Der grosse Krach mit den Bayern und in der Krise gefangen

In der Liga dümpelt Borussia Dortmund auf einem Abstiegsplatz. In der Champions League kann sich der Club heute Abend vorzeitig für die Achtelfinals qualifzieren. Ein grosser Verein im Wechselbad der Gefühle.

Dortmunds Chef Hans-Joachim Watzke kämpft zurzeit an verschiedenen Fronten.

Dortmunds Chef Hans-Joachim Watzke kämpft zurzeit an verschiedenen Fronten. Bild: Keystone

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Fünf Pleiten in Serie stürzen den deutschen Vizemeister in der Bundesliga auf einen Abstiegsplatz. Das Verrückte am Absturz: Dortmund kann durchaus die Champions League gewinnen. Das bewies das Team von Jürgen Klopp im Spiel am vergangenen Samstag in München, als der BVB bei der unglücklichen 1:2-Niederlage, der fünften Pleite in Serie, in einer hochklassigen Bundesligapartie auf Champions-League-Niveau mit den Bayern auf Augenhöhe spielte. Hätte es sich dabei beispielsweise um ein Halbfinal-Hinspiel in der Champions League gehandelt, würden die Dortmunder mit einer sehr guten Ausgangslage ins Rückspiel steigen.

Bereits heute Abend kann Dortmund nach drei Siegen gegen Arsenal, Anderlecht und Galatasaray im Rückspiel gegen die Türken in der Königsklasse das Achtelfinal-Ticket buchen. Total verkehrte Welt für Dortmund, das in der Bundesliga auf einem Abstiegsrang liegt und nach fünf Niederlagen in Serie in der Krise gefangen ist.

«Auf der nach oben offenen Heuchelskala ist das schon ganz weit oben»

Auf einem Nebenkriegsschauplatz liegen die Verantwortlichen des BVB auch noch mit den Bossen von Bayern München im Clinch. Das Thema ist nicht neu, flammt aber immer wieder und fast schon täglich auf. Streitobjekt ist Dortmunds Torjäger Marco Reus, der bei den Bayern offenbar hoch im Kurs steht.

Bayern-Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge hatte die Ausstiegsklausel von 25 Millionen Euro für Reus öffentlich gemacht und das Interesse am deutschen Nationalstürmer bekundet. Was die Dortmunder Chefetage in Rage brachte. Vor dem Spiel gegen Dortmund setzte Rummenigge gleich noch einen drauf und meinte zynisch: «Aber ich will damit nicht für Unruhe in Dortmund sorgen.» BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke liess mit der Antwort nicht lange auf sich warten. «Auf der nach oben offenen Heuchelskala ist das schon ganz weit oben», sagte er am Sonntag im «Doppelpass» des deutschen TV-Senders Sport 1.

BVB-Chef vermisst Hoeness

Er würde sich niemals im Leben über Vertragsdetails von Bayern München äussern, das mache man doch nicht. «Es ist ja legitim, Marco Reus haben zu wollen. Aber das muss man doch nicht permanent in die Öffentlichkeit tragen. Das ist unser Spieler. Man kann das mit einem gewissen Mass an Niveau machen.» Watzke trauert dem ehemaligen Bayern-Präsidenten Uli Hoeness nach: «Mit Uli Hoeness haben wir uns durchaus mal gekeilt. Hoeness kam immer von vorn, dann konntest du dich bekämpfen. Er hatte Streitkultur.» Die beiden Clubs, die den deutschen Fussball in den vergangenen Jahren geprägt hätten, müssten eine vernünftige Basis miteinander finden. «Aber du kannst ja nicht permanent in etwas reinlaufen, dich schütteln, und dann sagen: Jetzt sind wir wieder Freunde. Alle Thematiken sind schon hundertmal besprochen.»

«Das Gequatsche geht ihm gewaltig auf den Senkel»

Watzke bestätigte indes die Ausstiegsklausel von Reus. «Ich sage grundsätzlich nichts zu Vertragsinhalten. Das unterscheidet mich von dem einen oder anderen. Er hat eine Ausstiegsklausel, es ist die einzige bei Borussia Dortmund. Marco und wir sind sehr eng, reden offen miteinander. Ich weiss genau, was Sache ist. Wenn er eine Entscheidung schon wüsste, hätte er sie verkündet.»

Reus sei inzwischen ein Weltstar geworden, habe aber eine sehr, sehr enge Bindung zum Verein und der Stadt Dortmund. «Marco wird uns irgendwann informieren. Wenn er das rein ökonomisch angehen würde, sind wir immer zweiter Sieger. Wir können uns nicht auf einen Bieter-Wettbewerb mit Bayern, Real oder Barcelona einlassen. Ohne Champions League ist es deutlich schwerer, ihn zu halten. Ich weiss, wie Marco denkt. Nur, ich werde es nicht sagen. Das ganze Gequatsche der letzten Wochen, das ist ja relativ einfach zu lokalisieren, geht ihm gewaltig auf den Senkel.»

«Wir sind nicht durch böse Mächte dahin gekommen»

Watzke äusserte sich auch zur Krise und Trainer Jürgen Klopp. «Dass der Trainer einen Plan hat, hat man doch gegen die Bayern gesehen. Ich habe jahrelang gesagt, dieser Verein hat grandiose Jahre gehabt, irgendwann wird es mal einen Rückschlag geben. Den gab es früher bei Bayern auch, als sie noch ein normaler Verein waren. Wir werden das überstehen. Jetzt in Hektik verfallen – neee.» Über die Champions League nachzudenken, sei mittlerweile ein mathematisches Problem. «Wir sind nicht durch Zufall und böse Mächte dahin gekommen. Es bringt nichts, hinter einer Fata Morgana herzulaufen.»

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 04.11.2014, 13:30 Uhr

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