Der wahre Grund für Spaniens Boykott des Neymar-Transfers

Die spanische Liga behauptet, für finanzielle Gerechtigkeit zu kämpfen. Dabei passt ihr Neymars Wechsel zu PSG aus einem anderen Grund nicht.

Ein Star weniger in Spanien: Neymar Jr. bei seiner Präsentation in Paris.

Ein Star weniger in Spanien: Neymar Jr. bei seiner Präsentation in Paris. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es ist eine nette Pointe dieses gigantomanischen Transfers. Ausgerechnet in ­Guingamp wird Neymar Junior heute sein Debüt für Paris St-Germain geben. Der 222-Millionen-Euro-Mann betritt seine neue Bühne in einem Provinzstädtchen mit knapp 7000 Einwohnern. Den grossen Auftritt im Heimspiel vor einer Woche hatte die spanische Liga dem Brasilianer noch vermiest, indem sie sich schlicht weigerte, die nötigen Papiere zügig zu verschicken.

La Liga hat sich als Vorkämpfer der Gerechtigkeit produziert. Laut klagt ihr Präsident Javier Tebas, der Neymar-Transfer verstosse gegen die Regeln des ­Financial Fairplay. In diesen verlangt der europäische Verband Uefa, dass ein Club nicht mehr Geld für Spieler ausgeben darf, als er aus eigener Kraft erwirtschaftet. Natürlich kann bezweifelt werden, dass Paris diese Vorgabe erfüllt. Die katarischen Besitzer haben seit der Übernahme 2011 Hunderte von Millionen in den PSG gepumpt. Und doch wirkt es verdächtig, dass sich die spanische Liga vehementer gegen den Wechsel von Neymar stemmt als der FC Barcelona, der ja gute Gründe hat, sich als verschmähter Liebhaber zu gebärden.

Tatsächlich wird es nicht der Regelverstoss an und für sich sein, der die Spanier trifft. Es schmerzt der Verlust der Weltmarke Neymar. Tebas ist es vor einem Jahr gelungen, dass die beiden Schwergewichte Real Madrid und Barça einer gerechteren Verteilung der TV-Gelder innerhalb der spanischen Liga zugestimmt haben. Im Gegenzug hat er Grosses versprochen: Tebas will die TV-Rechte im Ausland so gut verkaufen, dass die Spanier dort noch mehr Geld einnehmen als die englische Premier League. Und die hat zuletzt in China einen Deal unterzeichnet, der ihr für drei Jahre 706 Millionen Franken einbringt.

Die englische Liga ist zwar ausgeglichener als die Primera Division und damit für TV-Stationen attraktiver. Doch Tebas glaubte, einen anderen Trumpf zu besitzen: «Für die Vermarktung im Ausland ist es am wichtigsten, dass man die grössten Stars in der eigenen Liga hat.» Er sagte das, als mit Cristiano ­Ronaldo, Neymar und Lionel Messi noch die drei Fussballer mit der weltweit grössten Fan-Basis in Spanien spielten. Jetzt ist Neymar weg, und Ronaldo liebäugelt wegen seiner Steueraffäre mit einem Abgang. Würde er auch noch gehen, hätten die Spanier auf dem TV-Markt endgültig ein Problem. (SonntagsZeitung)

Erstellt: 12.08.2017, 22:02 Uhr

Artikel zum Thema

Neymar zahlt Millionen-Strafe

Nach einem jahrelangen Rechtsstreit hat der brasilianische Fussballstar Neymar einer Strafzahlung an die Steuerbehörden seines Heimatlandes zugestimmt. Er werde acht Millionen Reais (über 2,4 Millionen Franken) an den Fiskus zahlen. Mehr...

Der Schattenmann des Neymar-Deals

Pini Zahavi hat einmal mehr die Regeln des Fussballs auf den Kopf gestellt. Aber wer ist der Mann mit Verbindungen zur Weltpolitik? Mehr...

222 Millionen Gründe für den Club gleich um die Ecke

Profifussball kann einen nicht erst seit dem Neymar-Transfer anekeln. Höchste Zeit, statt den Stars dem lokalen Verein zu folgen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Lehrstellen

Sich zu bewerben heisst für sich werben

Kommentare

Die Welt in Bildern

Affentheater: Ein Kapuzineraffe begutachtet das neue Primatengehege im Zoo Servion (VD). (13. Dezember 2017)
(Bild: Jean-Christophe Bott) Mehr...