Der klassische Drittligist in der 2. Liga

Der FC Unterstrass besitzt einen Kabinentrakt, der unter Denkmalschutz steht, und ist erprobt im Kampf gegen den Abstieg.

Ein Vierteljahrhundert für den FC Unterstrass: Kurt und Marlis Müller vor dem unter Denkmalschutz stehenden Kabinengebäude.

Ein Vierteljahrhundert für den FC Unterstrass: Kurt und Marlis Müller vor dem unter Denkmalschutz stehenden Kabinengebäude. Bild: Sophie Stieger

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Der Unterschied könnte nicht grösser sein. Hier das 1956 erbaute Kabinengebäude - gegenüber das 2001 eröffnete moderne Clubhaus «Taläntschuppe», aus dem durch die Fensterfront sogar die Spiele beobachtet werden können. «Von da an ging es aufwärts», sagt Kurt Müller. «Es ist wichtig für das Clubleben auf der Sportanlage Steinkluppe. Und dank des Einsatzes der freiwilligen Helfer gibt es auch schöne Einnahmen für den Verein.» Der Präsident des 1921 gegründeten FC Unterstrass hat selbst massgeblich zum Entstehen des Baus beigetragen. Es war kein leichtes Unterfangen. Vor allem wegen des unter Denkmalschutz stehenden Kabinentrakts. «Das Clubhaus musste ein bestimmtes Aussehen haben. Deshalb hatten wir mit der Stadt einige Sträusse ausgefochten», blickt er zurück und hält fest: «Wir haben es selber finanziert.»

Noch bis Mitte der Neunzigerjahre trafen sich die Fussballer von Unterstrass im vis-à-vis gelegenen Restaurant Einsiedlerhof. Nach dessen Schliessung gab es gar keinen Treffpunkt mehr. Es habe die Gefahr bestanden, dass der Club auseinanderfalle, erinnert sich Müller. «Der Platzwart hatte in seinem kleinen Kühlschrank ein Getränk. Das war alles.»

Durch den Sohn zum FCU

Der «Taläntschuppe» ist aber nur eines der Projekte, die Müller in den letzten Jahren erfolgreich umgesetzt hat. 2007 kam eine Zuschauertribüne und im letzten Jahr der Kunstrasen hinzu. Dieser hat sich bewährt. «Das Echo ist fast durchwegs positiv», sagt der Präsident. «Mit dem Kunstrasen ist vieles einfacher geworden», fügt Kurt Müllers Frau Marlis an. Jetzt müsse sie nicht mehr nach einer Nacht mit starkem Regenfall am Morgen die Spiele kurzfristig absagen. Marlis Müller ist die starke Frau an der Seite des FCU-Präsidenten. Noch vor ihm stiess sie 1986 in den Vorstand und führt seither die Sekretariatsarbeiten und viele weitere Funktionen aus. In den Verein kamen die Müllers einst wegen ihres Sohnes Peter, der damals bei den D-Junioren spielte. «Irgendwann hat mich der Trainer gefragt, ob ich nicht das Protokoll im Vorstand schreiben wolle.»

Nur drei Jahre später wurde Kurt Müller Präsident. «Trotz Abwesenheit an der Generalversammlung», fügt er mit einem Schmunzeln bei. Bereut hat das der 67-Jährige, der als selbstständiger Finanzverwalter noch voll im Berufsleben steht, keine Sekunde. «Wir hatten immer ein gutes Team im Vorstand», und er erwähnt Senioren-Obmann René Untersander und Kassier Alessandro Baumann. «Auch sie sind schon viele Jahre dabei.»

Die Nachfolge geregelt

Seit Müllers Amtsübernahme im Jahr 1989 war Unterstrass lange Zeit der klassische Drittligaverein. 2006 gelang der Wiederaufstieg nach 21 Jahren. «Seither zählen wir immer zu den Abstiegskandidaten», sagt der Präsident. Auch in dieser Saison scheint der Ligaerhalt möglich. Die auf Platz 11 klassierten Stadtzürcher trennen in der Gruppe 2 sechs Punkte von einem Abstiegsplatz. So oder so bleibt man sich bei Untertrass treu: «Wenn es nicht reicht, reicht es nicht. Wir verbiegen uns da nicht», stellt Müller klar. Die «Völkerwanderungen» von Spielern anderer Clubs nimmt er mit Missfallen zur Kenntnis. «Wir wollen keine Fussballer, die wegen 500 Franken den Verein wechseln. Die bekommen sie bei uns sowieso nicht. Zu uns sollen die kommen, die noch Wert auf eine familiäre Atmosphäre legen.»

Das im Dezember 2010 vom Fussballverband Region Zürich für besondere Verdienste zu den Ehrenamtlichen des Jahres gekürte Ehepaar plant nun den Rückzug. Für Marlis Müller ist im Sommer Schluss - der Nachfolger bestimmt. Ein halbes Jahr später folgt auf die nächste GV hin ihr Mann Kurt. «Ich habe drei Kandidaten im Visier», sagt er. «Sie stehen im Wort. Einer von ihnen werde es machen, haben sie mir bestätigt.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.04.2012, 15:51 Uhr

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