrer Sitzung vom Dienstag entschieden, den Vertrag um zwei Jahre bis 2019 zu verlängern.

Seit dem 1. Oktober 1996 ist Wenger bei Arsenal, und den Club hat er geprägt wie kein Trainer vor ihm. Aus Arsenal ist Arsènal geworden. Zwei Meisterschaften und sieben FA-Cups hat Wenger gewonnen, den letzten am Samstag beim 2:1 gegen Meister Chelsea.

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Es gibt aber einen harten Kern an Kritikern, die mit ihm nichts mehr anfangen können: «Wenger out!», war ihre Botschaft, die sie in den dunklen Tages dieses Frühjahrs konstant und lautstark verbreiteten. Sie waren aufgebracht wegen der schweren Niederlagen in der Champions League gegen Bayern München und in der Meisterschaft gegen Watford, West Bromwich oder Crystal Palace. Deshalb sahen sie kein Weiterkommen unter Wenger, keinen Erfolg in der Zukunft, und Erfolg heisst für sie: endlich wieder einmal Meister werden.

Die bissige Kritik von Adams

In einem Interview diese Woche mit dem «Guardian» sagt Tony Adams: «Ich hoffe, er kann einmal loslassen.» Adams, Arsenal durch und durch, einst lange Jahre der Captain, geht mit seinem früheren Chef dabei nicht nur zimperlich um. Er sagt wohl, Wenger sei ein guter Manager, ein guter Psychologe, der beste, den Arsenal je gehabt habe, aber er sei kein guter Coach, kein guter Ausbildner. In seinem neuem Buch «Sober» (Nüchtern) schreibt er sogar, Wenger könne nicht einmal den Weg aus einer Papiertüte aufzeigen.

«Traurig» findet Wenger diese Kritik, «aber man muss nicht alles glauben, was Tony sagt.» Was in diesen Monaten grundsätzlich an Vorhaltungen auf ihn einprasselte, schien er immer wegstecken zu können. Er reagierte nie wirklich darauf. Erst rund um den Cupfinal vom Samstag machte er deutlich, was er davon hält: «Dieser Mangel an Respekt ist eine Schande. Ich werde das nie vergessen.»

Nach dem Sieg gegen Chelsea war die Stimmung eine ganz andere, ausgelassen, fröhlich. Die Zehntausende, die im Wembley waren, feierten Wenger, als er sich auf dem Platz mit dem Pokal zeigte. Und Wenger stellte klar, dass er bleiben möchte. Am Dienstag ist er von seinen Vorgesetzten, angeführt vom amerikanischen Mehrheitsaktionär Stan Kroenke, erhört worden.

«Unser Ziel ist es, die Premier League zu gewinnen und grosse europäische Titel», erklärt Kroenke, «wir werden nicht ruhen, bis wir das erreicht haben. Arsène ist die beste Person, um das zu erreichen. Er hat einen fantastischen Leistungsausweis und unsere ganze Unterstützung.»

Das Werben um Sanchez und Özil

Auf 8 Millionen Pfund, umgerechnet 10 Millionen Franken, wird Wengers Jahreslohn geschätzt. Nur Pep Guardiola (Manchester City), José Mourinho (Manchester United) und Antonio Conte (Chelsea) sind in der Premier League besser bezahlt als der 67-Jährige.

Tony Adams allerdings fragt sich, wofür Wenger das Geld überhaupt ausgebe. «Er braucht es sicher nicht, um für seine Freunde eine verschwenderische Party zu geben. Weil er keine hat. Er hat nur ein paar Leute in Frankreich. Er tut mir ein wenig leid.»

Zu Wengers Askese passt, dass er seine Ferien am liebsten auf dem Trainingsgelände seines Vereins verbringt, direkt an der Londoner Ringautobahn gelegen. Er wird die nächsten Tage und Wochen nutzen, um hier zu sitzen und die Mannschaft zusammenzustellen, die wieder einmal die Meisterschaft gewinnen kann, die erste seit 2004. «Ich schaue mit Optimismus und Aufregung auf die Zukunft», meldet er.

Ein, zwei neue Spieler mit Topqualität braucht es seiner Meinung nur noch, um wieder eine Meistermannschaft zu haben. Allerdings steht er auch vor der Herausforderung, die Personalien von Alexis Sanchez und Mesut Özil zu klären. Die Verträge des Chilenen und des Deutschen laufen in einem Jahr aus. Es hat oberste Priorität, die beiden schon jetzt von einer Verlängerung zu überzeugen.

Wenger will das schaffen, indem er sie mit einem Wochenlohn von 280'000 Pfund ködert – was im Jahr 18 Millionen Franken ergibt. Einst hatte Wenger sich noch gesträubt, einem seiner Spieler mehr als 100'000 Pfund die Woche zu zahlen. Das war zu Zeiten, als er selbst noch nicht auf 160'000 Pfund gekommen ist. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 31.05.2017, 19:42 Uhr

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