Der neue Nationaltrainer heisst Petkovic

Vladimir Petkovic wird im Sommer Nachfolger von Ottmar Hitzfeld – mit einem Vertrag bis mindestens Ende 2015. Der langjährige Assistent Michel Pont wird gehen müssen.

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Viele Namen wurden herumgereicht, seit Ottmar Hitzfeld am 13. Oktober bekannt gegeben hatte, er werde nach der WM in Brasilien als Nationaltrainer zurücktreten und in Pension gehen. Nach wochenlangen Diskussionen einigte sich der Zentralvorstand des Schweizerischen Fussballverbandes (SFV) nun auf einen Nachfolger. Nicht ganz überraschend ist es Vladimir Petkovic – der 50-jährige Tessiner, schweizerisch-kroatischer Doppelbürger, hatte als Kronfavorit gegolten. Er kommt von Lazio Rom zum Nationalteam, mit den Römern hatte er im vergangenen Sommer den Cupsieg errungen. Es war der erste Titel seiner Trainerkarriere.

In der Schweiz hatte Petkovic zunächst diverse Tessiner Vereine trainiert, ehe er 2008 Bellinzona verliess und die Young Boys übernahm. Bei den Bernern liess er zeitweise mitreissenden Offensivfussball spielen, allerdings fällt in die Ära Petkovic auch das dunkle Kapitel, als er in der Saison 2009/10 einen zwischenzeitlichen 13-Punkte-Vorsprung auf den FC Basel noch einbüsste und den Meistertitel verlor. So festigte sich nicht zuletzt unter Petkovic das Verlierer-Etikett, das den Bernern mehr und mehr anhaftet.

Hervorragend vorbereitet

Nach seiner Entlassung im Jahr 2011 heuerte der ehemalige Sozialarbeiter in der Türkei bei Samsunspor an. Und 2012 wurde er von Christian Constantin verpflichtet, um den FC Sion in der Barrage gegen Aarau vor dem Abstieg zu bewahren. Er schlug Constantins Angebot aus, weiter für die Walliser zu arbeiten. Stattdessen wurde er überraschend von Lazio Rom verpflichtet. In seiner ersten Saison erreichte Petkovic über den Cupsieg die Europa League, dadurch verlängerte sich automatisch sein Vertrag.

Wegen ausbleibender Erfolge in der Serie A geriet er zuletzt jedoch zunehmend unter Druck, und nach dem 1:4 am Sonntag bei Hellas Verona wurde der Ruf nach Veränderung laut. Gestern Mittag vermeldete der «Corriere dello Sport» prompt: «Es ist vorbei. Unter seinem Weihnachtsbaum wird Petkovic seine Entlassungspapiere vorfinden.» Das Communiqué des SFV am späteren Montagnachmittag zur Verpflichtung des neuen Nationaltrainers kam einem entsprechenden Entscheid von Lazio Rom dann allerdings zuvor. Wie Petkovics kurzfristige Zukunft aussieht, ist noch nicht offiziell klar. In den vergangenen anderthalb Jahren in Italien hatte Petkovic den Blick für die Schweiz nie vernachlässigt. In den Bewerbungsgesprächen mit dem Fussballverband überzeugte Petkovic; er sei hervorragend vorbereitet gewesen und habe das Dossier Nationalmannschaft im Griff, heisst es. Seine Belohnung ist ein Vertrag bis Ende 2015, der sich automatisch um ein halbes Jahr verlängert, sollte sich die Schweiz für die EM in Frankreich qualifizieren. Erstmals werden 24 Teams am Turnier teilnehmen; der Erste und Zweite jeder der acht Gruppen ist direkt qualifiziert.

Nein zu Pont, nein zu Tami

Für den langjährigen Assistenten Michel Pont hingegen bedeutet die Entscheidung des SFV das Aus. Petkovic soll die Bedingung vorgetragen haben, eigene Co-Trainer aus Rom mitzubringen. Der Verband kam dem Ansinnen nach und wird sich vom Westschweizer trennen. Dieser war in der Amtszeit von Ottmar Hitzfeld wichtig für die Kommunikation mit den «lateinischen» Spielern und beliebt im Team. Er hatte selbst zu den Kandidaten für den Trainerjob gehört. Auch U-21-Nationaltrainer Pierluigi Tami hatte sich beworben und sich Hoffnungen gemacht. Beiden fehlte aber wohl der grosse Name für das prestigeträchtige und gut bezahlte Amt.

Neuer Assistenztrainer wird Antonio Manicone, neuer Konditionstrainer Paolo Rongoni. Manicone, 47-jähriger Italiener, war lange als Nachwuchs- und Assistenzcoach in der Organisation von Inter Mailand tätig gewesen, ehe ihn Petkovic 2012 nach Rom berief. Einst Mittelfeldspieler, hat Manicone für Palermo, Udinese und Inter gespielt und auch ein Länderspiel für die Squadra Azzurra absolviert. In der Qualifikation für die WM 1994 in den USA wurde er von Arrigo Sacchi im Spiel in Estland eingesetzt. Es war jene Kampagne, in der es Italien mit der Schweiz von Roy Hodgson zu tun bekommen hatte – und in Bern 0:1 unterlag. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.12.2013, 16:01 Uhr

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