Der späte Jubel der Schweizer

Stephan Lichtsteiner und Xherdan Shaqiri retten mit ihren Toren das letzte Testspiel vor der WM – 2:0-Sieg gegen Peru.

«Es ist wichtig, als Leader die Entscheidung herbeizuführen»: Stephan Lichtsteiner über sein Führungstor gegen Peru.
Video: Sebastian Rieder

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Dann kam Lichtsteiner. Das war gut für die Unterhaltung. Sie hatte fast gänzlich gefehlt bis dahin.

Also: Lichtsteiner, der Rechtsverteidiger, passte zu Shaqiri, es lief die 78. Minute. Shaqiri, vor kurzem erst eingewechselt, lancierte Linksverteidiger ­Rodriguez. Und der fand mit seiner Flanke: den vor das Tor gespurteten Lichtsteiner, der den Ball wie ein Mittelstürmer über die Linie köpfelte.

Die Schweiz führte 1:0. Und es ging danach nicht lange, da hatte sie auch ihr zweites Tor. Dieses Mal spielte Inler einen langen Ball auf den losgesprinteten Shaqiri. Wie der Bayern-Spieler darauf Goalie Forsyth bezwang, hatte Klasse.

Die beiden Tore retteten den Schweizer Auftritt, der ähnlich gewesen war wie derjenige am Freitag gegen Jamaika, als nach schwachem Beginn erst ein Schlussspurt zum 1:0-Erfolg geführt hatte. «Ich bin zuerst einmal zufrieden, dass wir das Spiel gewonnen haben», urteilte Trainer Hitzfeld, kritisierte sein Team aber auch, weil er Fortschritte «erst am Schluss» gesehen hatte, als die Schweiz führte. Vorher hätten seinem Team der Rhythmus und die Spritzigkeit gefehlt. Einen Grund für Lob fand er trotzdem: «Wir haben uns ins Spiel reingekämpft, wir wollten unbedingt gewinnen, mit der Willensleistung bin ich zufrieden.»

Der Match gegen Peru war Hitzfelds 57. Spiel als Schweizer Chef und das letzte Heimspiel überhaupt. Zwei freie Tage gönnt der 65-Jährige jetzt seinen Spielern, bevor die Mannschaft am Freitag erneut zusammenkommt, im Letzigrund trainiert und dann abhebt nach Brasilien. Hitzfeld tut das mit einem guten Gefühl. Er glaubt: «Wir haben eine gute Basis gelegt, hart trainiert und zweimal gewonnen. Das ist gut für die Moral.»

Ein belangloses Spiel

15'000 Zuschauer hatten die Luzerner Swisspor-Arena gefüllt – es sass in der Arena auch Hitzfelds Nachfolger Petkovic. Was das Publikum erlebte, war ein Match, der zu lange zu wenig Genuss bot, ein Spiel mit Belanglosigkeiten. Und wenn Hitzfeld die von Beginn an eingesetzten Spieler tatsächlich auf dem «Prüfstand» sah, wie er das angekündigt hatte, dann müsste er sich grösste Gedanken darüber machen, wie er am 15. Juni in Brasilia gegen Ecuador beim ersten WM-Spiel antreten will.

Das wird er aber nicht, weil den Schweizern – allen anderslautenden Aussagen zum Trotz – die hochwertige Breite im Kader fehlt. Es ging Hitzfeld gestern vor allem darum, sich über die letzten offenen Positionen klar zu werden: Wer verteidigt neben von Bergen im Abwehrzentrum? Und wie sieht die Dreierlinie im offensiven Mittelfeld aus?

Im Zentrum verteidigte Schär. Und es müssen Zweifel bleiben, ob der 22-Jährige weit genug ist nach seinen schwierigen Monaten mit Knieoperation und Sprunggelenksverletzung. Der Basler Verteidiger leistete sich bald einen seiner schlimmen Abspielfehler, die offenbar zu seinem Spiel gehören wie torgefährliche Vorstösse – von denen es gegen Peru allerdings keine gab. Schär liess sich einmal auch leicht überlaufen und stand schlecht, als sich die Südamerikaner in der 41. Minute ihre beste Chance erspielten, Hurtados Schuss aber nur bis zu Benaglios Händen kam.

Die Peruaner hätten in der Theorie bestens gepasst als netter Gegner. Sie ­waren mit der B-Mannschaft angetreten, ohne ihr bestes Personal, ohne Vargas (Genoa), Farfán (Schalke) oder Pizarro (Bayern), stattdessen mit lauter unbekannten Namen aus Teams wie Rio Ave oder Real Sociedad B. Die Schweizer aber hatten ihr altes Problem: Sie waren nicht in der Lage, den Takt vorzugeben, die Partie zu prägen. Ihre Schwierigkeiten begannen in der Angriffsauslösung und zogen sich bis nach vorne in die Sturmspitze, wo Drmic praktisch ohne verwertbaren Ball blieb.

Xhaka blieb wieder blass

Im defensiven Mittelfeld nahmen Inler und Behrami zu wenig Einfluss, auf dem rechten Flügel fehlte anfangs der für die WM gesetzte Shaqiri. Mehmedi, Xhaka und Stocker besetzten die Positionen im offensiven Mittelfeld. Der eigentliche linke Flügel Stocker allerdings spielte meist rechts, wo er seine Position nie richtig fand. Xhaka, den Hitzfeld noch einmal studieren wollte, hatte wie gegen Jamaika kaum nennenswerte Szenen. Und Mehmedi fehlte die Beweglichkeit vom Freitag, er war nicht mehr überdurchschnittlich, aber immer noch gut genug, um der Beste der drei zu sein.

Nur genügen die Eindrücke aus diesem Match kaum, um Hitzfeld Sicherheit zu geben für seine Entscheide. Er kann nicht unglücklich sein, dass seine Spieler noch Zeit haben, ihr Tempo, ihren Spielwitz, ihre Form zu finden.

Erstellt: 03.06.2014, 23:46 Uhr

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