Der kniffligste Fall von José Mourinho, Wayne Rooney

Einst grosses Talent, jetzt nur noch ein Nebendarsteller – Wayne Rooneys Zeit bei ManU dürfte vorüber sein. Was mit ihm tun?

Könnten bald getrennte Wege gehen: José Mourinho und Wayne Rooney.

Könnten bald getrennte Wege gehen: José Mourinho und Wayne Rooney. Bild: Getty Images

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Kaum hatte José Mourinho zur Pressekonferenz Platz genommen, da fing er schon an zu reden, ohne überhaupt etwas gefragt worden zu sein. Seine Eigeninitiative am Freitag war Kalkül. Mourinho wusste, dass sich eine Einschätzung zur Zukunft eines Spielers nicht vermeiden liess. Und so konnte der Trainer von Manchester United den Verlauf des Gesprächs über Wayne Rooney immerhin selbst bestimmen.

Die Auseinandersetzung mit dem zunehmenden sportlichen Wertverlust des englischen Idols für ManUnited gehört zu den kniffligsten Aufgaben, die Mourinho seit Amtsbeginn im Sommer zu bewältigen hat. Wie gelingt es, einen der angesehensten und erfolgreichsten Repräsentanten des englischen Fussballs, den Captain und besten Torschützen in der Geschichte seines Clubs und der seines Landes, aus dem operativen Geschäft auf dem Spielfeld zu drängen, ohne ihn dabei allzu sehr zu verärgern?

Rooney, 31, hat sich seinen Status über zwei Dekaden hinweg erarbeitet. Und er hat sich gewandelt in fast 15 Jahren als Fussballprofi. Rooney, dabei denkt so mancher ja immer noch an den wilden, etwas rüpelhaft aussehenden Jungen, der seinen Nachbarn als Kind die Fensterscheiben zerschoss, und der als 16-Jähriger für den FC Everton aus 25 Metern gegen Arsenal einfach draufhielt und traf.

Von seinem Wandel profitieren viele – nur er nicht

Doch Wayne Rooney ist inzwischen ein dreifacher Familienvater. Sein Liverpooler Akzent fällt kaum noch auf im Vergleich zu den Anfangsjahren. Und das hitzköpfige Temperament, mit dem er zuweilen gegnerische Abwehrreihen in Schrecken versetzte, hat ebenso abgenommen. Die Öffentlichkeit auf der Insel erfreute sich in den vergangenen Jahren an einer neuen, eloquenten Führungsfigur.

Als neulich auf der Insel ein Missbrauchsskandal im Fussball Schlagzeilen machte, ergriff Rooney öffentlich Partei für die Opfer. Von Rooneys Umsicht profitieren auch Trainer und Mitspieler – nur er selbst nicht. Die Verantwortung als Captain, die ihm im Sommer 2014 sowohl für ManUnited als auch die englische Nationalmannschaft übertragen wurde, hat ihm das Draufgängerische genommen. Und damit seine einst grösste Stärke.

Das zeigte sich auch am Samstag wieder beim 1:1 gegen den AFC Bournemouth. Rooney, der als hängende Spitze ran durfte, schaffte es erneut nicht, auf sich aufmerksam zu machen. Obwohl ManUnited eine Halbzeit lang in Überzahl agierte. Überhaupt zog bei dieser Partie nur Zlatan Ibrahimovic die Blicke auf sich. Mit einem üblen Ellbogen-Check revanchierte er sich bei seinem Gegenspieler für dessen Stollentritt an den Kopf – beide kamen ungestraft davon.

Die Anzahl an Saisontoren geht zurück

Das Ende des Spiels erlebte Rooney auf der Bank – ohne erwähnenswerten Torschuss. Als Bindeglied zum Mittelfeld hielt er sich bis zu seiner Auswechslung in der 70. Minute meist ausserhalb des Strafraums auf. Und immer öfter steht dann, wenn Rooney mal wieder ausgewechselt wird, diese Frage im Raum: Was kommt da eigentlich noch? Nimmt diese einzigartige Laufbahn noch einmal eine andere Wendung?

Das Ende der Karriere des Wayne Rooney ist freilich noch ein Stück weit entfernt, aber ein neuer Abschnitt hat für ihn in jedem Fall begonnen. Einfach ablesen lässt sich das bei der Anzahl an Ligatoren, die sich im Verlauf der vergangenen Jahre kontinuierlich verringert hat. Zunächst ging es von 17 auf zwölf herunter, in der Vorsaison waren es bloss noch acht Treffer. Jetzt steht Rooney nach 26 Spieltagen bei zwei. Gerade genug, um im Januar mit 250 Treffern den Allzeit-Torrekord des Clubs, aufgestellt von Bobby Charlton, zu passieren.

Rooney, das vergisst man manchmal, spielt bereits seit Sommer 2004 für die Red Devils. Seitdem hat sich Rooney mit Titeln und Rekorden eingedeckt, jede Vereinstrophäe gewonnen. Mourinho versuchte vom ersten Tag an ein intaktes Verhältnis mit Rooney aufzubauen, indem er in der Öffentlichkeit keine Gelegenheit ausliess, den Captain mit Lob zu versehen und ihn bei dessen persönlichen Zielen zu unterstützen.

Mögliche Rückkehr zu Everton?

Wenig überraschend war es daher, dass Rooney zu seinem 550. Spiel für Manchester United einen Platz in der Startelf gegen Bournemouth bekam. Mourinho kündigte das Jubiläum am Vortag in seinem Einstiegsmonolog an. Er wollte eher ungern darauf angesprochen werden, dass Rooney in den wichtigen Spielen immer seltener zum Einsatz kommt. Nur bei vier der vergangenen 21 Ligaspielen stand Rooney bei Anpfiff auf dem Platz. Die Kontrahenten hiessen: Swansea City, Crystal Palace, West Bromwich Albion und eben Bournemouth.

Letzte Woche hat der FC Everton offiziell Interesse angemeldet an einem Rückkauf seines einstigen Emporkömmlings. Rooneys Vertrag in Manchester läuft im Sommer 2019 aus. Dem offensiven Werben entgegnet Mourinho, dass er Rooney gerne behalten wolle, aber nie einem Spieler sagen würde, was der zu tun habe. So klingt das für gewöhnlich, wenn ein Trainer seinen Captain darauf hinweist, dass seine Zeit in seiner Mannschaft bald vorbei ist. (Sven Haist, Süddeutsche Zeitung)

Erstellt: 06.03.2017, 09:50 Uhr

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